Familie, Freunde und Wegbegleiter haben in Hamburg Abschied von Roger Cicero genommen. Der Jazzsänger war überraschend am 24. März im Alter von 45 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.
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Roger Cicero: Ende einer musikalischen Karriere
Auf der Bühne war der Hut sein Markenzeichen. Aber Roger Cicero bewies nicht nur dabei seine kreative Wandlungsfähigkeit. Jazz war seine Heimat, mit Swing eroberte er die Charts. Jetzt starb er mit nur 45 Jahren.
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Markenzeichen: seine Stimme
Für ein neues Album kapselte Roger Cicero sich immer völlig ab. Er brauchte diese kreative Abgeschiedenheit im Studio. Gleichzeitig liebte er aber das Touren quer durch Europa. Zuletzt tourte er 2013 zusammen mit "The Roger Cicero Jazz Experience" erfolgreich mit Jazz-Klassikern und eigenen Songs. Eine geplante weitere Tournee wurde erst verschoben und dann im November 2015 ganz abgesagt.
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Die Bühne als zweites Zuhause
Bereits mit 19 durfte der begabte junge Musiker bei ersten Auftritten mit dem RIAS-Tanzorchester auf die Bühne. Sein Vater, selbst ein erfolgreicher Jazzpianist, hatte beste Kontakte zur deutschen Big-Band-Szene. Kurze Zeit später trat Roger Cicero als Solist des Bundesjugendjazzorchesters ins Rampenlicht. Vor allem gefühlvoller Soul und Swing begeisterten ihn nachhaltig.
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Erfolg mit "Männersachen"
Seinen kommerziellen Durchbruch hatte Roger Cicero mit seinem ersten Soloalbum "Männersachen", das aufgrund der hohen Verkaufszahlen mit "Platin" ausgezeichnet wurde. Der talentierte Sänger mit der angenehmen Stimme war zudem ein gern gesehener Gast in Fernsehsendungen und Shows. 2015 war er zu Gast in der DW-Musiksendung PopXport, hier zusammen mit Sängerin Yvonne Catterfeld beim Fototermin.
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Entäuschender ESC-Auftritt
Roger Cicero war einer der erfolgreichsten deutschen Sänger, beim Eurovision Song Contest (ESC) konnte er indes nicht punkten: 2007 ging er in Helsinki mit seiner elfköpfigen Swingband für Deutschland ins Rennen. Sein Song "Frauen regier'n die Welt" erreichte jedoch nur einen enttäuschenden 19. Platz.
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Poetische Texte
Cicero war ein ausgezeichneter, fast schon altmodischer Sänger. Mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Swing- und Jazzelementen erfand er einen eigenen Sound, seine deutschen Texte hatten Witz und Poesie, seine Auftritte Entertainer-Qualitäten.
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Entertainer mit Charisma
Als Jazzsänger trat Roger Cicero gern mit kleiner Formation auf: Schlagzeug, Piano, Bass. Seine eigene Band "The Roger Cicero Jazz Experience" war auf allen Bühnen und Jazzfestivals in Europa zu Hause. Hier begeistern sie 2015 bei einem Bühnenauftritt auf dem Jazz Fest Wien die Zuschauer.
Sein großes musikalisches Vorbild ist Frank Sinatra gewesen. Für Roger Cicero war der amerikanische Sänger der größte Entertainer, den die Welt je gesehen hat. Mit seiner Bigband trat Cicero 2015 im ganz großen Las-Vegas-Stil auf, versuchte aber den Sinatra-Songs auf der Bühne immer seine persönliche Note zu geben. Das Album "Cicero sings Sinatra" ist für den diesjährigen Echo nominiert.
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Pläne für 2016
Auch mit seinem Album "The Roger Cicero Jazz Experience" ist er für den Echo 2016 nominiert. Nicht nur seine verschobene Tournee, auch Konzerte und Auftritte in Talkshows und Radiosendungen sollten in diesem Jahr stattfinden. Aber schon 2015 machten seine Gesundheitsprobleme und zuletzt eine akute Herzmuskelentzündung alle Pläne zunichte: Roger Cicero starb mit nur 45 Jahren. Autorin: Heike Mund
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An der Trauerfeier für Roger Cicero am Freitag (15.04.2016) in der St. Gertrud-Kirche im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst namen auch viele Prominente teil. Darunter der Komiker und Musiker Olli Dittrich, TV-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, ESC-Moderator Peter Urban sowie Vertreter seiner Plattenfirma und Konzertveranstalter.
Freunde und Kollegen sprachen Worte des Abschieds. "Heute Abend wollte er eigentlich in Wien sein", sagte der Konzertveranstalter Dieter Semmelmann. "Heute Abend wollte er mit seiner Big Band wieder Frank Sinatra zelebrieren." Cicero sei ein "großartiger Ausnahmekünstler "gewesen. "Wir haben einen ganz Großen verloren, der eine Lücke hinterlässt, die nicht zu füllen sein wird - weder musikalisch noch menschlich", sagte Semmelmann.
Noch einmal erklangen für die fast 600 Trauergäste die Cicero-Songs "Was immer auch kommt" und "Ich hätt' so gern noch Tschüss gesagt". Auch die Musiker der Roger-Cicero-Big-Band spielten einige Stücke.
Kurz vor seiner Tournee starb Roger Cicero
Der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero hatte Deutschland im Jahr 2007 beim Eurovision Song Contest mit seinem Titel "Frauen regier'n die Welt" vertreten - wenige Wochen nachdem er mit einem Echo ausgezeichnet worden war. Auch seine letzten Projekte "Cicero sings Sinatra" und "The Roger Cicero Jazz Experience" brachten ihm in diesem Jahr abermals eine Echo-Nominierung ein.
Vor einem Erschöpfungssyndrom im vergangenen Herbst hatte der Sänger mehr als ein Jahr lang an seinem Album "Cicero sings Sinatra" gearbeitet, das er nun auf die Bühne bringen wollte. Seine Tournee sollte im April starten und war bereits ausverkauft. Seit März gab er wieder Interviews. Dann kam die überraschende Todesnachricht.
Hunderte Trauergäste kamen zur Trauerfeier - neben Freunden und der Familie kamen auch viele Fans nach HamburgBild: picture-alliance/dpa/I. Schiffler