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Billionen Investitionen schaden der Natur: UN schlagen Alarm

Stuart Braun
22. Januar 2026

Weltweit investieren Staaten und Wirtschaft deutlich stärker in die Zerstörung von Natur und Klima als in ihren Schutz, so ein UN-Bericht. Wie schaffen wir es, so zu wirtschaften, dass wir unsere Umwelt erhalten?

Luftaufnahme von abholzten Bäumen in Kolumbiens Amazonas-Regenwald
Investitionen in Bergbau oder Ackerflächen zerstören wichtige Ökosysteme wie den Amazonas-RegenwaldBild: Raul Arboleda/AFR/Getty Images

Die Welt gibt 30 Mal mehr Geld für die Zerstörung der Natur aus als für ihren Schutz. Das geht aus einem neuen Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor. Er zeigt: Zwischen sogenannten "schädlichen Investitionen" und Finanzierungen, die den Naturschutz fördern, besteht eine massive Kluft.

Die Autorinnen und Autoren der Studie "State of Finance for Nature" (SNF) fordern daher, die Investitionen auslaufen zu lassen, die der Natur schaden. In Summe sind das weltweit rund 6,2 Billionen Euro (7,3 Billionen US-Dollar), darunter beispielsweise Investitionen in emissionsintensive Energieinfrastrukturen und Produktionsanlagen.

Etwa zwei Drittel des davon stammen aus privaten Quellen, die sich auf die Sektoren Versorgungsunternehmen, Industrie, Energie und Rohstoffe konzentrieren. Der Rest kommt aus öffentlichen Kassen und umfasst schädliche Staatssubventionen für die Bereiche fossile Energieträger, Landwirtschaft, Verkehr und Bauwesen.

"Unsere kollektive Naturbank wird ausgehöhlt"

Basierend auf Daten aus dem Jahr 2023 zeigt der Bericht, dass naturförderliche Investitionen nur 220 Milliarden US-Dollar erreichten – das ist etwa 30 Mal weniger als die Summe für Umwelt- und klimaschädliche Investitionen.

Australiens Great Barrier Reef leidet unter massiver Korallenbleiche, die unter anderem auf schädliche Investitionen zurückzuführen ist, welche den Klimawandel und die Umweltverschmutzung vorantreibenBild: XL CATLIN SEAVIEW SURVEY/AFP

Der Bericht weist darauf hin, dass fast die Hälfte der Weltwirtschaft in hohem Maße von der Natur abhängig ist, dass aber Regierungen, Unternehmen und Finanzwelt "unsere kollektive Naturbank" aushöhlen.

"Ohne die Natur bricht das Fundament unserer Wirtschaft zusammen", hießt es. So seien aber bereits 73 Prozent der Wildtierpopulationen seit 1970 verschwunden, wodurch wichtige Ökosystemleistungen untergraben würden, die letztlich die menschliche Wirtschaft stützten, wie Bestäubungvon Nahrungspflanzen durch Insekten, sauberes Wasser oder die Fruchtbarkeit unseres Bodens.

"Wenn man dem Geld folgt, sieht man, wie groß die Herausforderung ist, die vor uns liegt", sagt Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UNEP, in einer Erklärung. "Wir können entweder in die Zerstörung der Natur investieren oder ihre Erholung vorantreiben – es gibt keinen Mittelweg."

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Mehr Investitionen in naturbasierte Lösungen nötig

Um diese Erholung in Gang zu setzen, schlägt der SNF-Bericht vor, Finanzmittel in naturbasierte Lösungen (NbS) umzuleiten. Dazu gehören Investitionen, die den Klimawandel begrenzen, wie beispielsweise die CO2-Bindung durch Wiederaufforstung; oder solche, die durch nachhaltige Landbewirtschaftung der Bodendegradation entgegenwirken und gleichzeitig die Wüstenbildung stoppen. Solche Maßnahmen könnten pro investiertem Dollar wieder bis zu 30 Dollar einbringen.

Die naturbasierten Nachhaltigkeitsprojekte (NbS) sind laut dem UNEP-Bericht wichtige Schritte auf dem Weg zu einer naturfreundlichen Wirtschaft. Der Bericht gibt Regierungen und privaten Unternehmen Instrumente und Erkenntnisse an die Hand, um eine umfassende Naturwende einzuleiten - und so die Ziele des Global Biodiversity Framework (GBF) zu erreichen.

