Anti-Drogen-Kampf belastet EU-Lateinamerika-Gipfel
9. November 2025
In der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta beraten Spitzenvertreter aus Europa und Lateinamerika über eine gemeinsame Zukunftsagenda. Es ist der vierte Gipfel der Staats- und Regierungschefs aus der Europäischen Union (EU) und der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) - und diesmal ist er von geopolitischen Spannungen überschattet.
CELAC und EU repräsentieren mehr als eine Milliarde Menschen
Die Leitung hat Kolumbiens Präsident Gustavo Petro inne, derzeit Vorsitzender der CELAC. Sie und die EU repräsentieren mit mehr als einer Milliarde Menschen zusammen 14 Prozent der Weltbevölkerung und 21 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.
Am Ende der Beratungen ist die Verabschiedung eines konkreten Aktionsplans zur Stärkung der bi-regionalen Zusammenarbeit vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen die sogenannte dreifache Transformation - die Energie-, Digital- und Umweltwende - sowie Themen wie nachhaltiger Handel, Migrationspolitik und regionale Sicherheit. Auch Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung der pharmazeutischen Eigenproduktion in Lateinamerika gehören zur Agenda.
Ein Gipfel mit ausgedünnter Teilnehmerliste
Deutschland wird von Außenminister Johann Wadephul (CDU) vertreten, die EU von ihrer Außenbeauftragten Kaja Kallas. Allerdings bleiben dem Treffen an der Karibikküste zahlreiche Staats- und Regierungschefs fern. So reisten weder EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch die Präsidenten von Mexiko, Argentinien und Chile nach Santa Marta.
"Kräfte, die dem Frieden in Amerika entgegenstehen, wollen, dass der CELAC-Europa-Gipfel scheitert", schrieb Präsident Petro auf der Nachrichtenplattform X. Der Gastgeber möchte bei dem Treffen vor allem über die jüngsten Einsätze des US-Militärs gegen mutmaßliche Drogenboote in der Karibik sprechen. Viele der nicht angereisten Staats- und Regierungschefs wollten sich in dieser heiklen Frage nicht positionieren, wurde in lateinamerikanischen Medien spekuliert.
Die US-Streitkräfte hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Schnellboote mutmaßlicher Drogenhändler in der Karibik versenkt. Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem verhängte Washington Sanktionen gegen Präsident Petro, dem es mangelnde Entschlossenheit im Kampf gegen die Drogenkartelle vorwirft.
Petros wichtiges außenpolitisches Projekt
Der Gipfel wird von Foren der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft begleitet, an denen Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, indigenen Gruppen und kleinen Unternehmen teilnehmen. Das Treffen gilt als wichtiges außenpolitisches Projekt der Regierung Petro und als Versuch, Lateinamerika als eigenständigen politischen Akteur im sich wandelnden globalen Machtgefüge zu positionieren - mit Kolumbien und Brasilien als Sprachrohre.
pg/wa (dpa, afp, epd)
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