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Musik

70 Jahre jung: Das DSO Berlin

Rick Fulker
6. November 2016

Drei Namen, sieben Chefdirigenten, 70 Jahre Tradition: Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin schaut auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die sich nicht nur in Zahlen ausdrücken lässt.

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Bild: DSO Berlin Urban Zintel

Am Sonntag (06.11.2016) wird in der Philharmonie Berlin gefeiert: Unter seinem Ehrendirigenten Kent Nagano spielt das Deutsche Symphonie-Orchester mit dem russischen Star-Musiker Mikhail Pletnev am Klavier das Klavierkonzert a-Moll von Robert Schumann sowie Arnold Schönbergs Kammersymphonie, Joseph Haydns Sinfonia concertante und "La Valse" von Maurice Ravel.

Das gemischte Programm zum 70-jährigen Jubiläum des DSO spiegelt zwar seine Tradition, es fehlt nur zeitgenössische Musik - etwas, womit sich das Orchester im Laufe der Jahre stark hervorgetan hat. 

Was im Namen steckt

Dieser Klangkörper hatte sogar drei Namen. Gegründet wurde es am 15. November 1946 als RIAS-Symphonie-Orchester. RIAS stand für "Radio in the American Sector". Mit diesem Sender wollte die amerikanische Besatzungsmacht dem von den Sowjets gelenkten Berliner Rundfunk etwas entgegensetzen.

In den 50er Jahren zogen sich die Amerikaner aus der Finanzierung zurück. Neuer Träger wurde der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb). So wurde der Klangkörper 1956 auf den neuen Namen Radio-Symphonie-Orchester Berlin getauft.

Nach der Wiedervereinigung hatte die Stadt dann plötzlich zwei Rundfunksinfonieorchester. Das im Westteil der Stadt angestammte erhielt abermals einen neuen Namen, der dem wiedervereinigten Deutschland Rechnung tragen sollte: "Deutsches Symphonie-Orchester". Das Orchester, das ehemals im östlichen Teil der Hauptstadt beheimatet war, hieß wiederum fortan "Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin".

Ferenc Fricsay führte zeitgenössische Musik beim DSO einBild: Getty Images/Huton Archive/E. Auerbach

Orchester für das Radio

Allein in Deutschland gibt es neun Radio Sinfonieorchester, die ganz oder teilweise aus den Rundfunkgebühren finanziert sind, die jeder deutsche Haushalt zahlen muss. Die Tradition geht auf das Jahr 1923 zurück. Damals gründete der Leipziger Rundfunk einen Klangkörper, der im Sendebetrieb alle nötigen Musikeinlagen im Radio einspielen sollte - von Jingles bis hin zu Sinfonien - und zwar live.

Bald hatte jeder Sender sein eigenes Orchester. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt zu Studioaufnahmen und öffentlichen Konzerten. In der Nachkriegszeit kam eine gezielte Programmpolitik hinzu: Die Musik von Komponisten, die während der Nazi-Zeit stark vernachlässigt oder sogar verfemt worden war, sollte gezielt gefördert werden. So auch ab 1948 unter der Leitung des ersten Chefdirigent des heutigen DSO, Ferenc Fricsay.

Nach Fricsays frühem Tod 1963 übernahm der junge amerikanische Stardirigent Lorin Maazel 1964 die Leitung. Auf ihn folgten Riccardo Chailly (1982–1989) und Vladimir Ashkenazy (1989–2000).

Kent Nagano wurde zum Ehrendirigenten des Orchesters ernanntBild: Felix Broede

Ab 2000 beschrieb die Berliner Zeitung Der Tagesspiegel die erste Saison von Ashkenazys Nachfolger, dem Amerikaner Kent Nagano, als "eine Sprengladung", und den Klang des Orchesters als "sinnlich und leidenschaftlich, spontan und unverwechselbar ... eine betörende Mischung von Glamour und Abgeklärtheit".

In einem Interview mit der DW im Jahre 2002 pries Nagano seinerseits seine Musiker: "Ein unglaubliches Orchester mit einem starken Willen, enormem Einsatz für die Musik und natürlich einem ganz individuellen Klang, schillernder Farbe und großer Virtuosität".

Nachdem Nagano das Orchester 2006 verließ übernahm Ingo Metzmacher die Leitung. Der erste und einzige deutsche Dirigent in der Geschichte des Orchesters führte die Casual Concerts ein, um neue Hörergruppen anzusprechen.

Die Ära Metzmacher sollte allerdings nur drei Jahre dauern; Aus Protest gegen Etatkürzungen kündigte er 2010. Zwei Jahre später übernahm der Wunschkandidat der Orchestermitglieder, der Russe Tugan Sokhiev, die Leitung. Auch hier war das Presseecho stark: Sokhiev, so die Süddeutsche Zeitung, sei "ein federnd intelligenter, blitzschnell auf die Musik reagierender und sein Orchester packender Dirigent."

Nachdem Sokhiev 2014 das Amt des Musikdirektors des renommierten Bolschoí-Theaters in Moskau übernahm wurde abermals klar, dass ein Nachfolger gefunden werden musste. Ab September 2017 übernimmt nun Robin Ticciati, ein englischer Dirigent mit italienischen Wurzeln, die Stabführung.

Medienpräsenz

Da der Zielsetzung eines Rundfunk-Sinfonieorchesters darin besteht, in den Medien präsent zu sein, werden die Sinfoniekonzerte des DSO vom Deutschlandradio Kultur und dem Kulturradio des rbb aufgezeichnet. Ausgewählte Konzerte werden auch von der Deutschen Welle global verbreitet. Die DW-Reihe "Monumente der Klassik" auf DVD mit Kent Nagano und dem DSO wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Heimspielstätte für das DSO ist die Berliner PhilharmonieBild: DSO Berlin Kai Bienert

2011 erhielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin für die Weltersteinspielung von Kaija Saariahos Oper "L'amour de loin" unter Kent Naganos Leitung einen Grammy Award.

Ein öffentlich finanziertes Orchester muss nicht nur auf die Quote schauen und kann den Kulturauftrag wahrnehmen, auch in wenig bekannte Musikbereiche vorzudringen. Aber auch wenn das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) immer im Schatten der viel berühmteren Berliner Philharmoniker stand und eines von fünf Sinfonieorchestern der Hauptstadt ist, verzeichnete es in der Spielzeit 2015-2016 einen neuen Besucherrekord: 76.000 Hörer und eine Platzauslastung von fast 85 Prozent.

 

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