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AfD-Parteitag in Erfurt: "Wir sind die neue Volkspartei"

4. Juli 2026

Vor drei Landtagswahlen im Osten Deutschlands hat die AfD auf einem Parteitag ihren Machtanspruch deutlich gemacht. In Erfurt gingen Zehntausende gegen das Delegiertentreffen auf die Straße.

Deutschland Erfurt 2026 | AfD-Parteitag | Alice Weidel hält eine Rede
AfD-Ko-Vorsitzende Alice WeidelBild: Karina Hessland/REUTERS

Bei ihrem von massiven Protesten begleiteten Bundesparteitag hat die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Alternative für Deutschland (AfD) einen klaren Machtanspruch formuliert. "Wir sind die neue Volkspartei in Deutschland", sagte die Parteivorsitzende Alice Weidel in ihrer Rede vor den Delegierten in der Messehalle Erfurt. Die AfD sei "bereit, Verantwortung zu übernehmen".

Weidel warf den anderen Parteien vor, die AfD "mit Hass und Hetze" auszugrenzen. Sie richtete eine Botschaft an die politische Konkurrenz: "Ihr werdet uns nicht kleinkriegen, ganz im Gegenteil. Wir werden immer stärker und größer."

Ähnlich äußerte sich der Ko-Vorsitzende Tino Chrupalla. "Wir werden gewinnen", sagte er vor den Delegierten. "Vielleicht können wir bald schon allein regieren", fügte er mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen hinzu.

Weidel und Chrupalla im Amt bestätigt

Im September werden in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Berlin neue Landesparlamente gewählt. Nach aktuellen Umfragen könnte die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit der Sitze holen und mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund den künftigen Ministerpräsidenten stellen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sehen die Demoskopen die Partei mit etwa 35 Prozent der Stimmen vorn. In bundesweiten Umfragen ist sie derzeit ebenfalls stärkste Kraft.

Chrupalla und Weidel nach ihrer WiederwahlBild: Sebastian Kahnert/dpa/picture alliance

Am Samstagnachmittag wurden Weidel und Chrupalla von den Delegierten in ihren Ämtern bestätigt. Weidel erhielt bei der Neuwahl der beiden Parteivorsitzenden gut 81 Prozent, während Chrupalla auf ​etwa 70 Prozent kam.

Der Parteitag ​in ‌der thüringischen Landeshauptstadt wird von Protestaktionen begleitet: Die Polizei schätzte die Zahl der ‌Teilnehmer am Nachmittag auf rund ‌31.000. ​Viele AfD-Gegner hatten die Zufahrtswege zum Erfurter Messegelände blockiert und ließen sich etwa auf Straßen und ​Autobahnen nieder.

Delegierte umgehen Blockade

Dennoch begann der AfD-Parteitag pünktlich. Um Blockaden durch Demonstranten zu umgehen, fuhren Hunderte Delegierte in den frühen Morgenstunden mit Reisebussen zum Parteitagsgelände. Nach Angaben von Delegierten versammelten sie sich bereits vor 4.00 Uhr an Treffpunkten weit außerhalb der Stadt. AfD-Chef Chrupalla eröffnete das Treffen mit entsprechendem Spott: "Der frühe Vogel fängt den Wurm", sagte er. "Die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen."

Proteste gegen den AfD-Parteitag in ErfurtBild: Christian Mang/REUTERS

Die AfD-Gegner werteten die Kundgebungen in Erfurt indes als gelungen. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Luke Hoß sprach von einem "riesigen Erfolg" - auch wenn das Ziel des Bündnisses "Widersetzen", den Parteitag komplett zu verhindern, nicht erreicht wurde. "Von einem Scheitern kann keine Rede sein", sagte Hoß, der sich an der Blockade beteiligt hatte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Zivilgesellschaft habe massiv mobilisiert und "gezeigt, dass sie einer faschistischen Partei Einhalt gebietet".

"Das AfD-Verbot setzen wir heute auf der Straße durch", erklärte der Sprecher des Bündnisses "Widersetzen", Suraj Mailitafi. "Erfurt wird heute zur antifaschistischen Hauptstadt. Die AfD verbarrikadiert sich in den Messehallen, wir blockieren von allen Seiten."

Autobahnblockade von AfD-Gegnern am SamstagvormittagBild: Michael Reichel/dpa/picture alliance

Zu den von Sicherheitsbehörden im Vorfeld befürchteten Ausschreitungen gewaltbereiter Linksextremisten kam es zunächst nicht. Die Polizei sprach von vereinzelten "Auseinandersetzungen", bei denen Beamte auch Pfefferspray einsetzten.

Der Parteitag endet am Sonntag. Auch am zweiten Tag geht es vor allem um Personalien. Zudem stehen Schlussworte der Parteispitzen auf der Tagesordnung.

gri/se (afp, rtr, dpa)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert

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