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Politik

Äthiopische Truppen erobern Flughafen

10. November 2020

Die Regierung in Addis Abeba weitet ihre Kontrolle über die Region im Norden des Landes offenbar weiter aus. Die Afrikanische Union fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in dem ostafrikanischen Land.

Unruhen in Äthiopien
Amharische Freischärler, die an der Seite der Regierungssoldaten in Tigray kämpfenBild: Eduardo Soteras/AFP/Getty Images

Die Afrikanische Union (AU) will einen sofortigen Waffenstillstand in Nord-Äthiopien. AU-Chef Moussa Faki Mahamat appellierte an die Konfliktparteien, die Kampfhandlungen unverzüglich einzustellen sowie "die Menschenrechte zu respektieren und den Schutz der Zivilbevölkerung zu garantieren".

Laut Staatsmedien ist es der äthiopischen Armee derweil gelungen, den strategisch wichtigen Flughafen in Humera an den Grenzen zum Sudan und zu Eritrea "komplett einzunehmen". Die von der Regierungspartei in Tigray (TPLF) kontrollierten Medien wiederum erklärten, vom "Faschisten Abiy Ahmed ausgegebene Informationen" seien "weit von der Wahrheit entfernt". Von unabhängiger Seite waren die Angaben nicht zu überprüfen.

Die äthiopische Armee hatte vergangene Woche erklärt, sie befinde sich im "Krieg" mit der TPLF (Volksbefreiungsfront von Tigray). Regierungschef Abiy Ahmed hatte von zwei Angriffen der TPLF auf äthiopische Militärbasen gesprochen und einen Inlandseinsatz des Militärs angeordnet. Der Militäreinsatz gegen die TPLF verlaufe planmäßig, teilte Abiy zuletzt mit. Auf Twitter erklärte er, der Militäreinsatz in Tigray werde beendet, sobald eine legitime Regionalregierung eingesetzt sei.

Die TPLF erkennt Abiy, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, nicht an. Hintergrund sind ethnische Spannungen zwischen den Tigrayern, die das Land über Jahrzehnte kontrolliert hatten, und Abiy, einem Angehörigen der Oromo, der größten ethnischen Gruppe des Landes. Bei Luftangriffen und Kämpfen am Boden in Tigray sind mittlerweile Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Wegen der jüngsten Eskalation wachsen auch Befürchtungen, dass nicht nur Äthiopien mit seinen 110 Millionen Einwohnern, sondern die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisiert werden könnte. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer Flüchtlingskrise.

Einige Äthiopier, darunter auch Soldaten, sind bereits in den Sudan geflohen, wie Augenzeugen und Sudans Staatsmedien berichteten. Laut Fana TV kontrollierten Regierungstruppen am Dienstag die Straße von Humera in Richtung sudanesische Grenze. Zahlreiche Tigray-Kämpfer hätten sich ergeben. Die Äthiopische Presseagentur zeigte Fotos, auf denen Regierungssoldaten am Flughafen der Stadt zu sehen sind. In der Stadt selbst geht das öffentliche Leben nach Regierungsangaben normal weiter.

uh/qu (afp, rtr, epd)

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