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Maria Theresia - ungekrönte Kaiserin

19. März 2017

Herrscherin, Reformerin, Übermutter - so kann Maria Theresia von Österreich treffend beschrieben werden. Ihre Landsleute sind bis heute stolz auf die couragierte und weitsichtige Herrscherin, die 1717 geboren wurde.

REISE Maria Theresia
Bild: picture-alliance/picturedesk.com/W. Gredler-Oxenbauer

Um es gleich zu sagen: Zur Kaiserin gekrönt wird Maria Theresia (1717-1780) niemals. Die Fürstin aus dem Hause Habsburg ist regierende Erzherzogin von Österreich und darüber hinaus unter anderem Königin von Ungarn und Böhmen. Erst 23 Jahre alt, besteigt sie 1740 den österreichischen Thron. Eigentlicher Herrscher ist ihr Mann, Franz I. Stephan, doch sie allein führt die Regierungsgeschäfte der Habsburgermonarchie. Nachdem ihr Mann fünf Jahre später als Franz I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wird, wird Maria Theresia - wie jede Gattin eines Kaisers - als Kaiserin tituliert. Die einzige weibliche Regentin in der Geschichte der Habsburger avanciert zur prägenden Herrscherin in der Zeit des sogenannten aufgeklärten Absolutismus. Diese Form der Fürstenherrschaft versucht in vielen Teilen Europas erste Impulse der Aufklärung umzusetzen.

Maria Theresia - eine schöne Frau

Kaiserin in Wachs - Maria Theresia bei Madame Tussauds in WienBild: Madame Tussauds Wien

Dass Maria Theresia die vermutlich meistgemalte Frau ihrer Zeit ist, mag nicht nur ihrer Machtposition geschuldet sein. Zeitgenossen beschreiben sie als eine besonders in jungen Jahren sehr schöne Person. Ein rundes volles Gesicht, eine freie Stirn, blonde ins rötliche schimmernde Haare, große lebhafte hellblaue Augen, offener und heiterer Gesichtsausdruck – so beschreibt ein preußischer Gesandter am Wiener Hof die Kaiserin. Allerdings konstatiert er auch: "Die zahlreichen Geburten, die sie durchgemacht hat, dazu ihre Körperfülle, haben sie äußerst schwerfällig werden lassen."

Lieblingsmenschen der Kaiserin

Das tut dem Liebesverhältnis von Maria Theresia zu ihrem Mann, Franz Stephan von Lothringen, jedoch keinen Abbruch. Eigentlich ist die Heirat der beiden ein Akt, der ein Gleichgewicht der Macht im Spektrum europäischer Politik gewährleisten soll. Beide kennen sich zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit 1736 sehr gut, weil der Bräutigam schon lange am Wiener Hof lebt. Beide schätzen sich nicht nur, sondern empfinden tiefe Liebe füreinander. Sichtbarer Ausdruck dessen ist die stolze Zahl von 16 Kindern. Trotz der Tatsache, dass Franz Stephan im Verlauf der gemeinsamen Jahre zahlreiche Affären gehabt haben soll, gilt die Ehe als glücklich. Denn als der Kaiser nach 29 Ehejahren 1765 unerwartet stirbt, schreibt Maria Theresia: "Ich verlor einen Gatten, einen Freud, den einzigen Gegenstand meiner Liebe."

Maria Theresia umsorgt ihre 16 Kinder – elf Töchter und fünf Söhne – liebevoll. Außerdem wird ihnen vielseitige Bildung in einem strengen Schulungsprogramm zuteil. Allerdings erleben nur zehn das Erwachsenenalter. Darunter zwei spätere Kaiser, ein Kölner Kurfürst und Marie Antoinette, Gemahlin des französischen Königs Ludwig XVI.

Familienporträt von 1754Bild: Sammlung Bundesmobilienverwaltung, Foto: Fritz Simak für SKB

Maria Theresias Lieblingsfeind

Ihre erste große politische Herausforderung erlebt die Regentin bereits kurz nach der Thronbesteigung. Andere europäische Herrscher erheben Ansprüche, nachdem Maria Theresia 1740 die Gesamtherrschaft des Hauses Österreich übernommen hat. Darunter König Friedrich II. von Preußen, der die schlesischen Kriege und damit den Österreichischen Erbfolgekrieg auslöst. Als der 1748 endet, hat Maria Theresia Schlesien endgültig verloren. Außerdem muss sie die Herzogtümer Parma und Piacenza abgeben. Erhalten kann sie allerdings alle anderen Besitzungen des Habsburgerreichs. Inmitten starker Bedrohung behauptet sie sich und erkämpft sich als Frau Achtung und Respekt. König Friedrich II. von Preußen bleibt jedoch ihr größter Feind. Für sie ist er ein "Monstrum" und "elender König".

