Afrika-Gipfel in Kenia: Frankreich sucht neue Partner
8. Mai 2026
Wenn die Außenminister Frankreichs und Kenias am 11. Mai 2026 den "Africa Forward Summit" in der Universität Nairobi eröffnen, liegt die Betonung auf einer neuen Gemeinsamkeit.
Gleichzeitig ist das zweitägige Treffen in Kenia der erste Gipfel dieser Art, den Frankreich in einem englischsprachigen Land Afrikas ausrichtet. Allerdings nicht ohne Grund: Präsident Emmanuel Macron will laut Experten ein Zeichen setzen und eine Abkehr von der bisherigen Afrika-Politik in Westafrika einleiten.
Warum sich Frankreich umorientiert
"Frankreich hat sehr viel Ansehen und Einfluss in den frankophonen afrikanischen Ländern verloren, besonders in der Sahelzone", sagt Ulf Laessing, Leiter des Regionalprogramms Sahel der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali der DW. "Es versucht jetzt sehr stark, in anderen anglophonen Ländern - Südafrika, Kenia, Nigeria - zu expandieren, um sich auf die Weise wieder zu positionieren und als der vermeintlich wichtigste Partner Afrikas zu zeigen."
Der französische Präsident Emmanuel Macron und Kenias Präsident William Ruto werden auf dem Gipfel ihre neue Partnerschaft als Vorsitzende des Treffens demonstrieren. Dabei liegt der Fokus auf verstärkte Sicherheit, Wirtschaftsinvestitionen, und grüne Energie. Ruto möchte außerdem über eine gerechtere Gestaltung des globalen Finanzsystems für hochverschuldete afrikanische Staaten sprechen. Frankreich hat zugesagt, diese Kampagne zu unterstützen. Rund 30 Staats- und Regierungschefs sowie internationale Gäste werden erwartet.
Der Gipfel soll ein Umdenken in der Afrika-Strategie von Paris zeigen. "Da ist ein klarer Zusammenhang", betont Laessing. "Man will den Verlust des Einflusses im frankophonen Afrika mit mehr Einfluss in anglophonen Ländern ausgleichen."
Möglicherweise wolle Frankreich später wieder in den frankophonen ehemaligen Kolonien expandieren, falls die Militärregime im Sahel irgendwann fallen sollten, fügt Laessing an. Allerdings seien in den frankophonen Ländern Kritik und Vorurteile gegenüber Frankreich zu stark.
"Afrika hat eine sehr junge Bevölkerung, in Mali zum Beispiel ist das Durchschnittsalter 15 Jahre - die haben nicht mehr den Bezug zu Frankreich", sagt Laessing mit Blick auf die ehemaligen Kolonialherren. "Die Malier sind sehr stark enttäuscht und manipuliert worden, auch von den Eliten, die mit Frankreich verbandelt waren."
Frankreich im Sahel unerwünscht
Gegen diesen Einfluss Frankreichs in Westafrika, insbesondere in der Sahelzone, gab es seit 2022/2023 massive Proteste. Demonstranten warfen Frankreich eine neokoloniale Politik und Einmischung in innere Angelegenheiten vor. Mali, Burkina Faso und Niger haben die militärische Zusammenarbeit mit Frankreich beendet und den Abzug französischer Truppen erzwungen. Die neuen Militärjunta-Chefs in der Region nutzen die anti-französische Stimmung, um ihre Souveränität zu betonen.
Ein Ärgernis für viele Westafrikaner ist seit langem auch die Währung CFA-Franc - ein Relikt aus der kolonialen Vergangenheit. Bereits 2020 hatten einige westafrikanische Länder mit Zustimmung Frankreichs eine Währungsreform eingeleitet, um den CFA-Franc abzuschaffen. Doch der Transformationsprozess gestaltet sich schwierig.
