8. Juni:<br>"Blanke Nerven" in Berlin

Auch wenn noch keiner weiß, wie genau der Kanzler Neuwahlen für den Bundestag herbeiführen will, daran, dass sie kommen, zweifelt im Moment kaum jemand. Doch fast täglich gibt es neue Gerüchte, wilde Spekulationen und gegenseitige Schuldzuweisungen aus allen politischen Lagern.
Im Streit über die geplante Vertrauensfrage ist Bundespräsident Horst Köhler unter Beschuss aus den Reihen der Sozialdemokraten geraten. SPD-Politiker werfen dem Staatsoberhaupt mangelnde parteipolitische Zurückhaltung vor. Die Bundesregierung nimmt Köhler dagegen in Schutz und spricht von unerträglichen Angriffen auf den Bundespräsidenten.
Gewerkschaften in der Zwickmühle
Nein, eine Wahlempfehlung habe man den Mitgliedern auch in besseren Zeiten nie gegeben, beteuert DGB-Chef Michael Sommer. Aber so deutlich wie in diesem Wahlkampf im Zeichen von Hartz IV sind die Gewerkschaften selten auf Distanz zur Sozialdemokratie gegangen. Vorbei scheinen die Zeiten, als man 1998 die gemeinsamen Wurzeln in der Arbeiterbewegung beschwor und das Gewerkschaftslager eine millionenschwere Wahlkampfkampagne für einen Politikwechsel auflegte. Die Umfragewerte für Rot-Grün sind auch den Gewerkschaftern nicht entgangen. Doch die Alternativen sind nicht sonderlich verlockend.