Adventsgeschenk für politische Gefangene in Nicaragua?
30. November 2025
Sie sind zwar nicht frei, aber konnten das Gefängnis verlassen und befinden sich nun im Hausarrest. Die Oppositionellen müssten sich regelmäßig bei der für sie zuständigen Polizeidienststelle in Nicaragua melden, berichtet "El Confidencial" am Samstag (Ortszeit). Die Onlinezeitung konnte die Namen von elf aus der Haft entlassenen Personen bestätigen.
Andere lokale Medien wie "100% Noticias" schätzen die Zahl der Freigelassenen auf 40 bis 50. Dies wurde auch von Ana Margarita Vijil von der Oppositionspartei Unamos bestätigt. Die autoritäre Regierung von Präsident Daniel Ortega und seiner Ehefrau Rosario Murillo hat bislang keine Liste veröffentlicht. Die Gründe für die plötzliche Milde blieben zunächst offen.
Oppositionelle, Kirchenmitarbeiter und Waldschützer
Unter den entlassenen Gefangenen befinden sich den Berichten zufolge mehrere ältere Personen mit chronischen Krankheiten, darunter die ehemaligen Mitarbeiterinnen der Diözese Matagalpa, Carmen Sáenz und Lesbia Gutiérrez. Die beiden Frauen wurden im Zuge der staatlichen Verfolgung der Arbeit der katholischen Kirche im August 2024 inhaftiert. Sie hatten während ihrer Zeit im Gefängnis keinerlei Kontakt zu Familien oder Anwälten.
Auch vier indigene Waldschützer wurden freigelassen, die beschuldigt worden waren, im Jahr 2021 ein Massaker in der Gemeinde Kiwakumbai begangen zu haben. Laut Aussagen der Dorfbewohner waren allerdings Siedler die Täter.
Alfredo Gutierrez, Koordinator der außerhalb Nicaraguas ansässigen Partei Liberales Nicaragua, sagte, dass der Aktivist Alejandro Hurtado zu den freigelassenen Gefangenen gehört. Hurtado war laut der Interamerikanischen Menschenrechtskommission im Januar verhaftet worden.
Ana Margarita Vijil von der Oppositionspartei Unamos bestätigte, ihre Organisation wisse von der Freilassung von etwa 40 Personen. Viele ihrer Familien hätten sie seit Monaten oder sogar Jahren nicht gesehen.
Die Ortegas - fast 20 Jahre an der Macht
Der frühere sandinistische Revolutionär Ortega regiert Nicaragua seit 2007. Seit der brutalen Niederschlagung einer breiten Protestbewegung 2018 haben er und seine Frau Rosario Murillo die Grundrechte massiv eingeschränkt. Sie verfolgen Oppositionelle, schließen Organisationen der Zivilgesellschaft und gehen auch gegen die Kirche vor.
Gemäß dem zivilgesellschaftlichen "Mechanismus zur Anerkennung politischer Gefangener" saßen Ende Oktober insgesamt 77 Oppositionelle in nicaraguanischen Gefängnissen.
fab/AR (epd, rtr)