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Afghanistan: Bewaffnete Opposition wächst

Masood Saifullah | Zamzama Niazai
14. August 2026

In Afghanistan sind immer mehr bewaffnete Oppositionsgruppen aktiv. Sie fordern die Machtposition der Taliban heraus.

Afghanistan Kabul 2025 | Taliban-Polizist regelt Verkehr am Vorabend der Jahrestagsfeier
(Archiv) EIn Taliban-Polizist kontrolliert den Verkehr in der Hauptstadt KabulBild: Siddiqullah Alizai/AP Photo/picture alliance

Die Machthaber hatten plötzlich keine Macht mehr. In der nordöstlichen Provinz Badakhschan verloren die Taliban Mitte Juli vorübergehend die Kontrolle über die Bezirkshauptstadt Yaftal-e Payeen. Eine lokale Widerstandgruppe hatte den Ort kurzzeitig besetzt und die schwarz-rot-grüne Flagge Afghanistans aus der Republik vor der Machtübername der Taliban gehisst. Es gab Berichte über tödliche Anschläge auf hochrangige Funktionäre in Badakhshan.

Das war das erste Mal seit ihrer Rückkehr an die Macht im August 2021, dass die Taliban die Kontrolle über ein Bezirkszentrum verloren haben. Kurz nach der vorübergehenden Einnahme von Yaftal-e Payeen ordnete der ehemalige afghanische General Sami Sadat, der an der Spitze der so genannten "Vereinten Front Afghanistans" steht, landesweite Angriffe auf die Taliban an.

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Widerstand von Ausland aus gesteuert

"Heute um 5:00 Uhr morgens habe ich allen Militärangehörigen der Vereinigten Front befohlen, militärische Operationen zu beginnen", erklärte General Sadat am 2. August in einer Videobotschaft. Er richtete sich dabei offenbar an Mitglieder der Sicherheits- und Verteidigungskräfte aus der Zeit vor der Machtübernahme der Taliban. Wie sie effektiv militärisch agieren können, bleibt aber unklar, worauf das Onlineportal South Asia Times in einen Beitrag zu der Videobotschaft hinweist.

Der 41-jährige General selbst lebt nicht im Land am Hindukusch, sondern in den USA, seitdem die Taliban im August 2021 die Macht übernommen haben. Die "Vereinte Front Afghanistans" hatte er im Jahr 2023 im Exil der Vereinigten Staaten gegründet.

(Archiv) Anführer der "Nationalen Front des Widerstands" Ahmed Masood in Paris 2021 Bild: Kyodo News/imago images

Auch andere Gruppen existieren, darunter die "Nationale Front des Widerstands in Afghanistan" (NRF) unter der Führung von Ahmad Massoud, dem Sohn des bei einem Anschlag getöteten Kommandanten Ahmad Schah Massoud. Dieser war bis zu seinem Tod 2001 einer der Anführer bewaffneten Widerstands gegen die Taliban. 20 Jahre später trat der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters.  Auf der Plattform X hat die NRF 66.000 Follower. Auch Massoud Junior lebt im ausländischen Exil, vermutlich im nördlichen Nachbarland Tadschikistan.

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Immer mehr Gewalt gegen Taliban

"In den letzten fünf Jahren gab es die Opposition in zwei Formen: politisch und militärisch. Beide Formen des Widerstands haben Gestalt angenommen", sagt der afghanische Ex-Innenminister Mohammad Umer Daudzai im DW-Interview.

Es lässt sich aber derzeit unabhängig kaum einschätzen, ob diese Gruppen für die allgemeine Machtposition der Taliban momentan ernsthaft eine Herausforderung darstellen. Beobachter bezweifeln aber, dass die Taliban in den letzten fünf Jahren landesweit die Sicherheit wiederhergestellt hätten. Das könnte die Islamisten in der Zukunft noch mehr unter Druck setzen.

"Wenn die Regierung der Taliban keinen Erfolg hat, werden sich weitere bewaffnete Kräfte gegen sie bilden. Es wird Opposition entstehen. Es wird Einmischungen von Nachbarländern geben. Und letztendlich wird der Boden für Stellvertreterkriege bereitet", sagt der Ex-Verteidigungsminister Shahmohammad Miakhel gegenüber der DW.

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"Wenn Herr Sami Sadat von Amerika aus einen solchen Befehl an diejenigen erteilt, die gegen die Taliban kämpfen müssen, hat er sicherlich grünes Licht erhalten. Und man darf nicht vergessen, dass in Afghanistan keine Gruppe und niemand ohne die Unterstützung eines oder mehrerer ausländischer Staaten Aktivitäten durchführen kann", sagte der ehemalige Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanish, gegenüber der DW.

Botschaft der Taliban-Regierung in MoskauBild: Alexander Nemenov/AFP

Seit ihrer Machtübernahme verweigern die Taliban grundlegende Menschenrechte und schränken vor allem die Frauenrechte ein. Mädchen dürfen nur noch bis zur sechsten Klasse in die Schule gehen. Die Taliban-Regierung ist international isoliert. Nur Russland hat sie diplomatisch anerkannt. Auch Deutschland hat die Taliban nicht anerkannt, führt mit ihnen aber Gespräche, um die Straftäter leichter nach Afghanistan abzuschieben

Auch IS verübte Anschläge

Die Taliban werden auch von anderen Islamistengruppen in Afghanistan bedroht wie vom regionalen Ableger des Islamischen Staates (IS). Die Gruppe will im Gegensatz zu den Taliban den Alleinvertretungsanspruch und die Führung über alle Muslime der Welt.

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Sie hat sich zu mehreren Anschlägen auf Taliban-Funktionäre bekannt, darunter zu einer Explosion im Januar in einem China-Restaurant im Zentrum von Kabul. Dabei starben mindestens sieben Menschen. Beim Selbstmordanschlag im Dezember 2024 in Kabul durch den IS starb Khalil Ur-Rahman Haqqani, der Flüchtlingsminister in der Taliban-Regierung. 

Die Taliban spielen die Bedrohungslage durch bewaffnete Gruppen offiziell herunter, räumen aber ein, dass die Unterstützung von außen für den bewaffneten Widerstand größer geworden sei. Im DW-Interview bezichtigt der Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid das Nachbarland Pakistan. Allerdings konnte er keine Beweise vorlegen. 

Die Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan sind seit 2021 von Spannungen geprägt. Im Februar hatte die pakistanische Luftwaffe Ziele in Afghanistan angegriffen. Islamabad wirft den Taliban vor, militante Gruppen Unterschlupf geboten zu haben, die Anschläge in Pakistan verüben, insbesondere den pakistanischen Taliban (TTP).

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"Als benachbartes muslimisches Land scheint Pakistan Schaden zu verursachen, um das Verhalten der Taliban zu beeinflussen, beziehungsweise zu ändern", sagt Qamar Cheema, Sicherheitsexperte in Islamabad. Die Taliban weisen Vorwürfe, der TTP Unterschlupf zu gewähren, zurück. 

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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