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Politik

Afrikas Grüne setzen auf Zusammenarbeit

Antonio Cascais
30. Juni 2019

In Deutschland und weiten Teilen Europas eilen grüne Parteien von Erfolg zu Erfolg. Von einem solchen Hype sind Umweltparteien in Afrika derzeit noch weit entfernt - doch die Klimakrise könnte das ändern.

Mosambik Joao Massango
Anhänger der mosambikanischen Umweltpartei PEC-MT bei einer Wahlkampfveranstaltung Bild: Privat

"Für uns Grüne in Mosambik sind die deutschen Grünen ein leuchtendes Beispiel", sagt João Massango. Der 47-Jährige ist Präsident der "Partido Ecologista - Movimento da Terra" (PEC-MT), die sich auf Umweltthemen spezialisiert hat. Doch ganz anders als die deutschen Grünen hat die PEC-MT es seit ihrer Gründung 1997 nicht geschafft, auch nur einen Abgeordneten ins Parlament zu entsenden. "Wir haben natürlich mitbekommen, dass unsere deutschen Freunde im Aufwind sind. Und dieser Erfolg der Grünen in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, spornt uns an", sagt Massango im DW-Interview.

In Mosambik sei es wie in den meisten anderen Ländern Afrikas: Das Thema Umweltschutz spiele in der Öffentlichkeit eine geringe Rolle. Die meisten Menschen seien mit scheinbar wichtigeren Themen beschäftigt: Arbeit, Gesundheit, Sicherheit. "Wenn wir den Leuten mit Umweltschutz kommen, dann klingt das in ihren Ohren nach einer großen Utopie", so Massango.

Mosambik: Viele Umweltprobleme, wenig Stimmen für die Grünen

Dabei ist Mosambik schon aufgrund seiner geographischen Lage besonders großen Umweltrisiken ausgesetzt. Das Land leidet regelmäßig an extremen Dürren, aber auch an Flutwellen oder Wirbelstürmen, wie dem , der Mitte März Teile des Landes zerstörte. Hunderte Menschen kamen damals ums Leben, tausende sind bis heute obdachlos. "Eigentlich müssten gerade in meinem Land die Menschen für Umweltfragen brennen", so Massango. Doch bei den letzten Parlamentswahlen 2014 wurde sein engagierter Wahlkampf nicht mit einem zählbaren Ergebnis belohnt.

Trotzdem will der ausgebildete Geograph nicht aufgeben: Sein Ziel ist es, bei den kommenden Wahlen im Oktober dieses Jahres mindestens ein Parlamentsmandat für seine Partei zu erringen: "Umweltschutz und der Kampf um das Klima sind und bleiben die Themen unserer Zeit. Wir wollen nicht bloß Statisten sein, sondern ein gewichtiges Wörtchen mitreden, wenn es um die Zukunft unseres Landes und unseres Planeten geht."

Infolge des Klimawandels häufen sich extreme Wetterereignisse wie der Zyklon "Idai" auch in AfrikaBild: Reuters/M. Hutchings

Internationale Zusammenarbeit der grünen Parteien

Auch anderswo auf dem afrikanischen Kontinent konnten grüne Parteien bislang keine großen politischen Erfolge feiern. Doch das soll sich ändern - vor allem durch eine intensivere internationale Vernetzung und Zusammenarbeit. Dem Weltdachverband der grünen Parteien, "Global Greens", in dem alle grünen Parteien weltweit zusammengeschlossen sind, gehören inzwischen 22 grüne Parteien aus Afrika an - darunter auch João Masangos PEC-MT aus Mosambik. Ziel der Global Greens ist es, als internationales Netzwerk die Ideen grüner Politik weltweit zu fördern.

João Massango, Chef der mosambikanischen GrünenBild: Privat

Die grünen Parteien weltweit seien wie eine große Familie, erläutert Dorothy Nabulega, frauenpolitische Sprecherin der "Ecologial Party of Uganda" im DW-Gespräch: " Wenn eine grüne Partei irgendwo Erfolge feiert, dann feiern alle anderen mit und der Erfolg einer Partei färbt auf andere grüne Schwesterparteien ab."

 

Bislang keine breite grüne Bewegung in Afrika

Warum lässt der Erfolg grüner Parteien in den meisten Ländern Afrikas so lange auf sich warten? "Ich denke, das liegt daran, dass es in Afrika keine starke ökologische Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft gibt, wie zum Beispiel die 'Friday for Future'-Bewegung in Europa", meint Nabulega. Greta Thunberg habe es in Europa geschafft, große Aufmerksamkeit für die Gefahren des Klimawandels zu erregen.

João Massango sieht eine Ursache für den ausbleibenden Erfolg auch in den begrenzten Mitteln der kleinen Umweltparteien in Afrika. Er hofft deshalb auf finanzielle und logistische Unterstützung durch die wohlhabenderen Schwesterparteien aus Europa.

Die ugandische Umweltpolitikerin Dorothy Nalubega bei der Weltklimakonferenz UNFCCC in Bonn Bild: DW/A. Cascais

"Grüne" Erfolge in Ruanda, Kongo und Madagaskar

Trotz aller Herausforderungen: Inzwischen hätten grüne Bewegungen in Afrika auch einige kleine Erfolgsgeschichten vorzuweisen, betont Dorothy Nabulega. Sie verweist vor allem auf drei Länder: Ruanda, Madagaskar und die Demokratische Republik Kongo.

Tatsächlich konnte in Ruanda die "Democratic Green Party" bei den Wahlen 2018 beachtliche 4,55 Prozent der Stimmen und damit zwei Sitze im Parlament erringen. In Madagaskar bildeten die Grünen vom "Parti Vert Hasin'I Madagasikara" schon im Vorfeld der Wahlen im letzten Jahr eine Koalition mit der "Tous Ensemble-Bewegung" von Andry Rajoelina. Seit dem Wahlsieg dieser Koalition stellt die "Parti Vert" den Umweltminister des Landes. Und auch in der Demokratischen Republik Kongo gibt es eine durchaus erfolgreiche grüne Parteiarbeit, wenngleich keine grünen Abgeordneten in der Nationalversammlung sitzen. Dafür hat der Kongo mit Didace Pembe Bokiaga einen überaus prominenten und umtriebigen Umweltaktivisten, der jahrelang den Posten des Umweltministers innehatte.

Doch wie João Massangos PEC-MT in Mosambik, fristet Dorothy Nalubegas "Ecological Party of Uganda" ein Außenseiterdasein in der Politik ihres Landes. "Bislang ist es uns nicht gelungen, Abgeordnetensitze im Parlament zu erringen", sagt die grüne Funktionärin. Den nächsten Versuch wollen die ugandischen Grünen bei den Parlamentswahlen 2021 unternehmen: "Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass einige unserer Leute eines Tages ins Parlament gewählt werden."

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