Ali Chamenei: Der Mann, der Israel zerstören wollte
1. März 2026
Ajatollah Ali Chamenei setzte alles daran, das Ende des Staates Israel noch zu erleben. Immer wieder bezeichnete er Israel als "illegitimen Staat" und betonte die Unterstützung des Irans für die "Befreiung Palästinas". Als ideologischer Kopf der sogenannten "Achse des Widerstands" formte er nach seinem Amtsantritt 1989 ein Bündnis mit Stellvertreter-Armeen im Libanon, im Irak, in Syrien, im Jemen und den palästinensischen Gebieten. Das Hauptziel: Die Vernichtung Israels.
Doch die sogenannte Achse begann nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 aus der Spur zu geraten. Die israelische Armee reagierte mit massiven Angriffen, nicht nur auf die Hamas in Gaza, sondern auch auf Ziele im Libanon, in Syrien, im Jemen und schließlich auf iranischem Boden. Attacken im Juni 2025 überlebte Chamenei, doch nach den massiven Angriffen der USA und Israels am 28. Februar 2026 gaben die iranischen Behörden Stunden später seinen Tod bekannt.
"Stellvertreter Gottes auf Erden"
Den Preis für Chameneis ideologische Konfrontationspolitik zahlte vor allem die iranische Bevölkerung. Sie litt am meisten unter den internationalen Sanktionen, der strauchelnden Wirtschaft, der zunehmenden politischen Isolation und geriet zuletzt in das Kreuzfeuer des eskalierenden regionalen Konflikts.
Dass Chamenei unbeirrbar an seinen Vorstellungen festhielt, hängt auch damit zusammen, dass der politische und religiöse Führer des Irans davon überzeugt war, "Stellvertreter Gottes auf Erden" zu sein. Diesen Titel übernahm Chamenei 1989 nach dem Tod von Ajatollah Chomeini, dem Gründer der Islamischen Republik Iran, als er Oberster Führer auf Lebenszeit wurde.
Der 1939 in der für die Schiiten heiligen Stadt Maschhad im Nordosten des Irans geborene Gelehrte hatte somit jahrzehntelang in allen staatlichen Angelegenheiten das letzte Wort. Fragen zu seinen Entscheidungen duldete er nicht. Als Irans Oberhaupt gab er auch nie Interviews. Ein Student, der 2018 bei einem Treffen mit ihm vor laufenden Kameras gefragt hatte, ob man ihm überhaupt Fragen stellen dürfe, wurde nach dem Treffen festgenommen und wegen "Beleidigung des religiösen Führers" zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Schah-Gegner und Aufstieg nach 1979
Ajatollah Ali Chamenei sah sich bis zu seinem Tod vor allem als Dichter und Literaturkritiker. In seiner Jugend hatte er Gedichte verfasst. Vor der islamischen Revolution von 1979 musste er als Gegner des Schahs mehrmals ins Gefängnis. Der junge Religionsgelehrte hinterließ als Pfeife rauchender Literaturfreund unter den regimekritischen Intellektuellen einen eher sanftmütigen Eindruck.
Nach dem Sieg der Revolution und der Machtübernahme des religiösen Flügels machte Chamenei dann schnell Karriere. Er war sprachlich gewandt und wurde Freitagsprediger in Teheran. 1981 verübte die Widerstandsgruppe der sogenannten Volksmudschahedin ein Attentat auf Chamenei. Er kam mit dem Leben davon, aber seine rechte Hand war seither gelähmt. Mit eisernem Willen lernte Chamenei, mit der linken Hand zu schreiben. Er stieg in den Führungskreis des religiösen Establishments auf. Von 1981 bis 1989 hatte er das Amt des Staatspräsidenten inne.