Umfassende Staatsreformen, neue Bauwerke

Insgeheim mag Maria Theresia, die sich ab 1745 selber "Römische Kaiserin" nennt, den Preußenkönig aber auch bewundern. Immerhin bringt sie langlebige Reformen auf den Weg, die sie sich zum Teil bei den Preußen abgeschaut hat und die - in Maßen - den Geist des aufgeklärten Absolutismus tragen. Sie verdoppelt die Armeestärke und führt eine Heeresreform durch. Es folgt eine Justizreform mit der Einrichtung eines Höchstgerichts. Sie schaffte die Struktur für eine bessere Bildungspolitik, in der es eine generelle Unterrichtspflicht geben soll. Unter ihr wird das Maß- und Gewichtssystem vereinheitlicht.

Auch die Hauptstadt Wien verrändert ihr Gesicht: So entstehen die Börse und das Burgtheater. Man beginnt, die Straßen zu pflastern. Vor allem aber wird das Schloss Schönbrunn vom Jagdschloss zum repräsentativen Prachtbau umgestaltet und erweitert. Schönbrunn wird das Lieblingsschloss der Kaiserin.

Gläubig und intolerant

Ein Porträt von 1743Bild: Dauerleihgabe der Österreichische-Nationalbank, Foto: A. E. Koller für SKB

In mancherlei Hinsicht verfolgt die erzkatholische Regentin eine strikte Null-Toleranz-Politik. Überhaupt kein Verständnis hat sie für Nicht-Katholiken. Evangelische Christen werden unter ihr sogar verfolgt und vertrieben - und etwa in dünn besiedelten Gebieten des heutigen Rumäniens angesiedelt.

Auch gegenüber Juden kennt sie kein Pardon. 1744, also rund vier Jahre nach der Thronbesteigung, weist sie 20 000 Juden aus Prag aus, zeitweise sogar aus ganz Böhmen. Bis zu ihrem Lebensende ändert sich nichts an dieser toleranzlosen Einstellung der Monarchin.

Null Toleranz zeigt die strenge Katholikin auch in ihrem lebenslangen Kampf gegen Unsittlichkeit. Sie installiert sogar ein Keuschheitsgericht, das gegen Prostituierte, Ehebrecher, Sodomiten oder Homosexuelle vorgeht. Selbst religionsüberschreitender Sexualverkehr kann zur Anklage führen. Je nach der Schwere des von ihr definierten Verbrechens können öffentliches Auspeitschen, Deportation oder die Todesstrafe drohen. Der Fremdgänger in ihrem eigenen Bett hat indes nichts zu befürchten.

Eine gewisse Lockerung tritt erst ab 1765 ein. Nach dem Tod ihres Ehemannes wird ihr Sohn Joseph II. römisch-deutscher Kaiser und Mitregent des Hauses Habsburg. Das Verhältnis der beiden ist schwierig und voller Konflikte, weil Joseph eine Politik im Sinne der Aufklärung betreibt, die seine Mutter in Teilen als antikirchlich verurteilt.

Österreich feiert seine Kaiserin

Die Kapuzinergruft in Wien, Bestattungsstätte der Habsburger. In der Mitte der Doppelsarkophag des KaiserpaarsBild: picture-alliance/chromorange/Z. Okolic

Maria Theresia stirbt am 29. November 1780 im Alter von 63 Jahren in ihrer Geburtsstadt Wien an einer Lungenentzündung. Doch die vielleicht schillerndste Figur der Habsburger Regentschaft ist bis heute unvergessen. Österreich feiert ihren 300. Geburtstag darum vom 15. März an mit einer Ausstellung an vier Standorten in Wien und Niederösterreich. Die veranstaltende "Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft" verspricht: "Die Ausstellung '300 Jahre Maria Theresia: Strategin - Mutter - Reformerin' wirft einen facettenreichen Blick auf die Licht- und Schattenseiten der Regentin. Leben, Familie und politisches Werk werden beleuchtet und ihr Nachleben hinterfragt." Die Schau endet am 29. November 2017, dem Todestag Maria Theresias.

 

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