AfD-Parteitag: Alice Weidel baut ihre Macht aus
5. Juli 2026
Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat auf ihrem Bundesparteitag den Anspruch bekräftigt, in Deutschland zu regieren. Zum Abschluss der Versammlung in Thüringens Hauptstadt Erfurt bekräftigte die wiedergewählte Ko-Vorsitzende Alice Weidel: "Wir sind die stärkste Kraft. Wir sind eine 30-Prozent Volkspartei. Und wir werden regieren." Damit bezog sie sich auf aktuelle Umfragen.
Am Samstag hatten die Delegierten die Doppelspitze der Partei bestätigt: Alice Weidel, die bei der Bundestagswahl 2025 als AfD-Spitzenkandidatin angetreten war, konnte ihr Ergebnis mit 81,3 Prozent der Stimmen im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren leicht verbessern. Ihr Ko-Vorsitzender Tino Chrupalla dagegen büßte deutlich an Zuspruch ein und kam nur noch auf 70 Prozent der Stimmen.
Wichtiger noch für Weidel: Bei den Wahlen des neuen Bundesvorstandes setzten sich zahlreiche ihrer Unterstützer durch - zum Teil in Kampfkandidaturen. Dadurch konnte die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin ihren Einfluss auf die Ausrichtung der AfD ausbauen. In der Partei und in den Medien wird immer wieder über Weidels Anspruch diskutiert, die AfD zukünftig alleine zu führen.
Rückenwind für Rechtsextremisten
Die Zusammensetzung des neugewählten Bundesvorstands deutet an, dass die AfD auch in Zukunft politisch auf eine radikale Abgrenzung von allen anderen Parteien setzen will. Gleich sechs von 14 Mitgliedern des neugewählten Bundesvorstands kommen aus Landesverbänden, die von den Verfassungsschutzbehörden als gesichert rechtsextrem geführt werden.
Mit Jean-Pascal Hohm rückt ein rechtsextremer Politiker in den Parteivorstand, der gleichzeitig auch Vorsitzender der neugegründeten Parteijugend "Generation Deutschland" ist. In der Vergangenheit musste Hohm wegen seiner Kontakte in die rechtsextreme Szene seine Anstellung in der AfD-Landtagsfraktion im Bundesland Brandenburg aufgeben.
Und mit Stefan Möller aus dem Bundesland Thüringen sitzt in Zukunft einer der engsten politischen Vertrauten von Björn Höcke im AfD-Bundesvorstand. Höcke wurde im Jahr 2025 zwei Mal rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt, weil er mehrmals die Losung der verbrecherischen 'Sturmabteilung', SA, aus der Zeit des Nationalsozialismus unter Adolf Hitler benutzt hatte. Sein Vertrauter Stefan Möller soll sich im Bundesvorstand um den Umgang mit den deutschen Sicherheitsbehörden kümmern.
Verfassungsschutz vs. AfD
Denn der deutsche Inlandsgeheimdienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz und die entsprechenden Landesämter, sind der AfD ein besonderer Dorn im Auge. In bereits fünf Bundesländern - Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - wird die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft. In sechs weiteren Bundesländern und als Bundespartei insgesamt wird sie als rechtsextremer Verdachtsfall beobachtet. Grund dafür sind abwertende Aussagen von zahlreichen Parteimitgliedern gegen die parlamentarische Demokratie und gegen die unabhängige Justiz. Ins Gewicht fällt aber vor allem, dass AfD-Politiker immer wieder die rechtliche Gleichheit der Deutschen in Frage stellen, vor allem wenn es um Migranten, Muslime oder aber Schwarze Menschen geht.
Auch das Neu-Vorstandsmitglied Stefan Möller stellte in der Vergangenheit die Gleichheit aller Deutschen in Frage: In einem Beitrag vom 17. Juli 2023 auf der Plattform Twitter, heute X, schrieb er: "Ob man Deutscher ist, entscheidet sich zwischen den Ohren, nicht auf dem Papier."
Anders als in der Vergangenheit verliefen die politischen Machtkämpfe auf dem Parteitag ohne Verwerfungen und ohne Spaltungen. Auf früheren AfD-Versammlungen war es zu wütenden Abrechnungen und Angriffen auf offener Bühne gekommen. Mehrfach wurden Parteivorsitzende nach heftigen Wortgefechten vom Thron gestürzt.
In Erfurt dagegen standen alle Zeichen auf Disziplin: Da im Jahr 2026 noch drei wichtige Landtagswahlen stattfinden und die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erstmals in Deutschland einen Ministerpräsidenten stellen will, sollte kein Streit die für die AfD günstigen Umfragewerte trüben. Das gelang.
Mit dem offenen Streit blieben dabei auch die politischen Debatten aus: Die wiedergewählte Co-Vorsitzende Alice Weidel verzichtete weitestgehend auf konkrete politische Aussagen. Sie beließ es bei einer generellen Kritik an der deutschen Regierungspolitik der vergangenen 20 Jahre: "Eurorettung, Flüchtlingsrettung, Klimarettung Ukrainerettung, bei gleichzeitiger konsequenter De-Industrialisierung und desaströser Energiepolitik überfordern die Menschen in unserem Land."
In der Vergangenheit forderten Weidel und die AfD eine Rückkehr zur Atomenergie, eine Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen nach Deutschland, eine Ende der Klimaschutzmaßnahmen und ein Ende der Unterstützung Deutschlands für die Ukraine, die 2022 von Russland überfallen worden war und sich seitdem gegen den Angriff verteidigt.
Auf dem Parteitag beließ es Weidel beim Anspruch der AfD auf Regierungsverantwortung. Konkrete politische Maßnahmen schlug sie nicht vor. Stattdessen beschwor sie unter dem Jubel der Delegierten einen deutschen Nationalgeist: "Lasst uns das gesamte Land in Schwarz-Rot-Gold tauchen. Schwarz-Rot-Gold: Das leben wir! Das sind unsere Farben!"
Friedlicher Protest in Erfurt
Begleitet wurde der Parteitag von weitestgehend friedlichen Protesten: Zehntausende Menschen demonstrierten in Erfurt gegen die AfD. Getragen wurde der Protest von Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und zahlreichen Einzelorganisationen. Auf einer Kundgebung in Erfurt forderte Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen, die AfD auf: "Remigriert euch in die Geschichtsbücher!"