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Politik

Ultimatum gegen die Taliban

6. Juni 2017

Wegen der prekären Sicherheitslage in Afghanistan steht Präsident Aschraf Ghani zunehmend unter Druck. Jetzt hat er den radikalislamischen Taliban ein Ultimatum für Friedensgespräche gestellt.

Afghanistan Anschlag auf Moschee in Herat
Während in Kabul eine internationale Sicherheitskonferenz stattfand, ging vor einer Moschee in Herat eine Bombe hochBild: DW/S. Tanha

"Wir bieten eine Chance auf einen Frieden, aber das ist kein unbefristetes Angebot", sagte Afghanistans Präsident Aschraf Ghani bei einer internationalen Friedenskonferenz in Kabul. "Dies ist die letzte Chance, ergreift sie oder tragt die Konsequenzen", appellierte der Präsident an die Aufständischen. Er bot den muslimischen Extremisten an, ein Verbindungsbüro zu eröffnen. Mit Blick auf Ort und Zeitpunkt möglicher Friedensgespräche zeigte sich Gahni flexibel.

Gespräche zwischen Vertretern Kabuls und der Islamisten waren im Sommer 2015 nach dem Tod des langjährigen Taliban-Anführers Mullah Omar abgebrochen worden. Seit dem ist es nicht gelungen, die Taliban zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Präsident Aschraf Ghani (M.) sprach von einer Letzten Chance für die Taliban, sonst drohen KonsequenzenBild: Reuters/O.Sobhani

Blutiger Anschlag in Herat

Zu Ghanis Angebot äußerten sie sich bislang nicht. Während der Konferenz feuerten die Extremisten eine Rakete ab, die das NATO-Hauptquartier in Kabul treffen sollte. Das Geschoss schlug aber in der Residenz des indischen Botschafters ein. Verletzt wurde niemand.

Derweil kam es in der westlichen Stadt Herat zu einem blutigen Anschlag vor einer Moschee. Sieben Menschen wurden getötet, als eine Bombe hochging, die vermutlich an einem geparkten Motorrad befestigt war.

Immer mehr ausländische Kämpfer im Land

Wegen der prekären Sicherheitslage steht Präsident Ghani zunehmend in der Kritik. Afghanische Sicherheitskräfte versuchen seit langem ausländische Kämpfer für die anhaltende Gewalt verantwortlich zu machen. Ghani sagte bei der Konferenz, deren Zahl sei in den vergangenen Jahren von 200 auf 11.000 gestiegen.

Besonders nach dem Abzug der meisten internationalen Truppen Ende 2014 hatte sich die Situation drastisch verschlechtert. Auch deshalb diskutieren NATO-Partner, ob sie wieder mehr Truppen nach Afghanistan schicken sollen. Die Bundeswehr hat derzeit rund 940 Bundeswehrsoldaten im Land (Stand April).

Bei dem verheerenden Anschlag vergangene Woche wurde auch die deutsche Botschaft in Kabul schwer beschädigtBild: Reuters/M. Ismail

Zahl der Toten nach Anschlag in Kabul steigt auf über 150

Die internationale Konferenz soll denn auch dabei helfen, die Staatengemeinschaft in die Bemühungen zur Verbesserung der Gefahrenabwehr einzubinden. Beteiligt sind Vertreter aus rund zwei dutzend Staaten teil, darunter neben den USA auch Indien, China sowie Pakistan, dem Kabul die Unterstützung der Taliban vorwirft.

Das Treffen findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt, nachdem sich im Kabuler Diplomatenviertel ein Selbstmordattentäter in der vergangenen Woche mit einem mit 1500 Kilogramm Sprengstoff beladenen Tanklaster in die Luft gesprengt hatte. Wie Ghani auf der Konferenz mitteilte, wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet. Mehr als 300 seien schwer verletzt worden. Bislang hatten die afghanischen Behörden von 90 Toten gesprochen.

uh/qu (afp, rtr)

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