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Afrika: Trumps Visa-Stopp grenzt aus

Martina Schwikowski
21. Januar 2026

Die US-Regierung legt Visaverfahren auch für zahlreiche afrikanische Länder auf Eis. Dahinter steckt laut Experten die Strategie von Präsident Trump, Immigranten als Bedrohung für Amerikaner darzustellen.

Ein USA Antrag für ein Visum liegt auf der US-Flagge, auf dem weißen Antragsbogen liegen ein dunkler Stift und Passport
US-Präsident Donald Trumps politischer Schritt, dauerhafte Einreisegenehmigungen auszusetzen, betrifft zahlreiche afrikanische Länder und stößt vielfach auf KritikBild: Olga Yastremska/Pond5 Images/IMAGO

Die USA verschärfen ihre Einwanderungspolitik weiter: Die Regierung hat erklärt, die Bearbeitung von Einwanderungsvisa für Antragsteller aus 75 Staaten weltweit aussetzen, ein Drittel sind afrikanische Länder. Der Visa-Stopp tritt laut Ankündigung an diesem Mittwoch (21. Januar) in Kraft und betrifft ausschließlich Personen, die dauerhaft in den USA leben und arbeiten wollen. Mit diesem Schritt will Washington den angeblichen "Missbrauch des Einwanderungssystems durch Menschen, die sich auf Kosten der USA bereichern wollen", beenden, so die Erklärung. 

Touristen sind willkommen

"Präsident Trump hat deutlich gemacht, dass Einwanderer finanziell unabhängig sein müssen und keine finanzielle Belastung für die Amerikaner darstellen dürfen", sagt Phillip Assis, ein Sprecher des Außenministeriums und Direktor des regionalen Medienhubs Afrika in Johannesburg, zur DW. 

Präsident Trump unterzeichnete im Dezember 2025 das Dekret "Trump-Goldkarte" - die Eintrittskarte für Daueraufenthalt in den USA bei Zahlung von einer Million DollarBild: Andrew Harnik/Getty Images

Assis betont: "Das Außenministerium führt derzeit eine umfassende Überprüfung aller Richtlinien, Vorschriften und Leitlinien durch, um sicherzustellen, dass Einwanderer aus diesen Hochrisikoländern keine Sozialleistungen in den Vereinigten Staaten in Anspruch nehmen und nicht von staatlicher Unterstützung abhängig werden. Touristenvisa sind davon nicht betroffen."

Die Dauer der Maßnahme ist unklar. Laut Assis können Staatsangehörige der betroffenen Länder weiter ihren Visaantrag einreichen. Aber während der Dauer der Aussetzung würde keinen Einwanderungsvisa-Anträgen dieser Staatsangehörigen stattgegeben. "Andere Visa, wie für Touristen, Sportler und ihre Familien sowie Medienvertreter, die zur Fußball-Weltmeisterschaft in die Vereinigten Staaten reisen, sind davon nicht betroffen."

Die USA richten 2026 gemeinsam mit Mexiko und Kanada die Fußball-WM aus, 2028 finden die ⁠Olympischen Spiele in Los Angeles statt - die USA wirbt damit, diese Veranstaltungen als Moment der Einheit zu feiern. Gleichzeitig setzt US-Präsident Donald Trump allerdings seine bereits im vergangenen November begonnene Politik fort, die Migration aus "Ländern der Dritten Welt permanent zu stoppen".

Im Dezember hatte die US-Regierung Anträge auf Einwanderung für Menschen aus 18 Staaten gestoppt und Einreiseverbote für Menschen aus sieben Ländern verhängt. Schon im Juni 2025 war die Liste der Einreiseverbote erweitert worden. Kurz drauf reagierten betroffene Länder wie Mali und Burkina Faso mit ähnlichen Beschränkungen für US-Bürger bei der Einreise. 

Nationalismus bestimmt die US-Politik

Für Analyst Fredson Guilengue, Politikwissenschaftler im Südafrika-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung, passt die neue Regelung in den außenpolitischen Plan der US-Regierung: "Wir dürfen nicht vergessen, dass Trump mit dem Slogan 'Make America great again' (MAGA) Wahlkampf gemacht hat und Nationalismus und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu den zentralen Merkmalen dieser Bewegung gehören", sagt er zur DW.

In diesem Sinne betone die Rhetorik der MAGA-Bewegung die "falsche" Vorstellung, amerikanische Arbeitnehmer und Steuerzahler zu schützen. "Es geht darum, mehr Unterstützung innerhalb der eigenen Bewegung zu gewinnen, indem Einwanderer von der aktuellen Regierung und Trump als Bedrohung für die amerikanische Gesellschaft dargestellt werden", sagt Guilengue im Interview.

Rückschlag für diplomatische Beziehungen mit Afrika

Zu den in Afrika betroffenen Ländern zählen Ägypten, Äthiopien, aber auch Tansania und Uganda sowie Somalia, Sudan und Südsudan. In Westafrika stehen zahlreiche Länder auf der Liste der Visa-Einschränkungen, darunter Ghana, Kamerun, Côte d'Ivoire, Liberia, Nigeria, Sierra Leone und Senegal.

