Syriens Präsident al-Scharaa kommt nächste Woche nach Berlin
16. Januar 2026
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa kommt am kommenden Montag zu einem zweitägigen Besuch nach Deutschland. Am Dienstag trifft er Bundeskanzler Friedrich Merz und nimmt an einem Runden Tisch mit Unternehmern, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Außenminister Johann Wadephul teil, wie der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille mitteilte.
Mehr als eine Million Syrer leben in Deutschland
Zu den Hauptthemen dürfte die mögliche Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat gehören. Ende 2024 lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 1,22 Millionen Menschen in Deutschland, die selbst oder deren Eltern aus Syrien eingewandert sind.
Viele Syrerinnen und Syrer kamen wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat ab 2012 nach Deutschland, sehr viele von ihnen in den Jahren ab 2015. Als Schutzsuchende waren Ende 2024 rund 713.000 Syrer registriert. Finale statistische Daten für das Jahr 2025 liegen vom Bundesamt noch nicht vor.
Weniger Asylanträge
Nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad Ende 2024 ist die Zahl der Asylanträge aber merklich zurückgegangen: Im vergangenen Jahr gab es laut Statistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge rund 23.000 Asyl-Erstanträge von syrischen Staatsangehörigen, im Jahr davor waren es noch fast 77.000.
Merz hatte al-Scharaa bereits im November nach Deutschland eingeladen, um mit ihm über dieses Thema zu sprechen. Kritik an dem Besuch gibt es unter anderem von den kurdischen und alawitischen Gemeinden in Deutschland, die der syrischen Regierung gewaltsame Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten vorwerfen.
Seit einem Jahr im Amt
In dem arabischen Land war 2024 der langjährige Machthaber al-Assad durch die Islamistenmiliz HTS gestürzt worden, angeführt worden war sie von al-Scharaa. Dieser wurde im Januar vergangenen Jahres zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen.
Seit dem Umbruch ist es jedoch bereits mehrfach zu Gewaltwellen gegen Minderheiten gekommen. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet. Zuletzt ließen Gefechte in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo neue Eskalationen befürchten. Regierungstruppen kämpften dabei gegen kurdische Kräfte. Gefechte hatte es in den vergangenen Wochen und Monaten auch mit anderen Minderheiten wie den Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste Syriens gegeben.
haz/ie (dpa, rtr, epd, kna)