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150 Millionen Euro pro Jahr

8. November 2002

- Kreditanstalt für Wiederaufbau zur Stärkung des Finanzsektors in Südosteuropa

Köln, 7.11.2002, DW-radio / Karl Zawadzky

Die Bundesregierung hat den südosteuropäischen Ländern in den vergangenen zehn Jahren aus dem Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung insgesamt 1,6 Milliarden Euro für Entwicklungsvorhaben zugesagt; allein im vergangenen Jahr beliefen sich die Zusagen im Rahmen des Stabilitätspakts für Südosteuropa auf 150 Millionen Euro. Um einen Teil dieser Mittel den kleineren und mittleren Unternehmen zugänglich zu machen, hat die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit anderen Entwicklungsinstitutionen ein Sonderprogramm für die Unterstützung des Finanzsektors aufgelegt. Wie KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Matthäus-Maier am Donnerstag in Berlin darlegte, werden im Rahmen dieses Programms regionale und lokale Entwicklungsbanken gegründet und bestehende Geschäftsbanken gefördert.

Bislang war es für Unternehmen und für den Wohnungsbau in den südosteuropäischen Ländern nicht möglich, genügend Kredite mit ausreichend langen Laufzeiten für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Firmen und Gebäude zu erhalten. Im Auftrag des Entwicklungsministeriums hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau deswegen eine doppelte Strategie für die Lösung des Problems entwickelt. Zusammen mit Entwicklungsinstitutionen auch aus anderen westeuropäischen Ländern werden einerseits sogenannte Mikro-Banken speziell für die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen gegründet, andererseits werden vorhandene Banken bei der Vergabe von Kleinkrediten für kleine Unternehmen sowie für den Wohnungsbau finanziell und mit Managementberatung unterstützt.

Im Kosovo sowie in Serbien, aber auch in Albanien, Bosnien, Bulgarien und Rumänien hat sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Gründung von Mikro-Banken beteiligt. Bezeichnend für diese Banken ist, dass sie speziell auf die finanziellen Bedürfnisse von Kleinunternehmen sowie von Menschen mit niedrigem Einkommen ausgerichtet sind. Zum Beispiel die Micro Enterprise Bank in der kosovarischen Hauptstadt Pristina hat seit ihrer Gründung vor zwei Jahren 3 200 Einzelkredite über insgesamt 17 Millionen Euro vergeben. Viele Kleinunternehmen im Kosovo haben über diese Bank zum ersten Mal Zugang zu Finanzdienstleistungen. Die Bank vergibt nicht nur Kredite, sondern bietet auch Möglichkeiten zur Ersparnisbildung und für Geldüberweisungen.

Als Ingrid Matthäus-Maier vom Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau kürzlich die Micro Enterprise Bank in Pristina besuchte, war sie von der Professionalität des Geschäftsbetriebs beeindruckt. Die Bank ist nicht nur hoch profitabel, sondern die ebenfalls von Ingrid Matthäus-Maier aufgesuchten Kunden sind auch hoch zufrieden:

"Zum Beispiel ein Einzelhändler hat eine zusätzliche Investition getätigt, was man so brauchte in seinem Laden, um den auf Vordermann zu bringen. Es ging um 6 000 Euro. Dieser Einzelhändler konnte uns sagen und der Mann von der Mikro Enterprise Bank, der mit uns dort war, konnte das bestätigen, es lohnt sich. Oder aber ein Bäcker, der einen Kredit etwa in dieser Größenordnung bekam, hat damit seine

Backstube neu eingerichtet. Oder aber eine Zimmerei hat entsprechende Investitionen getätigt mit einem Kredit der Micro Enterprise Bank. Ich fand übrigens interessant, und das hat mich ein wenig stolz gemacht für Deutschland, diese Bank gilt als deutsche Bank. Das Vertrauen in deutsche Banken, das die ordentlich mit dem Geld umgehen, zeigt, dass Deutschland dort einen großen Vertrauensvorschuss hat."

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau gründet nicht nur Mikro-Banken, sondern sie arbeitet auch mit vorhandenen örtlichen Banken zusammen. Ausgesuchte Partnerbanken werden qualifiziert zur Vergabe von Krediten an Kunden mit niedrigem Einkommen. Die Finanzmittel für diese Initiative sind nicht nur vom Entwicklungsministerium der Bundesregierung, sondern auch von anderen bilateralen und multilateralen Gebern zur Verfügung gestellt worden, etwa von der EU sowie von der österreichischen und schweizerischen Regierung.

Diese Finanzmittel werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau an die Partnerbanken geleitet und von denen an kleine und mittlere Unternehmen sowie an Privatleute für den Wohnungsbau ausgeliehen. Die potenziellen Partnerbanken durchlaufen ein strenges Auswahlverfahren und deren Mitarbeiter werden für die ordnungsgemäße Kreditbearbeitung geschult. Häufig wird bei den Banken auch die Computer-Hard- und -Software installiert, damit das Programm professionell durchgeführt werden kann. Ingrid Matthäus-Maier:

"Das durchschnittliche Volumen eines solchen Kredits liegt bei ungefähr 7 000 Euro. Daran sieht man, das geht wirklich an kleine und mittlere Unternehmen oder in den Wiederaufbau von Wohnraum und geht an die wirtschaftlich schwächeren Gesellschaftsschichten, denn wir sind eine Förderbank und setzen das Programm im Auftrag der Bundesregierung um."

Und noch eines beweist den Erfolg des Programms: Die Kredite werden von den kleinen Unternehmen und einfachen Leuten fast ausnahmslos pünktlich und vollständig bedient. Die Ausfallquote liegt bei lediglich einem Prozent der Fälle und des Kreditvolumens. Die Ausfallquote ist damit niedriger als bei der Kreditvergabe in westeuropäischen Industrieländern. (fp)

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