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PolitikIran

Angriff auf Israel: Zeigt der Iran seine Muskeln?

15. April 2024

Fast alle vom Iran auf Israel abgefeuerten Drohnen und Raketen wurden abgefangen. Doch Teheran spricht von einem Erfolg.

Ein von der Armee des Iran herausgegebenes Bild zeigt im Iran hergestellte unbemannte Luftfahrzeuge (UAV), die während einer Zeremonie in Teheran präsentiert werden.
Drohnen aus iranischer Produktion sind in der Kampfeinheiten der Armee in verschiedenen Teilen des Landes integriertBild: Iranische Armee/Zuma Press/dpa/picture alliance

Drohnen aus heimischer Produktion spielten eine wichtige Rolle bei dem iranischen Angriff auf Israel vom Sonntag. Mit einer Reichweite bis 2.000 Kilometern sollten sie Hunderte Ziele in Israel zerstören. "Der Angriff war ein ernst gemeinter Versuch gewesen, israelische Verteidigungssysteme zu zerstören", bewertet der Militärexperten Fabian Hinz im Gespräch mit der Deutsche Welle den massiven Angriff. Hinz ist Experte für Drohnen- und Raketensysteme beim britischen Thinktank "International Institute for Strategic Studies" (IISS).

Für Hinz war der Angriff nicht nur symbolisch. "Der Iran wollte seine Ziele treffen und zerstören. Es hat aber nicht besonders gut funktioniert. Die Abfangrate durch israelische und amerikanische Abwehrsysteme war außerordentlich hoch."

Nach Angaben der israelischen Armee hatte der Iran in der Nacht auf Sonntag rund 300 Drohnen und Raketen auf Israel abgefeuert. Israel und seinen Verbündeten sei es gelungen, 99 Prozent aller von Iran abgeschossenen Drohnen und Raketen abzuwehren, meldete das israelische Militär am Sonntag in den frühen Morgenstunden. 

"Macht demonstrieren, nicht Macht ausüben"

Der Iran wiederum behauptet, eine erfolgreiche Vergeltungsoperation gegen Israel durchgeführt zu haben. Mit den Vergeltungsangriffen auf Israel wolle der Iran Macht demonstrieren, nicht Macht ausüben, so der Tenor der Experten in den staatlichen iranischen Medien. Der Iran habe gezeigt, dass er, wenn er seine militärische Macht einsetzen wolle, in der Lage sei, die israelischen Verteidigungssysteme zu überwinden, ohne seine Verbündeten in der Region zu mobilisieren.

Das ist aber offensichtlich nicht gelungen. Der Iran hatte seine Nachbarstaaten sowie die USA vorab über seine Angriffspläne informiert. Die in den Augen von Fabian Hinz schief gelaufene Operation stelle für den Iran ein großes Problem dar, betont der Waffenexperte: "Die Abschreckungskraft des Irans hängt genau von diesen Systemen [mit denen er jetzt Israel angegriffen hat, Anm. d. R.] ab, um genau solche Angriffe zu starten."

Die Drohnen, mit denen der Iran angegriffen hat, waren nach Angaben der Agentur Tasnim News, die den iranischen  Revolutionsgarden nahesteht, vom Typ "Shahed-136", die auch Kamikaze-Drohnen genannt werden. Sie sind leicht, klein, günstig und für Radargeräte kaum erkennbar. Sie können einen einfachen Sprengkopf von etwa 50 Kilogramm tragen und mit ihrer Reichweite auch Israel erreichen.

Iran baute schon länger eigene Drohnen

Trotz westlicher Sanktionen hat der Iran in den letzten 30 Jahren sein Drohnen-Programm weiterentwickelt. Heute verfügt Teheran über ein großes Arsenal an Drohnen. Der Iran sei sehr früh in diese Technologie eingestiegen und produziere bereits seit den 1980er Jahren Drohnen, erklärt der Drohnenforscher Holland Michel im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Michel arbeitet als Experte für Drohnen und andere neue Sicherheitstechnologien beim Carnegie Council for Ethics in International Affairs in New York. "Drohnen benötigen im Vergleich zu Raketen nicht unbedingt hochentwickelte Komponenten. Die für die Drohnen benötigte Technologie unterliegt keinen Sanktionen oder Handelsbeschränkungen. Zum Beispiel kann man einfache Propeller verwenden, wie man sie auch bei Hobby-Modellflugzeuge einbauen würde."

Aufgrund des technologischen Fortschritts hat die Bedrohung durch iranische Drohnen in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Der Iran produziere nun präzisere Drohnen in großen Mengen, sagt Michel und fügt hinzu: "Mit jedem Angriff, insbesondere auf die US-Streitkräfte oder in diesem Fall auf Israel, liefert der Iran den Verteidigern Informationen darüber, wie sie dieser Bedrohung besser begegnen können. Ich denke, wenn wir vor fünf Jahren einen Angriff dieses Ausmaßes gesehen hätten, hätten wir nicht so viele Abschüsse erlebt wie letzte Nacht, mit einer Abfangquote von 99 Prozent. Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel."

Trotz der erfolgreichen Abwehr gegen den iranischen Angriff müsse sich Israel auf eine "riesige Bandbreite an Szenarien" einstellen, wenn es über seine Reaktion auf den beispiellosen direkten Angriff des Iran am Samstagabend entscheidet, sagte Oberstleutnant Peter Lerner, Sprecher der israelischen Verteidigungskräfte (IDF), am Sonntag gegenüber der DW.

Gefahr aus der Luft

Für Luftangriffe setzt der Iran auf ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen.  Nach Angaben der US-amerikanischen NGO Arms Control Association (ACA) besitzt der Iran mit Shahab-2 und Shahab-3 Waffen, die mehr als 2.000 Kilometer weit fliegen und damit auch Israel erreichen können.

Fabian Hinz erklärt: "Die Iraner haben Raketen mit sehr großer Reichweite und mit sehr guter Präzision. Das haben nicht viele Länder auf der Welt." Der Militär-Experte ergänzt: "Gleichzeitig haben sie natürlich das Problem, dass ihre militärischen Gegner, die USA und Israel, was Militärtechnologie angeht, zur absoluten Weltspitze gehören."

Hinz glaubt, dass die USA und Israel in Folge des iranischen Angriffs neue Erkenntnisse über Teherans Waffenarsenal gesammelt haben könnten. "Sie können eine Fülle von Daten sammeln, was die Iraner nicht mehr können, sobald sie ihre Raketen abgeschossen haben".

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