Dieser internationale Vertrag, zu deutsch etwa 'Globaler Rahmen für biologische Vielfalt', wurde 2022 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Er sieht vor, den Naturverlust bis 2030 zu stoppen und umzukehren sowie bis 2050 eine vollständige Wiederherstellung der Natur zu erreichen.

Für eine umfassende Naturwende müssten die naturschädigenden Finanzmittel weltweit umgewidmet werden, den diese "zerstören die natürliche Infrastruktur, welche die Grundlage für das menschliche Wohlergehen und einen Großteil unserer globalen Wirtschaft bildet", heißt es.

Um diesen Wandel einzuleiten, empfehlt der SNF-Bericht, die Investitionen in naturbasierte Lösungen (NbS) bis 2030 um das 2,5-Fache auf 571 Milliarden US-Dollar jährlich zu steigern. Schädliche Investitionen sollten schrittweise eingestellt oder umgewidmet werden.

Mehr Ausgleich für Naturschäden

Zwar machten private Gelder 2023 nur einen kleinen Teil der Finanzierung von naturförderlichen NbS-Projekten aus. Dennoch sieht der Bericht hier eine positive Entwicklung im Bereich des Ausgleichs von Naturschäden. So schreiben inzwischen 37 Länder für bestimmte Bauvorhaben Kompensationsleistungen für die Artenvielfalt und Ökosysteme vor.

Trotz wachsender Skepsis gegenüber solchen Mechanismen zum Ausgleich von Naturschäden räumen die Autoren ein, dass ohne diese Systeme viele Naturschäden gar nicht kompensiert würden.

Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels schädigen Natur und Landwirtschaft: Dieser Bauer in Amritsar, Indien, kümmert sich nach heftigen Regenfällen um seine umgeknickten WeizenfelderBild: Narinder Nanu/AFP/Getty Images

Allerdings müssten Regierungen und Wirtschaftsakteure die Natur grundsätzlich in zentrale Wirtschaftssektoren integrieren und eine "Naturtransformationswirtschaft" in "Milliarden-Dollar-Stärke" anstoßen.

Unternehmen könnten beispielsweise wettbewerbsfähiger werden, wenn sie in ressourceneffiziente Technologien investieren. Regenerative Geschäftspraktiken könnten Kosten senken und die Widerstandsfähigkeit verbessern.

Naturbezogene Investitionsmöglichkeiten gingen weit über Forstwirtschaft, Infrastruktur und Landwirtschaft hinaus, so der Bericht. Sie könnten ebenso die Finanzierung von Produkten und Dienstleistungen umfassen, die natürliche Prozesse nutzen.

Als Beispiel dafür wird neuartiger Beton genannt, der mit Bakterien angereichert ist und sich selbst reparieren kann, indem er Risse mit Kalkstein ausbessert. Diese Technologie könnte die Lebensdauer von Gebäuden verlängern und die CO2-Emissionen im Bausektor reduzieren.

Wie eine naturnahe Wirtschaft aussehen könnte

Beispiele für eine naturbasierte Wirtschaft gibt es bereits. So werden Städte begrünt, um den Hitzeinseleffekt abzumildern, der durch Beton, Asphalt und fehlende Vegetation entsteht. In die Straßeninfrastruktur hält mehr Natur Einzug, indem Bäume gepflanzt, Wildtierkorridore geschaffen oder emissionsnegative Baumaterialien verwendet werden.

Der SNF-Bericht ruft zudem zu regenerativer Landwirtschaft auf. Sie verbessere die Bodengesundheit und fördere die Artenvielfalt und könne den schädlichen Auswirkungen industrialisierter Landwirtschaft entgegenwirken, die Chemikalien in die Natur einbringe und unsere Böden auslauge.

Während die staatlichen Investitionen in Biodiversität und Landschaftsschutz im Jahr 2023 um elf Prozent anstiegen, wurden die Ausgaben für nachhaltige Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei dem Bericht zufolge gesenkt.

Insgesamt blieben die naturförderlichen öffentlichen Ausgaben im Vergleich zu den jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar umweltschädlichen staatlichen Subventionen jedoch bescheiden. 

"Während die Finanzierung naturbasierter Lösungen nur schleppend vorankommt, nehmen schädliche Investitionen und Subventionen rasant zu", so Inger Andersen vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). "Dieser Bericht bietet Führungskräften einen klaren Fahrplan, um diesen Trend umzukehren und mit der Natur zu arbeiten, anstatt gegen sie."

Adaption aus dem Englischen: Jeannette Cwienk

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Stuart Braun Australischer DW-Journalist und Buchautor.
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