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Afghanistan: Mädchen wollen trotz Schulverbots lernen

17. September 2025

Nach einer UN-Umfrage hält die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung Bildung für Mädchen für wichtig. Trotz des Schulverbots durch die Taliban lernen Hunderttausende Mädchen mit alternativen Angeboten.

Eine junge Frau sitzt in ihrem Haus in Kabul an einem Fenster und liest ein Buch
Unter den Taliban dürfen die Mädchen nach der 5. Klasse nicht mehr zur Schule gehen.Bild: ZOHRA BENSEMRA/REUTERS

Ende August veröffentlichte die UN-Gleichstellungsbehörde "UN Women" die Ergebnisse einer Umfrage, die in Afghanistan durchgeführt wurde.

Mitarbeitende der Organisation, die 2010 gegründet wurde und sich für Geschlechtergerechtigkeit sowie die Stärkung von Frauen und Mädchen einsetzt, befragten im Rahmen einer landesweiten Haus-zu-Haus-Erhebung mehr als 2.000 Personen. Ihre Frage war: Was halten sie von der Schulbildung für Mädchen?

Insgesamt 92 Prozent der Befragten gaben an, es sei "wichtig", dass Mädchen ihre Schulbildung fortsetzen. In ländlichen Regionen befürworteten 87 Prozent der Männer und 95 Prozent der Frauen die Bildung von Mädchen. In den Städten lag die Zustimmung bei jeweils 95 Prozent, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

"Das ist fast immer das Erste, was Mädchen uns erzählen, dass sie unbedingt lernen und einfach nur die Chance auf eine Ausbildung haben wollen", sagt Susan Ferguson, "UN Women"-Sondergesandte in Afghanistan.

Immer mehr Mädchen ohne Zugang zu Bildung

Seit vier Jahren ist Afghanistan das einzige Land der Welt, in dem Mädchen nur bis zur Grundschule unterrichtet werden dürfen. Kurz nach der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 verbot die radikalislamische Terrororganisation den Mädchen ab der 6. Klasse, in die weiterführende Schule zu gehen. Vom Studium sind die Frauen ebenfalls ausgeschlossen.

Afghanistan: Systematische Unterdrückung von Frauen

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Am 17. September 2021, dem ersten Schultag nach der Machtübernahme, standen laut Schätzungen mehr als eine Million Mädchen vor verschlossenen Türen weiterführender Schulen. Viele von ihnen waren schockiert und weinten.

Laut UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, ist seitdem mindestens 1,4 Millionen Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu weiterführenden Schulen und Universitäten verwehrt.

Es ist davon auszugehen, dass die Zahl noch weiter ansteigt. Denn Afghanistan ist ein junges Land mit einem Durchschnittsalter von rund 17,1 Jahren. 

"Taliban leugnen die Realität der Gesellschaft"

Die Taliban wiederholen seit vier Jahren unbeirrt, Bildung für Mädchen und Frauen sei nicht mit dem Islam vereinbar und widerspreche den Werten der afghanischen Kultur und Gesellschaft. Trotz anhaltender und massiver Kritik aus dem Ausland zeigen sie bislang keine Bereitschaft, ihre Haltung zu ändern. 

Sie haben in den letzten vier Jahren eine Reihe von Verboten erlassen, die die Rechte von Frauen und Mädchen drastisch einschränken. Sie werden aus dem öffentlichen Leben verdrängt, von Bildungseinrichtungen und dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen und in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.

Dass die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung die Bildung ihrer Töchter unterstützt, sei nichts Neues, erklärte Sardar Mohammad Rahimi, Ex-Vizeminister für Bildung Afghanistans im DW-Gespräch.

"Alle Umfragen, die vor der Machtübernahme der Taliban durchgeführt worden waren, zeigten, dass insbesondere Frauen und Mädchen in allen Teilen Afghanistans an Bildung interessiert waren und ihre Familien die Einrichtung von Bildungszentren in ihren Regionen forderten", sagt Rahimi, der seit der Machtübernahme der Taliban in Frankreich lebt und am " Nationalen Institut für orientalische Sprachen und Kulturen" unterrichtet.

"Die Taliban versuchen ständig, dem afghanischen Volk und der internationalen Gemeinschaft ihre eigene Interpretation der Scharia aufzuzwingen und zu behaupten, dies sei Teil der afghanischen Kultur. Tatsächlich ist es aber Aufgabe einer Regierung, die Menschen zum Lernen zu ermutigen", sagt Rahimi weiter. Die Scharia ist eine strenge Auslegung des Islams und bedeutet im engeren Sinne die von Gott gesetzte Ordnung.

Aus seiner Sicht wollten die Taliban nicht wahrhaben, dass die Afghanen einen anderen Lebensstil einschlagen möchten. "Die Machthaber zwingen dem afghanischen Volk im Namen der Scharia ein politisches Projekt und ein strenges religiöses Programm auf, das mit den gesellschaftlichen Realitäten in Afghanistan nichts zu tun hat."

Malala setzt sich für Mädchen in Afghanistan ein

Trotz des Schulverbots unterstützen zahlreiche Familien ihre Töchter weiterhin beim Lernen, in geheimen Schulen oder zu Hause mit alternativen Lehrmethoden online oder über Radio. Aktivisten der Zivilgesellschaft innerhalb und außerhalb Afghanistans, Nichtregierungsorganisationen wie der Malala Fund, leisten dabei wichtige Unterstützung.

Viele Mädchen nutzen digitale Lehrangebote mit Geräten, die ihnen zur Verfügung stehenBild: ZOHRA BENSEMRA/REUTERS

Der Malala Fund ist eine internationale NGO, die von der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai gegründet wurde. Die Pakistanerin wurde im Jahr 2012 im Alter von nur 15 Jahren von den Taliban angeschossen, weil sie sich schon als junges Mädchen für das Recht auf Bildung einsetzte.

Malala überlebte den Anschlag knapp. Heute spricht sie regelmäßig bei den Vereinten Nationen und auf internationalen Foren über die Situation afghanischer Mädchen und fordert politischen Druck auf die Taliban.

Das Ziel ihrer Organisation ist es, Mädchen durch alternative Angebote zwölf Jahre lang kostenlose, sichere und hochwertige Bildung zu ermöglichen.

Sie arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, um visuelle Inhalte zu entwickeln, die die Bildung afghanischer Mädchen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt stellen.

Schon heute profitieren Hunderttausende Mädchen in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban von diesen Angeboten.

Mitarbeit: Shakila Ebrahimkhil

 

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