Revolutionsgarden als Machtstütze
Er wisse, wie es sich anfühle, unter einem Diktator zu leben und vom Terror betroffen zu sein, sagte Chamenei einmal, als er schon der religiöse Führer war. Er meinte damit die Zeit unter dem Schah. Dennoch war er für die massiven Menschenrechtsverletzungen im Iran von heute verantwortlich. Unter seiner Regentschaft ergingen Willkürliche Urteile gegen Aktivisten, vollstreckte der Iran regelmäßig Todesurteile gegen politische Gegner und ließ Proteste mit Gewalt niederschlagen.
Chameneis hauptsächliche Machtstütze waren die Revolutionsgarden, eine paramilitärische Organisation zum "Schutz der Revolution", die 1979 gegründet worden waren. Die Garden wurden unter ihrem Oberbefehlshaber Chamenei stark ausgebaut und verfügen heute über eigenständige Truppenteile für Heer, Luftwaffe und Marine sowie über Spezialeinheiten für Auslandseinsätze und eine Freiwilligenmiliz. Auch eine Cyber-Truppe gehört dazu. Die Revolutionsgarden, die mit ihrem Baukonzern Khatam al-Anbiya auch Teile der iranischen Öl- und Gasindustrie kontrollieren, sind ein Staat im Staate. Sie ermöglichen ihrem Oberbefehlshaber, vorbei an Präsident und Parlament seinen Willen durchzusetzen.
Feindbild USA
Chamenei pflegte einen bescheidenen Lebensstil, aber er ließ Profiteure des korrupten Wirtschaftssystems in seinem Umfeld weitgehend gewähren. Mitten in der Corona-Krise etwa hatten seine engsten Berater versprochen, einheimische Impfstoffe gegen den COVID-Virus zu entwickeln. Das Projekt verschlang eine Milliarde Dollar und scheiterte kläglich.
In Augen von Millionen Iranern, die während der Pandemie geliebte Menschen verloren haben, war der Ajatollah persönlich verantwortlich für das katastrophale Management der Pandemie. Er bezeichnete das Corona-Virus als biologische Waffe der USA, die für den Einsatz im Iran genetisch verändert worden sei. Mit dieser Haltung verbot er der Regierung den Import von Impfstoffen aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien.
Chamenei sah die Islamischen Republik als die einzig wahre Widerstandskraft gegen den "imperialistischen" Westen, und er träumte von einem mächtigen schiitischen Iran in der islamischen Welt. Seine Reden waren gespickt mit dem Begriff "Feind", und der Hauptfeind waren dabei stets die USA.
Das umstrittene iranische Atom- und Raketenprogramm nahm unter seiner Führung Fahrt auf. Dass er mit einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, die Herstellung und den Gebrauch von Atomwaffen verbot, überzeugte kaum jemanden auf der internationalen Bühne. Verhandlungen über eine Einschränkung des iranischen Atomprogramm ließ er erst zu, nachdem der Iran genug Erfahrung und Wissen erworben hatte, um dieses Programm jederzeit wieder hochfahren zu können.
Unterdrückung der Bevölkerung
Wiederholte landesweite Proteste für mehr politische und soziale Freiheiten wurden unter seiner Führung brutal niedergeschlagen, ebenso Unruhen im Zuge der wirtschaftlichen Misere - zuletzt zum Jahreswechsel 2025/26. Die Unterdrückung der Frauen erreichte unter Chamenei neue Dimensionen. Zugleich wanderten viele junge Talente und Akademiker aus. Mit Chamenei an der Spitze wurden alle Hoffnungen auf Veränderungen und nachhaltige Reformen im Rahmen des bestehenden politischen Systems im Iran enttäuscht.
Mit zunehmendem Alter wurde Chamenei unversöhnlicher und nachtragender, der Kreis seiner Vertrauten wurde immer enger. Was er nicht mochte, durfte nicht existieren. Nicht nur bei seinen Kritikern bestehen Zweifel, ob er tatsächlich Kenntnis hatte von der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem politischen System, dem Verlust des Vertrauens in die religiöse Instanzen, den schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lebensumständen. Er zeigte keinerlei Interesse an einem Austausch mit der Bevölkerung.