Zeit von Angelina Melnikowa in Deutscher Turnliga beendet
25. November 2025
Der russische Turnstar Angelina Melnikowa wird nicht wie geplant für den TSV Tittmoning-Chemnitz beim Finale um die Meisterschaft der Deutschen Turnliga (DTL) antreten, wie die Trainerin des Vereins gegenüber der DW erklärte.
Damit endet das umstrittene Engagement der russischen Ausnahmeturnerin und Putin-Getreuen in Deutschland vorzeitig.
Nähe zu Putins Politik kein Faktor
Melnikowa hatte Anfang des Monats in Chemnitz einen Vertrag für die letzten beiden Wettbewerbe der Bundesliga-Saison unterschrieben.
Schon ihr Debüt beim vorletzten Bundesliga-Wettkampf am 15. November sorgte für Kontroversen wegen ihrer Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und ihrer Unterstützung für den Krieg in der Ukraine.
Für den TSV Tittmoning-Chemnitz, Spitzenreiter in der DTL der Frauen, spielte Melnikowas Nähe zu Putins Politik offenbar keine Rolle.
"Wir wollen mit ihrer Verpflichtung kein politisches Statement setzen", sagte Trainerin Tatjana Bachmayer in einem Interview mit dem deutschen Rundfunksender SWR. "Es geht uns allein ums Sportliche", betonte sie.
Nach dem ersten Auftritt Melnikowas und der damit verbundenen Unruhe, gab sie in einem Fernsehinterview zu, "der Sache vielleicht blauäugig entgegengegangen" zu sein.
Mehr Unruhe als sportlicher Zugewinn
Die Idee, die aktuell weltbeste Turnerin ins Team zu holen, kam aus dem Mannschaftskreis. Karina Schönmaier, selbst Spitzenturnerin und Russisch sprechend, traf sich beim Weltcup im September in Paris gemeinsam mit ihrem Chemnitzer Trainer Anatol Ashurkov, der aus Belarus stammt, mit Melnikowa. Dort kam der Vorschlag auf, dass Melnikowa für Chemnitz in der Bundesliga starten könnte.
Nun sieht die Lage anders aus: Die Kontroverse um Melnikowa hat in Chemnitz offenbar für mehr Unruhe gesorgt, als es der sportlichen Leitung lieb ist. Auf die Nachfrage der DW am Montag, ob Melnikowa am Finale in Heidelberg am 29. November teilnehmen werde, sagte Bachmayer: "Nein, wird sie nicht."
Man werde sich nach den Finals ausführlicher äußern. Die Trainerin fügte hinzu, dass sie sich jetzt auf die Vorbereitung ihres Teams konzentrieren wolle. Die vergangenen zwei Wochen seien "sehr intensiv" gewesen. Nach Informationen der DW traf der Vorstand der TSG Tittmoning-Chemnitz die endgültige Entscheidung - vor allem, um die Trainerinnen des Vereins zu schützen.
Damit scheint auch klar, dass Melnikowa nicht mehr für den Verein bei Bundesliga-Wettbewerben antreten wird. Eine definitive Bestätigung, dass der Vertrag mit der 25-Jährigen gekündigt wurde, gab es von Vereinsseite aber zunächst nicht. Allerdings äußerte sich Melnikowa selbst auf ihrem Instagram-Account.
"Leider waren die öffentliche Aufmerksamkeit und die politischen Diskussionen viel größer als von den Organisatoren erwartet", schrieb die Turnerin. "Ich glaube und hoffe, dass sich die Situation bald verbessern wird und jeder Sportler ungehindert seinem Lieblingssport nachgehen kann."
Umstrittener Status als "neutrale Athletin"
Die Internationale Turnföderation, Fédération Internationale de Gymnastique (FIG), hatte Melnikowa im März den Status einer "neutralen Atheltin" zuerkannt, wodurch sie international starten durfte, obwohl die Regeln der Organisation eine "aktive Unterstützung des militärischen Konflikts in der Ukraine" verbieten.
Darin liegt auch der Grund für die Kontroverse, denn Melnikowa wurde mehrfach mit dem russischen Militärsymbol "Z" fotografiert, das in den Regeln ausdrücklich erwähnt wird.
Die russische Turnerin selbst verweigerte vor ihrem Wettkampf jede Beteiligung an der Diskussion über ihren neutralen Status und antwortete in einem Interview mit dem SWR lediglich mit: "Kein Kommentar!"
Seit 2023 erlaubt die Internationale Turnföderation russischen und belarussischen Turnerinnen und Turnern, als "neutrale Athleten" anzutreten. Drei solcher Sportler nahmen am Trampolinwettbewerb der Olympischen Spiele 2024 in Paris teil.
Die FIG will ihre Entscheidung zu Melnikowa nicht erläutern und erklärte, man kommentiere keine Einzelfälle. Die DTL, die die Bundesliga organisiert, sagte, sie halte sich an die Regeln der FIG.
Längere Sperre, glanzvolles Comeback
Melnikowa war nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine fast zwei Jahre international gesperrt. Die FIG schloss russische und belarussische Athleten im Frühjahr 2022 von allen Wettbewerben aus.
Durch die Sperre verpasste sie die Weltmeisterschaften 2022 in Liverpool und 2023 in Antwerpen sowie die Europameisterschaften 2022 in München und 2023 in Antalya. Bei den Olympischen Spielen in Paris war sie ebenfalls nicht dabei.
Schon kurz nach ihrer Einordnung als "neutrale Athletin" feierte Melnikowa ein triumphales Comeback auf internationaler Bühne: Bei den Weltmeisterschaften im Oktober in Jakarta gewann sie zwei Goldmedaillen, darunter den Mehrkampftitel, sowie eine Silbermedaille.
Dieser Erfolg blieb selbst Putin nicht verborgen - er gratulierte ihr zu einer "glanzvollen Leistung".
Der Artikel wurde teilweise aus dem englischen Artikel "German club cuts ties with Russian gymnast linked to Putin" adaptiert.