Alexandra Popp und Borussia Dortmund: Ein Zeichen der Zeit
23. März 2026
Es gibt nicht viel, was Alexandra Popp in ihrer Karriere nicht erreicht hat. Drei Champions-League-Titel, eine olympische Goldmedaille, sieben deutsche Meisterschaften, 13 Pokalsiege und unglaubliche 145 Länderspiele für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ergeben einen beeindruckenden Lebenslauf.
Nun aber wird die 34-Jährige den Verein verstärken, für den ihr "Herz schlägt", nachdem sie beschlossen hat, Wolfsburg im Sommer in Richtung Borussia Dortmund zu verlassen und dort einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. Für eine der am meisten dekorierten Fußballerinnen Deutschlands ist dies mehr als eine Heimkehr, obwohl sie in der Region Dortmund aufgewachsen ist.
Popp spielt erneut eine Rolle bei der Entwicklung des Spiels in Deutschland, indem sie zu einem unterklassigen Verein wechselt, der vor fünf Jahren noch gar nicht existierte.
Popps Verpflichtung als klares Statement
Die Frauenmannschaft von Borussia Dortmund bestritt ihr erstes Spiel 2021, 13 Jahre nachdem Popp Profi geworden war. Es ist ein langfristiges Projekt, denn statt Geld zu investieren und direkt in die Bundesliga zu springen, machte der Klub den langsamen Aufstieg aus den unteren Ligen. Derzeit spielt das Team in der dritten Liga und strebt an, innerhalb der nächsten zwei Jahre in der Bundesliga zu sein.
Geschäftsführerin Svenja Schlenker nannte Popps Verpflichtung ein klares Statement der Ambitionen des Vereins. Es ist offensichtlich, dass Dortmunds Frauen bereit sind, den nächsten Schritt zu machen.
"Alexandra Popp ist eine der prägenden Figuren des modernen deutschen Frauenfußballs geworden. Sie steht für mehr als sportliche Leistung. Sie bringt Glaubwürdigkeit, Führungsstärke und Sichtbarkeit mit. Für ein Projekt, wie das von Dortmund, signalisiert eine Figur wie Popp auch dem größeren Fußballmarkt, dass das Projekt ernsthafte Ambitionen hat", sagte Dominik Schreyer, Professor für Sportökonomie an der Otto Beisheim School of Management, gegenüber der DW.
"Sie wird wahrscheinlich auch Fans ins Stadion ziehen, denn egal ob Männer- oder Frauenfußball, die Menschen wollen bekannte Gesichter sehen. In der Sportökonomie ist allgemein anerkannt, dass Starspielerinnen die Nachfrage und das Medieninteresse steigern. Und es gibt sicherlich keine Debatte darüber, dass Popp eine der wenigen echten Stars auf dem deutschen Markt ist", ergänzte Schreyer und merkte an, dass ein starkes Dortmund die Zuschauerzahlen und das mediale Interesse in der Liga steigern würde.
Die aktuelle durchschnittliche Zuschauerzahl in der Frauen-Bundesliga liegt laut der Internetseite "worldfootball.net" zufolge bei rund 3.300 pro Spiel, wobei Bayern mit einem Schnitt von knapp unter 8.000 pro Spiel hilft. Laut offizieller Statistik der Frauen-Bundesliga kamen in der vergangenen Saison insgesamt 355.407 Zuschauer in die Stadien, was einen Schnitt von 2692 pro Partie ergibt.
Borussia Dortmunds Frauen zogen 2025 für ein Spiel gegen Rivale Schalke 10.000 Fans an, und mit 230.000 Vereinsmitgliedern gibt es guten Grund zur Annahme, dass viele Anhänger der Männermannschaft auch das Frauenteam unterstützen werden, trotz etablierterer lokaler Teams.
Unterstützung durch Männerklubs als einziger Weg nach vorn?
Popps Wechsel wirft jedoch auch weitere Fragen auf, wie Vereine ohne Verbindung zu Männerklubs überleben können. Die SGS Essen kämpft gegen den Abstieg in der Bundesliga, und Turbine Potsdam, zweimalige Champions-League-Siegerinnen, sind in die Tiefen der zweiten Liga abgestürzt.
An ihrer Stelle versuchen RB Leipzig und Union Berlin, sich in der Bundesliga zu etablieren. Während der Streit mit dem DFB über die Struktur weiter schwelt, wird das Bild klarer. Popps Wechsel nach Dortmund dient lediglich als weiterer Hinweis auf die Richtung, in die sich das Spiel bewegt.
"Die Vorstellung, dass Klubs, die von großen Männer-Teams unterstützt werden, strukturelle Vorteile haben, ist gut etabliert, aber nicht so eindeutig belegbar wie ein Transfer", sagte Schreyer.
"Integration allein garantiert keinen Erfolg. Echter Fortschritt erfordert weiterhin bewusstes Engagement, um Synergien zwischen Männer- und Frauenteams tatsächlich zu nutzen. Dennoch wird der Druck auf Vereine ohne diese Unterstützung wachsen. Sie werden klare Strategien brauchen, etwa starke Nachwuchsarbeit, kluge Verpflichtungen oder eine markante Klubidentität. In manchen Fällen könnten auch externe Investitionen eine Rolle spielen, um wettbewerbsfähig zu bleiben."
Vor nur zwei Jahren war Schreyer Teil eines Forscherteams, das ein Papier mit dem Titel "Football but better? Professioneller Frauenfußball in Deutschland im Jahr 2031" veröffentlichte. Darin war die wahrscheinlichste Prognose, dass "integrierte Fußballklubs alle unabhängigen Frauenklubs in Deutschland verdrängen werden".
Langsamer Aufstieg dank struktureller Unterstützung
Popps Verpflichtung ist nur ein Teil der Dortmunder Ambitionen. Nicht lange zuvor hatte auch Ralf Kellermann, der Mann, dem oft der Aufstieg von Wolfsburgs Frauenmannschaft zugeschrieben wird, zugesagt, nach Dortmund zu wechseln.
Kellermann kam 2008 zunächst als Trainer nach Wolfsburg, bevor er später Sportdirektor wurde. In beiden Rollen half er dem Klub, 20 Titel zu gewinnen, darunter das berühmte Triple 2013, als Kellermann als Trainer maßgeblich an Wolfsburgs Triumph beteiligt war.
Seine Verpflichtung ist ein weiteres klares Zeichen der Dortmunder Ambitionen, aber auch ein Hinweis darauf, dass es mehr als Geld und eine Starspielerin braucht, um das Ganze zum Laufen zu bringen.
"Wenn die Investitionen konstant bleiben, kann der Fortschritt schnell kommen", sagte Schreyer über den zeitlichen Rahmen, in dem Dortmund ein Niveau erreichen könne, um Bayern München und Wolfsburg herauszufordern. "Aber ein Spitzenprogramm im Frauenfußball aufzubauen, ist nicht nur eine Frage des Geldes. Es geht um Rekrutierungsnetzwerke, sportliche Strukturen und organisatorisches Know-how. Klubs unterschätzen oft, wie lange das dauert."
In diesem Moment sieht es nicht so aus, als hätten Alexandra Popp oder Borussia Dortmund irgendetwas unterschätzt. Das sind spannende Nachrichten für eine heimische Szene, die verzweifelt versucht, in Europa mitzuhalten, und für eine Nationalmannschaft, die in drei Jahren eine Heim-EM gewinnen will.
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Alexandra Popp and Borussia Dortmund: A sign of the times" adaptiert.