Angesichts des Imageverlusts in Westafrika bietet sich der Afrikagipfel in Ostafrika an, sagen Experten. "Nach seinem Rückzug aus der Sahelzone strebt Frankreich eine Neuausrichtung seiner Partnerschaften hin zu diversifizierteren, wirtschaftlich orientierten Beziehungen an, hauptsächlich in schnell wachsenden Regionen wie Ostafrika", sagt Yves Ekoué Amaïzo zur DW. Der Togolese ist Leiter des Afrocentricity Think Tanks, einer Denkfabrik in Wien.
Frankreich sucht laut Amaïzo nach stabilen Investitionsmöglichkeiten in den Bereichen Infrastruktur, Energie - insbesondere erneuerbare Energien -, digitale Wirtschaft und Logistik. "Und auch Projekte mit Bezug zum Privatsektor, die einen langfristigen Einfluss sichern, ohne auf Sicherheitsaspekte angewiesen zu sein."
Harter Wettbewerb in Ostafrika
Der Wettbewerb in der Region dürfte hart werden, prognostiziert Amaïzo. Schließlich müsse Frankreich mit alternativen Finanzierungsangeboten aus China, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien konkurrieren.
Frankreich macht bereits erfolgreich Geschäfte in Kenia: Laut dem französischen Botschafter in Kenia ist Frankreich der fünftgrößte ausländischen Direktinvestor an, der 46.000 Arbeitsplätze unterhält. Der Handel - den das kenianische Handelsministerium mit rund 300 Millionen US-Dollar beziffert - wächst. Kenia exportiert Früchte, Kaffee, Tee, Blumen und Gewürze nach Frankreich und importiert pharmazeutische und kosmetische Produkte, Chemikalien und Maschinen.
Was verspricht sich Kenia davon?
Kenias Präsident Ruto machte vor dem Gipfeltreffen am Montag jedoch die angestrebte Rolle Kenias als globaler Akteur deutlich: "Jedes Thema auf der Tagesordnung, jedes Gespräch und jede Verpflichtung zielt auf eines ab: ein Afrika, das an vorderster Front der globalen Angelegenheiten steht, sein eigenes Schicksal gestaltet, seine eigene Zukunft bestimmt und den globalen Diskurs beeinflusst", sagte er laut des kenianischen Medienunternehmens The Star.
Ostafrika gewinne zunehmend an geopolitischem Einfluss, betont Amaïzo. "Paris unterzeichnet neue Verteidigungs- und Investitionspartnerschaften mit Ländern wie Kenia, Ruanda und Tansania. Solche Abkommen stärken deren Status als strategische Knotenpunkte zwischen Europa, dem Indischen Ozean und dem gesamten afrikanischen Kontinent."
Für den kenianischen Ökonom James Shikwati kommt daher die Ausrichtung des Frankreich-Afrika-Gipfels in Nairobi nicht überraschend. Kenia wolle sich stärker mit Großmächten weltweit verbünden. "Die französische Regierung war möglicherweise der Ansicht, dass diese Politik Kenias ihr einen besseren Einstiegspunkt zurück nach Afrika bietet", sagt er der DW.
"In diesem Fall ins anglophone Afrika, dass Frankreich nicht unbedingt feindselig eingestellt ist", fügt er an. Zudem versuche sich Kenia, als Tor zu anderen afrikanischen Ländern zu positionieren. Immerhin gebe es mit der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Burundi innerhalb der Ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft EAC mindestens drei Länder, die weitgehend frankophon sind - ein weiterer Vorteil für Frankreich.
Laut Shikwati zeigt der neue Ansatz Frankreichs auch, wie die angespannte Weltlage mit ihren Krisen im Nahen Osten und der Ukraine traditionelle Märkte unter Druck setzt. "Etablierte Akteure geraten in eine neue, schwierige Lage, in der sie ihre globale Geschäftsstrategie neu ausrichten müssen." Daher geht der Blick auf die aufstrebenden Volkswirtschaften, die auch globaler agieren wollen.