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"Allen Formen der Diskriminierung ausgesetzt"

8. April 2003

-Zur Lage der Roma in Bosnien-Herzegowina

Köln, 8.4.2003, DW-radio / Bosnisch, Sasa Pazarac

Der 8. April wird als internationaler Tag der Roma begangen. Die Gemeinde der Roma in Bosnien und Herzegowina steht vor Problemen, dabei ihre Rechte durchzusetzen und Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeit zu bekommen, wie ein OSZE Bericht zur Lage der Roma zeigt. Die Roma sind die größte nicht verfassungsmäßig anerkannte ethnische Minderheit in Bosnien und Herzegowina. Untersuchungen verschiedener internationaler Organisationen zeigen, dass Roma oft diskriminiert werden und sie ihre grundlegendsten Menschenrechte nicht erhalten. Ein Beitrag von Sasa Pazarac:

Jeder internationale Feiertag wird üblicherweise mit Feierlichkeiten begangen, es werden Erfolge hervorgehoben und es gibt Grund zur Freude. Der heutige internationale Tag der Roma hat in Bosnien keinen Festcharakter. Nur wenige Medien erwähnen diesen Tag in kurzen Artikeln und leider stets durch das Prisma des schweren Lebens der Roma. Nach allen Angaben leben die Roma in Bosnien und Herzegowina mehrheitlich klar unter dem Existenzminimum. Die Lebensbedingungen sind oft so schlecht, dass es ein Wunder ist, dass sie überhaupt überleben. Zudem sind sie allen Formen der Diskriminierung ausgesetzt. Den dieser Teil der Bevölkerung ist unerwünscht und alle lokalen Regierungen möchten am liebsten, dass es in ihrem jeweiligen Gebiet keine Roma gibt.

Während des Krieges war die Mehrheit der Roma vertrieben worden oder geflohen. Ihre Rückkehr verläuft nur unter großen Problemen und unter schweren Bedingungen. Über Beschäftigung können sie nur träumen, denn nur ein Prozent der Roma hat Arbeit. Auf dem Gebiet des Kantons Tuzla leben zum Beispiel 15 000 Roma, von denen nur zehn Arbeit haben. In Bijelina haben vier Roma Arbeit, in Modrica einer und in Banja Luka nicht ein einziger.

Roma halten überleben auf vielfältige Weise: Sie sammeln Altmetall, sammeln Dinge in Müllcontainern, verkaufen Gerümpel und betteln. Kinder betteln in den Städten anstelle in die Schule zu gehen, und helfen so ihren Eltern.

Die kleine Majda ist sieben Jahre alt und jeden Tag auf den Straßen von Bijelina. Auch heute, obwohl es verschneit ist:

(Majda) "Was soll's, ich bettele, was soll's, ich bettele, um Brot zu kaufen um Kartoffeln zu kaufen, und um sie zum Essen zuzubereiten. Sieben Jahre alt bin ich."

Imsir Imsirovic mit seiner sechsköpfigen Familie verdient dadurch, dass er auf Straßen Besen und Taschen verkauft:

"Ich quäle mich, damit ich mit dem, was ich verkaufe, meine Kinder ernähren kann. Vier Kinder habe ich, aber sie gehen nicht in die Schule. Ich bin hier in Bijelina geboren."

Vor dem Krieg lebten in Bijelina etwa 6 500 Roma und jetzt sind es noch 2 500. Der Vorsitzende der Vereinigung der Roma, Pasaga Beganovic, sagt:

"Derzeit ist es in Bijelina schon viel besser als es war. Aber dennoch sind wir noch immer nicht so weit, dass wir die persönlichen Rechte genießen wie vor dem Krieg. Niemand hier in Bijelina wendet sich an uns als Vereinigung, um zu sehen was wir gemeinsam tun können für die Roma heute und morgen."

Um die Roma kümmern sich angeblich einige Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen. Aber deren Sorge beschränkt sich im wesentlichen auf die Anerkennung der schweren und unerträglichen Situation. Die Roma bleiben weiter in ihren Siedlungen in der Peripherie der Städte und in der Nähe der Müllhalden gettoisiert. Hoffnung in das Schicksal der Roma könnte ein jüngst verabschiedetes Gesetz zum Schutz der Minderheiten in Bosnien und Herzegowina geben, aber nur, wenn es nicht nur Makulatur bleibt. (TS)

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