Experten sehen die US-Migrationspolitik als Rückschlag für die langjährigen Beziehungen zwischen beiden Kontinenten. "Für den Senegal werden die Auswirkungen schwerwiegend sein: Pläne fürs Studium, für die Arbeit oder zur Familienzusammenführung werden blockiert. Diese Entscheidung sendet ein falsches Signal und erfordert eine diplomatische Reaktion und entschiedene Fürsprache" für die Betroffenen, sagt Boubacar Sèye, Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation Horizon sans frontières in Dakar, die sich für die Rechte von Migranten einsetzt.

"Das Argument der 'Überziehung der Aufenthaltsdauer' ist stark übertrieben", sagt Sèye mit Blick auf die geäußerte Sorge der US-Regierung. "Es bestraft eine ganze Bevölkerungsgruppe aufgrund des Verhaltens einer Minderheit. Diese Rechtfertigung wird vor allem dazu benutzt, eine restriktive Migrationspolitik zu verschärfen." Dennoch sei Amerika ein großartiges Land, das auf vielen Ebenen Chancen biete, auch für Menschen ohne Qualifikationen, sagt Sèye.

Viele Migranten aus Westafrika sind nach der neuen Regelung der Trump-Migrationspolitik nicht dauerhaft in den USA willkommen: hier eine Gruppe in New YorkBild: Jean-Claude Abalo/DW

"Eine Visabeschränkung ist gefährlich für alle jungen Menschen, ob aus Lateinamerika oder sogar Europa, aber besonders für uns in der Sahelzone und für die betroffenen Länder", sagt auch Ahmedou Ould Abdallah, ehemaliger mauretanischer Außenminister und ehemaliger UN-Botschafter. Er leitet jetzt das Forschungsinstitut Centre 4S. Die US-Regelung richte sich insbesondere gegen die Staaten der Sahel-Allianz, fügt er an. "Das ist keine gute Nachricht für die Jugend dieser Länder, die in der Regel nicht politisiert ist und in denen es bisher keine Wahlen gab", sagt er zur DW. "Daher erscheint mir diese Politik für afrikanische Länder nicht sinnvoll."

Er sieht weder Fortschritt noch Offenheit oder neuen Schwung, der durch diesen politischen Einschnitt entstehen könnte. Bei Auswanderung gehe es gar nicht darum, sich vor politischen Schwierigkeiten zu verstecken. "Eher um mehr Freiraum, zu arbeiten, erfolgreich zu sein und einen neutralen Wettbewerb zu führen, ohne dabei einer religiösen, ethnischen, regionalen oder familiären Zugehörigkeit zugeschrieben zu werden."

Auch die Demokratische Republik Kongo ist von dem Visa-Stopp betroffen. Fred Bauma, Exekutivdirektor vom Forschungsinstitut Centre Ebuteli in Kinshasa findet das widersprüchlich: "Nicht nur im Kongo beobachten wir dieses Paradoxon. Es gibt auch andere Länder, die reich an Ressourcen sind und von den Vereinigten Staaten begehrt werden. Und die sich dennoch von jeglicher Bewegung ausgeschlossen sehen."

Zum Beispiel Angola, das bereits teilweise Visa-Einschränkungen unterliegt, doch laut Bauma durch das große Infrastrukturprojekt des Lobito-Korridors ein zentraler Bestandteil der US-Strategie in der Region des südlichen Afrikas sind. 

Ende 2025 setzte sich Präsident Trump als Friedenstifter im Konflikt zwischen der rohstoffreichen Demokratischen Republik Kongo und ihrem Nachbarn Ruanda in Szene - sie unterzeichneten ein Friedensabkommen. Gebracht hat es wenig.Bild: Chip Somodevilla/Getty Images/AFP

Diskriminierung trotz Handel 

"Dies bestärkt gewissermaßen die Vorstellung, dass der Wettlauf um Ressourcen wichtiger ist als die normale Zusammenarbeit mit Staaten, und dies ist offensichtlich eine gefährliche und ungünstige Perspektive für Länder des Südens, die über den einfachen Austausch von Gütern hinausgehen möchten", sagt Bauma der DW. 

Aber auch die Politik der kulturellen Identität spielt laut Guilengue eine Rolle. Denn diese Beschränkungen signalisierten den Wunsch, die amerikanische Kultur zu bewahren, indem immer weniger Menschen mit unterschiedlichen Identitäten nach Amerika kommen und sich dort niederlassen. Man könnte es "ausgrenzenden Populismus" nennen.

"Die Folge davon ist, dass Menschen unter Ausgrenzung leiden", sagt Guilengue. Dies führe zu einem Widerspruch: Es sei Tatsache, dass Einwanderer keine wirtschaftliche Belastung darstellten, sondern Wirtschaft und Wachstum schafften und einen Beitrag zur Gesellschaft leisteten. "Es ist nicht wahr, dass die Aussetzung der Anträge die amerikanische Wirtschaft schützen wird, es könnte das Gegenteil bewirken."

Er führt auch humanitäre Bedenken an: "Familien werden getrennt, Flüchtlinge könnten daran gehindert werden, in die USA einzureisen, und dies könnte für einige Menschen schwere Konsequenzen haben."

Mitarbeit: Sandrine Blanchard