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1500 Tote: DR Kongo beschuldigt Rebellen

Cai Nebe
10. Januar 2026

Trotz eines von den USA vermittelten Waffenstillstands sollen von Ruanda unterstützte M23-Rebellen 1500 Zivilisten getötet haben. Neue Kämpfe bei Uvira drohen die Spannungen bis nach Burundi auszuweiten.

Vertriebene burundische Staatsangehörige stehen mit ihren Habseligkeiten auf der kongolesischen Seite Schlange, um nach Burundi zu gelangen, nachdem die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Burundi am 14. Dezember 2025 am Grenzübergang Kavimvira geschlossen wurde.
Vertriebene Menschen überqueren Mitte Dezember an der Grenze bei Kavimvira die Grenze nach Burundi, um dem Vormarsch der M23 zu entkommen Bild: Jospin Mwisha/AFP/Getty Images

Erneut sind gewaltsame Kämpfe zwischen regierungstreuen Kräften und M23‑Rebellen nahe Uvira ausgebrochen - einer wichtigen Grenzstadt zwischen der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und Burundi -, wie lokale Quellen berichten. Kelvin Bwija, ein Koordinator der Zivilgesellschaft in Uvira, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass in mehreren Ortschaften Gefechte gemeldet worden seien - rund zehn Kilometer von Uvira entfernt.

Auf einer Pressekonferenz präsentierte die kongolesische Armee vor Kurzem 15 Kriegsgefangene - sieben ruandische Soldaten sowie acht Zivilisten aus Burundi, Uganda und Tansania. Sie werden beschuldigt, für die von Ruanda unterstützten M23‑Rebellen spioniert zu haben, wie der französische Sender TV5 Monde berichtete. Die kongolesische Armee FARDC erklärte, die an unterschiedlichen Frontlinien festgenommenen Soldaten seien ein Beleg für die Präsenz der ruandischen Armee in Kongos Provinzen Nord‑ und Südkivu - an der Seite der M23‑Rebellen. 

Bisher bestreitet die Regierung in Ruanda, die M23 zu unterstützen. Unabhängige Beobachter wie die Vereinten Nationen haben dafür jedoch mehrfach Belege geliefert. 

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Diese jüngsten Ereignisse geschehen nur wenige Wochen, nachdem die DR Kongo ein von den USA vermitteltes Friedensabkommen unterzeichnet hat, das darauf abzielt, jahrzehntelange Konflikte zu beenden und die Entwicklung im Osten des Landes zu fördern. US‑Präsident Donald Trump bezeichnete das Abkommen als "Wunder". Dennoch beschuldigten sich beide Seiten anschließend gegenseitig, die Vereinbarung zu gefährden.

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Mitte Dezember verurteilte der US‑Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, den "Umfang und die Raffinesse" der ruandischen Beteiligung im Osten des Kongos. Er warf Kigali vor, dort etwa 5000 bis 7000 Soldaten stationiert zu haben.

Seit Anfang Dezember hätten "ruandische Operationen" rund 1500 Zivilisten das Leben gekostet - durch den Einsatz von "Bomben und Kamikaze‑Drohnen", heißt es in einer Erklärung der kongolesischen Regierung. Die DR Kongo warf Kigali darüber hinaus vor, drei neue ruandische Bataillone in die östliche Provinz Südkivu entsandt zu haben.

Zwar hatten die M23 Mitte Dezember erklärt, sich - angeblich auf Druck der USA - aus Uvira zurückziehen zu wollen. Lokale Quellen sagten der Nachrichtenagentur AFP jedoch, M23‑Mitglieder in Zivil seien weiterhin in der Stadt geblieben. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mehr als 80.000 Menschen ins benachbarte Burundi geflohen sind.

Burundis Rolle und wachsende Spannungen mit Ruanda

Die militärische Präsenz der M23 rund um Uvira verschafft den Rebellen erhebliche Kontrolle über die Landgrenze zwischen Kongo und Burundi - und über zentrale Handelsrouten. Die Beziehungen zwischen Ruanda und Burundi sind seit 2015 angespannt, nachdem Burundi seinem Nachbarn vorgeworfen hatte, Gruppen zu unterstützen, die seine Regierung stürzen wollen.

Burundis Militär ist seit Jahren in den Konflikt in der DR Kongo eingebunden - entweder als Mitglied der East African Regional Force oder indem es der kongolesischen Armee Ressourcen bereitstellt, um M23‑Stellungen anzugreifen. "Nachdem die M23 Goma und Bukavu eingenommen hatten, übernahm Burundi eine stärker logistische Rolle. Die kongolesische Armee setze Flugzeuge am Flughafen von Bujumbura aus ein", sagt der in Südafrika ansässige Risikoanalyst Daniel Van Dalen.

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"Sowohl die kongolesische Armee als auch Burundi waren zu dieser Vereinbarung relativ schweigsam und erwähnten sie nur am Rand. Burundi ist seit zwei Jahren aktiv in diesem Konflikt." Van Dalen stellt zudem fest, dass die politischen Spannungen zwischen Burundi und Ruanda zu einem "militarisierten Aufbau entlang der gemeinsamen Grenzregionen" geführt hätten. "Es besteht ein gewisses Risiko, dass der Konflikt sich ausweitet - nicht unbedingt als vollumfänglicher Konflikt, der auf ruandisches Territorium übergreift, aber wir sprechen über versehentliche Artillerieeinschläge oder versehentliche Grenzzwischenfälle", sagt er zur DW.

Van Dalen weist außerdem auf finanzielle Anreize für Burundi hin, die kongolesische Regierung zu unterstützen, da UN-Dokumenten zufolge die DR Kongo Burundi bezahle. "Über die genaue Summe wird spekuliert zwischen 5000 US‑Dollar pro Soldat bis hin zu einer Pauschale von zwei Millionen US‑Dollar pro Monat, aber das wurde nie offiziell bestätigt."

Eine halbe Million Menschen auf der Flucht

Seit der Wiederaufnahme der Kämpfe im Jahr 2021 haben die M23 die Provinzhauptstädte Bukavu und Goma nahe der ruandischen Grenze eingenommen. Die Rebellen kontrollieren außerdem weite, rohstoffreiche Gebiete im Osten des Kongos. Die Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee, den Pro‑Regierungsmilizen Wazalendo und den gut ausgerüsteten M23‑Rebellen haben eine massive humanitäre Krise ausgelöst. Die UN schätzen, dass allein innerhalb der Provinz Südkivu mindestens eine halbe Million Menschen durch die militärischen Vorstöße der M23 vertrieben wurden.

Die M23 bestreitet weiterhin jede Verbindung zu Ruanda und behauptet, ihr Ziel sei der Sturz der Regierung von Kongos Präsident Felix Tshisekedi. Ruanda bestreitet zwar öffentlich, die M23 militärisch zu unterstützen, verweist jedoch auf eine existenzielle Bedrohung durch bewaffnete Gruppen im Kongo, die mit dem Völkermord von 1994 und der Verfolgung von Tutsi und moderaten Hutu in Verbindung stehen.

Adaption aus dem Englischen: Silja Fröhlich

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