1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

2017: Brexit, Brexit und nochmals Brexit

3. Januar 2017

Mit Sorge blickt Großbritannien ins neue Jahr. Nichts wird die politische Debatte mehr bestimmen als die Folgen der Brexit-Entscheidung. Wie gehen die Briten damit um? Cristina Burack berichtet aus London.

Großbritannien Brexit-Proteste
Bild: Getty Images/AFP/J. Tallis

Jack B. ist Friseur im nordenglischen Newcastle. Er führt den ganzen Arbeitstag lang Gespräche mit seinen Kunden. Es gibt wohl wenige, die über Stimmungen und Trends in der britischen Bevölkerung besser Bescheid wissen als er. Die dominierenden Themen im Jahr 2017 werden - ganz klar - die Brexit-Verhandlungen und Donald Trump sein, da ist sich der Friseur sicher. 

Sowohl die Brexit-Entscheidung als auch die Wahl Trumps zum US-Präsidenten sieht Jack B. als Folge derselben Ursache: dem Zusammenbruch einer produktiven Debattenkultur. Er glaubt nicht, dass das 2017 besser wird. "Ich habe das Gefühl, dass die Leute vorsichtig abwägen, was sie mir und anderen gegenüber sagen", sagt Jack B. "Man hört sich heute nicht mehr richtig zu."

Wirtschaftsprognosen gehen auseinander

Rene M., Angestellter bei den Londoner Verkehrsbetrieben, ist ähnlich pessimistisch, glaubt jedoch nicht, dass das Votum der Briten viel ändern wird: "Brexit? Die Aufregung wird sich legen." Der britisch-irische Filmredakteur Gaz Evans aus Liverpool sieht das anders. Er glaubt, dass vor allem seine wirtschaftliche Situation "immer schwieriger" werden wird. Er will deshalb das Vereinigte Königreich verlassen. Die Spanierin Virginia Fontaneda will hingegen bleiben - auch wenn sie befürchtet, dass die Preise steigen werden. Sie lebt bereits seit zwei Jahren in Großbritannien. 

Geht es mit der britischen Wirtschaft und dem Pfund abwärts oder aufwärts? Die Meinungen sind geteiltBild: Fotolia/Z

Die düsteren Aussichten vieler Briten decken sich mit der Wirtschaftsprognose des unabhängigen Instituts OBR (Office for Budget Responsibility). In seinem jüngsten Bericht vom November 2016 hatte das Institut die Wachstumsaussichten für die britische Wirtschaft von 2,2 auf 1,4 Prozent gesenkt.

James McGrory von der proeuropäischen Organisation Open Britain führt weiter aus, dass nicht nur das OBR, sondern "jede Prognose" ein hartes Jahr mit "weniger Wachstum, mehr Inflation und mehr Verschuldung" voraussieht. "Die wichtigste kurzfristige Auswirkung ist der Verfall des Pfundes, das gegenüber dem Dollar so niedrig notiert wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr."

Manche Experten zweifeln die Vorhersage des OBR jedoch an. Einer von ihnen ist Ryan Bourne vom Verband "Wirtschaftswissenschaftler für den Brexit": "Das Pfund ist doch bereits stärker als vom OBR erwartet. Und die Wachstumsprognose des OBR kurz nach dem Brexit-Votum hat sich ebenfalls als falsch herausgestellt." Auch James Sproule vom britischen Arbeitgeberverband erwartet keinen Abschwung durch die Brexit-Verhandlungen: "Rezessionen werden von wirklichen Gründen wie Preissteigerungen oder Zinssätzen ausgelöst, nicht von theoretischen wie dem Artikel 50."

Noch im Januar wird das Oberste Gericht urteilen, wer den Austrittsparagraphen 50 in Gang setzen darf - die britische Regierung oder das Parlament. Doch egal, wie das Gericht entscheidet, es herrscht Konsens darüber, dass der Austritt in Gang gesetzt werden wird. "Der Rechtsstreit vor dem Obersten Gericht ist doch nur ein Sturm im Wasserglas", sagt James Sproule vom britischen Arbeitgeberverband: "Der Artikel 50 wird ausgelöst werden."

"Es geht in die falsche Richtung"

Friseur Jack B. bleibt von derartigen Diskussionen unbeeindruckt: "Ehrlich gesagt: Egal, was genau passiert, für die Zukunft sehe ich ziemlich schwarz. Das kommt von meinem persönlichen Misstrauen den Mächtigen gegenüber. Im Augenblick geht's in die falsche Richtung. Ich sehe nicht, dass sich daran in nächster Zeit etwas ändern wird."

Trotz seines politischen Zynismus glaubt der Friseur, dass Großbritannien 2017 ein wichtiger weltpolitischer Akteur bleiben wird. Doch er fragt sich, ob "wir uns wegen des Brexit selbst ein Bein gestellt haben. Aber wer weiß".

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen