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Politik

Alternative Nobelpreise in Stockholm verliehen

1. Dezember 2021

Für ihren Einsatz für Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz haben zwei Frauen, ein Mann und eine Aktivistengruppe den Alternativen Nobelpreis erhalten. Die Gewinner kommen aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien.

Right Livelihood Awards 2021 | Marthe Wandou
Marthe Wandou (links) bei der Preisverleihung in StockholmBild: Soren Andersson/TT/picture alliance

Zu der feierlichen Zeremonie, die im Fernsehen und auf Youtube übertragen wurde, reisten die Preisträgerinnen und Preisträger in die schwedische Hauptstadt Stockholm, um die diesjährigen Preise, die auch Right Livelihood Awards genannt werden, persönlich entgegenzunehmen. Sie alle teilten den Ansatz, "lokale Gemeinschaften erfolgreich zu stärken und zu mobilisieren", erklärte das Preiskomitee der Right-Livelihood-Stiftung. Sie belegten, "dass nachhaltige Veränderung möglich ist, wenn Gemeinschaften zusammenstehen", hieß es. Vor dem Hintergrund der Klimakrise, mächtiger Regierungs- und Unternehmensinteressen und sogar terroristischer Bedrohung bewiesen die Ausgezeichneten, dass Solidarität der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für alle sei.

Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun und die von ihr gegründete Organisation Aldepa erhielten die Auszeichnung für "die Schaffung eines Modells des gemeindebasierten Kinderschutzes angesichts terroristischer Übergriffe und geschlechtsspezifischer Gewalt in der Tschadsee-Region". Wandou wurde in Stockholm von der jesidischen Sacharow-Preisträgerin Lamia Hadschi Baschar vorgestellt, die von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) als Sexsklavin ausgebeutet worden war.

Stolze Preisträgerin: Marthe WandouBild: Soren Andersson/TT/picture alliance

Kampf gegen sexuelle Gewalt

Wandou engagiert sich in ihrer Heimat seit den 1990er Jahren im Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern - insbesondere Mädchen - und hilft Betroffenen. Durch das Einbeziehen von Eltern, Gemeindevorstehern und den Kindern selbst entstehe ein gemeinschaftlicher Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, von dem bereits mehr als 50.000 Mädchen profitiert hätten, erklärte die Right-Livelihood-Stiftung.

In der Tschadsee-Region leiden die Menschen seit Jahren unter Gewaltakten, Armut und den Folgen des Klimawandels. Die mit dem IS verbündete Terrororganisation Boko Haram verübt immer wieder Anschläge. Die Angst vor Überfällen oder Entführungen ist Menschenrechtsorganisationen zufolge besonders bei Frauen sehr groß. Viele leiden zudem unter häuslicher Gewalt oder werden bereits im Kindesalter verheiratet.

Widerstand gegen Kohleindustrie

Ein weiterer Preisträger ist der russische Klimaaktivist Wladimir Sliwjak, der "für seinen langjährigen Einsatz für den Umweltschutz" geehrt wurde. Die Laudatio auf ihn hielt die deutsche Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Sliwjak habe den zivilen Widerstand gegen die Kohle- und Atomindustrie in Russland gestärkt, teilte die Stiftung bei der Bekanntgabe der Preisträger im September mit.

Der russische Aktivist Wladimir Sliwjak freut sich über die Auszeichnung Bild: Soren Andersson/AFP

Auch die kanadische Aktivistin Freda Huson vom Volk der Wet'suwet'en erhielt einen Preis. Sie wurde geehrt für "ihren furchtlosen Einsatz in der Rückeroberung der Kultur ihres Volkes und die Verteidigung ihres Landes gegen verheerende Pipeline-Projekte" in der kanadischen Provinz British Columbia.

Die indische Aktivistengruppe Legal Initiative for Forest and Environment erhält den Award "für ihre innovative juristische Arbeit, mit der sie Gemeinden in Indien beim Schutz ihrer natürlichen Ressourcen und in ihrem Einsatz für eine ökologische Demokratie" unterstützt.

Preise bevorzugt für weniger bekannte Aktivisten

Der Alternative Nobelpreis würdigt den Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Umweltschutz. Dabei werden zumeist keine international bekannten Aktivisten oder Gruppen ausgezeichnet, sondern Menschen, die für den Klimaschutz, die Menschenrechte oder die Umwelt kämpfen, ohne dass die Aufmerksamkeit der Welt auf sie gerichtet ist.

Auszeichnungen für Zivilcourage

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Der Preis wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexküll, einem ehemaligen Mitglied des EU-Parlaments, ins Leben gerufen, Leiter der Stiftung ist mittlerweile sein Neffe Ole von Uexküll.

Die Preise sind mit jeweils einer Million schwedischen Kronen (rund 100.000 Euro) dotiert. Das Geld ist für die Unterstützung der Arbeit der Preisträger gedacht und nicht zur persönlichen Verwendung. Im Jahr 2021 waren 206 Menschen und Organisationen aus 89 Ländern für den Preis nominiert - so viele wie noch nie. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg.

kle/sti (afp, kna)