Ab Juli zwölf Euro Eintritt für den Kölner Dom
2. Juni 2026
Der Kölner Dom wird für Besucher ab dem 1. Juli zwölf Euro Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel auf einer Pressekonferenz mitteilte.
Nur an bestimmten Tagen soll der Dom für alle kostenfrei zugänglich sein: vom 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) bis zum darauffolgenden Sonntag; am 1. Mai (Tag der Arbeit) und am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) sowie zur Dreikönigswallfahrt Ende September.
Mehr als 600 Jahre Bauzeit
Grundsätzlich müssen Gottesdienstbesucher, Betende und Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins kein Geld zahlen, wenn sie die gotische Kathedrale betreten wollen, deren Entstehung sich über 600 Jahre erstreckte. Doch wie wird zwischen Touristen, die nur zur Besichtigung kommen, und Menschen, die zum Beten kommen, unterschieden?
Das Domkapitel erklärte, man werde zwei verschiedene Eingänge anbieten: Über den Nordeingang beim Hauptbahnhof können Menschen nach wie vor einen kleinen Bereich des Doms gratis zum Beten betreten. Für den westlichen Haupteingang brauche man das Ticket, mit dem man den gesamten Dom besichtigen kann. Ob Menschen am Nordeingang tatsächlich beten wollen, werde man allerdings nicht überprüfen, teilte das Domkapitel mit.
99 Prozent der Besucher sind Touristen
Laut Dompropst Guido Assmann machen Touristen etwa 99 Prozent der Dom-Besucher aus. "Neben kritischen Stimmen haben uns auch zahlreiche verständnisvolle Rückmeldungen erreicht, die deutlich machen: Vielen Menschen ist bewusst, dass der Erhalt und Unterhalt des Doms eine verlässliche und nachhaltige Finanzierung benötigen."
Prominente Befürworter des Eintrittspreises sind etwa Maler Gerhard Richter oder TV-Moderator Guido Cantz. Andere Prominente wie der Komiker Hape Kerkeling, die Feministin Alice Schwarzer oder Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach sprachen sich gegen einen Eintrittspreis aus.
"Alltag im Dom beruhigen"
Man erwarte, "dass die neue Regelung den Alltag im Dom spürbar beruhigen wird", so Assmann. Die Besichtigungsgebühr könne dazu beitragen, den Dom wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erfahrbar zu machen.
Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos zugänglich, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder für den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt (acht Euro). Ausgenommen von den neuen Ticketpreisen sind Kinder bis 13 Jahre. Das gelte auch für die Turmbesteigung sowie die Schatzkammer, für die sie vorher zahlen mussten.
Menschen mit Schwerbehinderung haben ebenfalls freien Eintritt. Ermäßigungen (halber Preis) gelten für Schüler und deren Begleitpersonen, für Studenten, Auszubildende und Menschen mit Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen.
"Reserven auf absehbare Zeit aufgebraucht"
Das Domkapitel teilte mit, seit 2019 sei sechs Jahre in Folge ein Minus verzeichnet worden. Zunächst habe man das noch mit Rücklagen auffangen können. Inzwischen seien die Reserven "auf absehbare Zeit aufgebraucht", sagte Domrendant Clemens van de Ven.
Dass eine Eintrittsgebühr - in damals noch nicht bezifferter Höhe - für das bekannteste katholische Kirchengebäude Deutschlands kommen soll, wurde Anfang März angekündigt. Die Nachricht hatte in Köln eine heftige Debatte ausgelöst.
Befürworter verweisen darauf, dass andere Kathedralen ebenfalls Eintritt verlangen. Das ist teilweise richtig. So kostet ein Erwachsenen-Ticket für die St. Paul's Cathedral in London 27 Pfund (31 Euro), für Westminster Abbey gar 31 Pfund (35 Euro).
Sagrada Familia: 26 Euro - Notre-Dame: Eintritt frei
Ein Standardticket für die Sagrada Familia in der spanischen Metropole Barcelona schlägt mit 26 Euro zu Buche. Auch in Deutschland stehen Kirchen, die einen Obolus fordern: Für eine Besichtigung des Berliner Doms zahlt man 15 Euro, für die Sebaldus-Kirche in Nürnberg fünf Euro.
Es gibt allerdings auch prominente Gegenbeispiele. So ist der Besuch von Notre-Dame in Paris kostenlos, obwohl die Kathedrale nach dem verheerenden Feuer von 2019 für Hunderte Millionen Euro restauriert werden musste. Ebenso ist der Besuch des Petersdoms in Rom für jedermann frei.
Gegner der neuen Gebühr in Köln fürchten, der Dom könnte seine Funktion als das für alle zugängliche Herz der Stadt einbüßen, sobald der Besuch nicht mehr kostenfrei ist. Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die heute den Zentral-Dombau-Verein leitet, hatte vor der Bekanntgabe des Preises betont, es sei wichtig, dass der Eintritt unter zehn Euro bleibe. Nun sind es zwölf.
jj/gri (dpa, afp, epd, kna)