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Politik

Österreichs neuer Bundeskanzler vereidigt

11. Oktober 2021

Bisher war Alexander Schallenberg österreichische Außenminister, zwei Tage nach dem Rücktritt von Kanzler Kurz folgt er nun diesem ins Amt. Schallenberg trage große Verantwortung, mahnte Bundespräsident Van der Bellen.

Österreichs neuer Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei seiner Vereidigung in der Wiener Hofburg
Österreichs neuer Bundeskanzler Alexander SchallenbergBild: Lisa Leutner/AP/picture alliance

Nach einer tagelangen politischen Krise ist der ÖVP-Politiker Alexander Schallenberg als neuer österreichischer Regierungschef vereidigt worden. Zum neuen Außenminister wurde der Diplomat Michael Linhart berufen, der bisher Botschafter seines Landes in Frankreich war. Die neu formierte Bundesregierung trage eine große Verantwortung, sagte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Vereidigung in der Wiener Hofburg. An ihr sei es, die Projekte der Koalitionsregierung aus ÖVP und Grünen weiterzuführen. Sie müsse aber auch dafür sorgen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik wiederhergestellt werde.

Österreichs bisheriger Bundeskanzler, Sebastian Kurz von der ÖVP, war am Samstag wegen Korruptionsermittlungen zurückgetreten. Österreich rutschte in eine schwere Regierungskrise. Die mitregierenden Grünen hatten angesichts der laufenden Ermittlungen gegen Kurz seine Ablösung gefordert und andernfalls das Scheitern der Koalition in den Raum gestellt.

Schallenberg kündigt Zusammenarbeit mit Kurz an

Der 52-jährige Schallenberg stammt aus einer Diplomatenfamilie. Seine eigene diplomatische Laufbahn begann der studierte Jurist adeliger Herkunft 1997. Nach verschiedenen Auslandsposten, darunter in Brüssel, wurde er 2019 Außenminister. Schallenberg - von seinen Anhängern auch "Schalli" genannt - gehört zum engsten Umfeld seines Vorgängers Kurz. Beide verbindet eine Reihe gemeinsamer inhaltlicher Positionen - vor allem in der Migrationspolitik sowie in der Haltung gegenüber der Türkei.

Schallenberg trage große Verantwortung, mahnte Bundespräsident Van der Bellen (l.)Bild: Georg Hochmuth/APA/dpa/picture alliance

Ungeachtet der Korruptionsermittlungen gegen Kurz will sein Nachfolger auch in Zukunft mit ihm an einem Strang ziehen. "Ich halte die im Raum stehenden Vorwürfe für falsch", sagte Schallenberg nach seiner Vereidigung. Kurz bleibt nach seinem Rücktritt Chef der konservativen ÖVP und wird als Fraktionschef ins Parlament wechseln.

Opposition kritisiert Fortsetzung des "System Kurz"

Während sich die Grünen mit dem Kanzlerwechsel zufrieden gaben und die Regierungskoalition mit der ÖVP fortsetzen wollen, kamen von der Opposition hingegen scharfe Töne. Die Opposition befürchtet auch mit Schallenberg als Kanzler eine Fortsetzung des "Systems Kurz" an der österreichischen Regierungsspitze. So kritisierte die Vorsitzende der Sozialdemokraten (SPÖ), Pamela Rendi-Wagner, dass Kurz damit im Hintergrund weiter die Fäden ziehen werde. "Er ist zwar nicht mehr Bundeskanzler, aber Schattenkanzler der Republik Österreich", sagte die Chefin der größten Oppositionspartei.

Weg und doch nicht ganz weg: Österreich Ex-Kanzler Sebastian Kurz bleibt Parteivorsitzender der ÖVPBild: Lisi Niesner/REUTERS

Wie in der vergangenen Woche bekannt geworden war, ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den 35-jährigen Ex-Kanzler wegen des Verdachts der Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Mitstreiter sollen Kurz' Aufstieg an die Spitze von ÖVP und Regierung seit 2016 durch geschönte Umfragen und gekaufte positive Medienberichte abgesichert haben. Auch ist die Rede davon, dass dafür öffentliche Gelder genutzt wurden. 

cw/ml (afp, dpa, rtr)

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