Nordische Länder weisen Trumps Anspruch auf Grönland zurück
5. Januar 2026
Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben einen erneut von US-Präsident Donald Trump geäußerten Gebietsanspruch auf Grönland deutlich zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, es ergäbe absolut keinen Sinn, darüber zu sprechen, dass die USA Grönland übernehmen müssten. "Die USA haben kein Recht, eines der drei Länder des dänischen Königreichs zu annektieren", teilte Frederiksen in einer per E-Mail versandten Erklärung mit.
Dänemark besteht aus dem Gebiet an Nord- und Ostsee sowie den autonom verwalteten Atlantik-Inseln Grönland und Färöer. "Ich fordere die USA daher dringend auf, die Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk einzustellen, die sehr deutlich gesagt haben, dass sie nicht zum Verkauf stehen", erklärte die dänische Ministerpräsidentin weiter.
Trump: "Grönland von strategischer Bedeutung"
Trump hatte in einem Telefoninterview mit dem Magazin "The Atlantic" deutlich gemacht, dass nach der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch die USA auch andere Länder Ziel einer US-Intervention werden könnten. "Wir brauchen Grönland, absolut. Wir brauchen es zur Verteidigung", sagte Trump in der Air Force One auf dem Flug von Florida nach Washington D.C.
Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, sie sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. "Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen", sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland "haben" sollten, behauptete Trump. "Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern", sagte Trump und fügte hinzu: "Lassen sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen."
Dann machte sich Trump noch ausdrücklich über den NATO-Partner Dänemark lustig: "Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung." Trump hatte schon öfter damit gedroht, Grönland den USA einzuverleiben. Auch militärische Mittel schloss er nicht aus.
Skandinavische Staaten stärken Dänemark den Rücken
Die Regierungschefs von Schweden und Norwegen sowie Finnlands Präsident stellten sich öffentlich hinter Frederiksens Erklärung. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Store schrieb auf der Plattform X: "Grönland ist ein integraler Teil des Königreichs Dänemark. Norwegen steht in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemarks." Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson teilte mit: "Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über Angelegenheiten, die Dänemark und Grönland betreffen, zu entscheiden." Er fügte hinzu: "Schweden steht voll und ganz hinter seinem Nachbarland."
Finnlands Präsident Alexander Stubb, dem ein besonderer Draht zum US-Präsidenten nachgesagt wird, schrieb: "Niemand entscheidet für Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark selbst."
Auch Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hat die bekundeten Ansprüche auf die Insel mit scharfen Worten zurückgewiesen. "Das reicht jetzt", erklärte Nielsen in der Nacht zum Montag im Onlinedienst Facebook. "Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien. Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen", schrieb der grönländische Regierungschef. Dies müsse aber "über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen", betonte er.
Auch die EU hat auf den Grundsatz der territorialen Integrität verwiesen. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte in Brüssel, man erwarte von allen Partnern, die Souveränität anderer Länder zu respektieren. Die EU werde diese universellen Grundsätze verteidigen. Die Bundesregierung erklärte in Berlin, Grenzen dürften nicht mit Gewalt verschoben werden. Es gelte das Völkerrecht.
Umstrittener Beitrag nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela
Dänemark, seine skandinavischen Nachbarländer und die USA sind allesamt NATO-Bündnispartner. Die jüngsten diplomatischen Verstimmungen schienen nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela zunächst von einem Social-Media-Beitrag ausgelöst worden zu sein. In einem Post auf X von Ex-Regierungsberaterin und Influencerin Katie Miller war eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge zu sehen. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben ein einziges Wort: "BALD". Katie Miller hat über ihren Mann, Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, noch immer enge Beziehungen ins Weiße Haus.
Grönland weckt wegen Bodenschätzen Begehrlichkeiten
Die strategische Lage der arktischen Insel Grönland mit ihren 57.000 Einwohnern macht sie zu einem wichtigen Standort für das US-Raketenabwehrsystem. Zudem weckt ihr Reichtum an Bodenschätzen Begehrlichkeiten, da die USA ihre Abhängigkeit von chinesischen Exporten verringern wollen.
Grönland war einst dänische Kolonie, ist stark von dänischen Subventionen abhängig und hat seit 2009 das verbriefte Recht, seine Unabhängigkeit zu erklären. Die Regierung in Kopenhagen hat sich zuletzt bemüht, die angespannten Beziehungen zu Grönland zu verbessern und zugleich durch Investitionen in die arktische Verteidigung die Spannungen mit der Trump-Regierung abzubauen.
as/pgr (dpa, rtr,afp)
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