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AfD mit Rekordergebnis in Westdeutschland

9. März 2026

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg konnte die in Teilen rechtsextreme AfD ihr Ergebnis auf knapp 19 Prozent fast verdoppeln. Angesichts zahlreicher parteiinterner Krisen bleibt die Freude aber verhalten.

AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier reagiert am 8.3.2026 in Stuttgart auf erste Wahlprognosen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.  Er und seine Parteifreunde jubeln und recken die Fäuste in die Luft.
Der AfD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, bejubelt den bisher größten Wahlerfolg seiner Partei in einem westdeutschen BundeslandBild: Jana Rodenbusch/REUTERS

"Wir sind die Gewinner des Abends", analysierte der Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Tino Chrupalla, das Wahlergebnis in jedem Interview. Und auch der AfD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, schlug den gleichen Ton an: "Ich bin sehr, sehr zufrieden!"

Mit 18,8 Prozent der Wählerstimmen erzielte die AfD in Baden-Württemberg ihr bislang bestes Wahlergebnis in einem westdeutschen Bundesland. Auch wenn die Partei im Osten der Republik fast doppelt so gute Ergebnisse erzielt, ist der Erfolg beachtlich. Denn anders als der Osten ist Baden-Württemberg eine extrem wirtschaftsstarke Region mit vielen hoch bezahlten Arbeitsplätzen.

Erfolg in einer der reichsten Regionen der Welt

Mercedes-Benz, Porsche, SAP, Bosch - hier haben viele Unternehmen von Weltrang ihren Stammsitz. Die gesamte Region ist geprägt vom viel gerühmten deutschen Mittelstand, der auch kleinen Gemeinden hohe Steuereinnahmen beschert. Für die AfD ist der Wahlerfolg daher beachtlich. Er zeigt, dass die Partei in ganz Deutschland verankert zu sein scheint.

Mit ihren Kampagnen gegen Einwanderung und für Massenabschiebungen aus Deutschland konnte die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestufte Partei offensichtlich punkten. Und im Autoland Baden-Württemberg warf sie den anderen Parteien "Vaterlandsverrat" vor, weil die in der Verkehrspolitik auf alternative Antriebe von Motoren setzen würden. Die AfD dagegen hält am klassischen Benzin-Motor fest und schürt Zweifel am menschengemachten Klimawandel

Dauerbrenner-Thema Windkraft: Die AfD bezweifelt den menschengemachten Klimawandel (Wahlplakat in Thüringen 2024)Bild: Müller-Stauffenberg/IMAGO

Vor allem bei Arbeitern konnte die AfD damit punkten: Nach Analysen des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap wählten 37 Prozent der Arbeiter die AfD. Der Strukturwandel in der Wirtschaft und die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust scheint die AfD unter Arbeiterinnen und Arbeitern wählbar zu machen.

"AfD-Anhänger haben einen anderen Blick auf die Welt: sehr viel pessimistischer", erklärte der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim am Wahlabend im ARD-Fernsehen. "Sie zeichnen die aktuelle Lage viel negativer als alle anderen Wähler, und sie stimmen vor allem einer Aussage zu: Früher war alles besser."

AfD: Wahlsieg bei Nichtwählern

Insgesamt hat die AfD besonders stark von der hohen Wahlbeteiligung profitiert. Rund 200.000 Stimmen bekam sie zusätzlich aus dem Lager der Nichtwähler, wie die Forschungsgruppe Wahlen herausfand.

Und trotzdem: Richtig freudig und zufrieden sahen die AfD-Spitzenpolitiker am Wahlabend nicht aus. Dafür scheint es viele Gründe zu geben.

Zum einen scheiterte die AfD am selbst gesetzten Wahlziel, und das hieß 25 Prozent plus x. Sie blieb also hinter den eigenen Erwartungen zurück. Einfach nur ein Wahlerfolg reicht der AfD nicht, sie hat ein großes Ziel: Sie will in Deutschland regieren. Nicht mitregieren, sondern den Kanzler stellen, beziehungsweise die Kanzlerin: Alice Weidel.

AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel am Abend der Landtagswahl in Stuttgart: verhaltene FreudeBild: Markus Lenhardt/dpa/picture alliance

Im vergangenen Jahr schien die Co-Vorsitzende Alice Weidel in der AfD unumstritten. Mit wütender Rhetorik und emotionalen Reden schaffte sie es, in Wahlkämpfen einzuheizen. Und ihre radikalen Kampagnen für Massenabschiebungen, gegen den Islam und gegen die politische Konkurrenz trafen den Geschmack der Partei.

Aber jetzt wirkt Weidel angeschlagen. Denn in der Partei schwelen zahlreiche Probleme und Skandale - und die fallen auch der Parteispitze vor die Füße. Die schärfste Kritik kommt dabei aus dem eigenen Lager: Führungsschwäche werfen einflussreiche Parteikreise ihrem Spitzenpersonal vor.

Vorwürfe der Vetternwirtschaft erschüttern Partei

Das hat gerade alle Hände voll zu tun, denn in der Partei gärt es. Ein schwerer Vorwurf belastet die Arbeit der Parteifunktionäre: Vetternwirtschaft. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass AfD-Abgeordnete im großen Stil Verwandte und Freunde in den Fraktionsbüros des Bundestags und der Landtage beschäftigen.

Da die Familienangehörigen nicht in den eigenen Büros, sondern in denen von Parteifreunden beschäftigt werden, ist die Praxis nicht illegal. Aber an der AfD-Basis kommt die Praxis nicht gut an. Denn die AfD versucht, sich als einzigartig in der deutschen Parteienlandschaft zu profilieren. Und als junge Partei profitiert sie davon, dass sie noch keinerlei politische Verantwortung übernehmen musste und damit weniger Skandale und Krisen produziert hat.

Der AfD-Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch: vier Fußballfreunde auf Staatskosten beschäftigtBild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/picture alliance

Der Vorwurf der Vetternwirtschaft war bislang ein beliebter Vorwurf von AfD-Politikern gegen die politische Konkurrenz. Sie geißelten damit, dass sich ein vermeintliches Kartell der anderen Parteien den Staat zur Beute machen würde. Dass jetzt die eigenen Leute im großen Stil ihr familiäres Umfeld mit lukrativen Posten versorgen, wiegt schwer.

Alice Weidel hat sich mit Kritik an der Praxis bislang zurückgehalten. Und sie agiert im Gegensatz zu ihrem ansonsten markigen Auftreten erstaunlich defensiv.

Radikales Umfeld kritisiert AfD-Funktionäre

Angeheizt wird der Konflikt durch das für die AfD so wichtige politische Umfeld. Das will nämlich nicht einfach nur einen Erfolg der AfD, sondern fordert quasi die reine Lehre - einen radikalen ideologischen Wandel in Deutschland. Es träumt nicht von Mandaten, sondern von einem Deutschland ohne Migranten, ohne Islam, als weiße homogene Gesellschaft. Die größte Gefahr in diesem Kampf wittert das Vorfeld in den eigenen Reihen: in der Verlockung des Geldes durch gutbezahlte Mandate in den Parlamenten.

Bereits am Wahlabend fiel die Kritik des Vorfelds beißend aus - und das in den parteinahen Medien und trotz des Wahlerfolgs. "Wir haben jetzt Apparatschiks!", ätzte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Armin-Paul Hampel im Livestream des rechtsextremen Online-Senders Compact TV.

Für die AfD bleibt der Wahlerfolg von Baden-Württemberg also ein Erfolg mit begrenzter Strahlkraft. Denn das Wahlergebnis konterkariert auch eine zentrale Kampagne der Partei: dass die Deutschen angeblich die Politik der Grünen ablehnen würden. Die Grünen allerdings erhielten mehr Wählerstimmen als alle anderen Parteien und stellen weiter den Ministerpräsidenten. Die AfD dagegen bleibt in der Opposition.

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