ARD-Deutschlandtrend: 82 Prozent sehen die Gen Z benachteiligt
5. November 2026
Weltweit gehen junge Menschen auf die Straße, weil sie mit ihrem Leben und ihren Zukunftsaussichten unzufrieden sind. Es begann in Nepal, Madagaskar und Marokko, die Jugend in Frankreich und Albanien folgte. Ende Oktober fanden nun auch in Deutschland erstmals bundesweit Protestzüge statt. In mehr als 30 Städten gingen weitgehend friedlich mehrere zehntausend junge Menschen der sogenannten "Gen Z", also der Generation Z, auf die Straße. Sie sind jetzt ungefähr zwischen 14 und 29 Jahre alt.
Ihre Anliegen unterscheiden sich in Deutschland etwas von denen in anderen Ländern. Hier will die Gen Z auf die Situation im Schul- und Bildungssystem, hohe Lebenshaltungskosten und steigende Mieten aufmerksam machen und gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht protestieren. Laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend stößt das bei knapp drei von vier Bundesbürgern auf Verständnis. Allerdings mit Einschränkungen.
Die Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen gilt mehrheitlich als gerechtfertigt, um politische Standpunkte zum Ausdruck zu bringen. Die Anwendung von Gewalt gegen Sachen oder Personen bei Demonstrationen wird dagegen nahezu einhellig abgelehnt, auch von den unter 35-Jährigen (93 Prozent). Bei Straßen- und Verkehrsblockaden sowie der Besetzung öffentlicher Einrichtungen, zu denen es in Frankreich gekommen ist, fällt das Urteil weniger eindeutig aus. Von den Bundesbürgern insgesamt werden sie mehrheitlich abgelehnt. Bei den jüngeren Wahlberechtigten hingegen halten sich Zustimmung und Ablehnung jeweils eher die Waage.
1297 wahlberechtigte Deutsche hat das Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap zwischen dem 2. und 4. November für den ARD-Deutschlandtrend befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.
Werden junge Menschen benachteiligt? Eine Mehrheit sieht das so
82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Anliegen von jungen Menschen in Deutschland von der Politik weniger gut oder sogar schlecht berücksichtigt werden. Schaut man zusätzlich auf die Parteipräferenzen, dann ergeben sich sichtbare Unterschiede: 30 Prozent der Wähler der konservativen Parteien CDU/CSU sind der Meinung, dass die Anliegen junger Menschen gut oder sehr gut berücksichtigt werden. Bei den Anhängern der Linkspartei sagen das nur vier Prozent.
Blickt man zusätzlich auf das Alter, dann ist von den unter 35-Jährigen weniger als jeder Zehnte zufrieden damit, wie die Politik sich der Probleme junger Menschen annimmt.
Allerdings trauen Jüngere den Regierungsparteien Union und Sozialdemokraten auch gar nicht zu, dass sie ihre Probleme lösen könnten. Von den unter 35-Jährigen halten nur fünf Prozent die Union und drei Prozent die SPD für kompetent. Die Linkspartei kommt auf 29 Prozent, die Alternative für Deutschland (AfD) auf 21 Prozent.
Union und SPD: Wenig Kompetenz bei Mieten, Bildung und Klima
Auch in den Politikfeldern, die für jüngere Menschen wichtig sind, schneiden die Regierungsparteien im Urteil der unter 35-Jährigen schlecht ab. In der Umwelt- und Klimapolitik halten neun Prozent die Union für kompetent, die SPD kommt sogar nur auf zwei Prozent. Beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit kommt die Union auf vier, die SPD auf 17 Prozent. Etwas gegen steigende Mieten zu unternehmen, das trauen sieben Prozent der Union zu, elf Prozent der SPD. Bei der Schul- und Bildungspolitik sind es für die Union zehn und für die SPD zwölf Prozent.
Mehrheitlich vertreten die Bundesbürger die Auffassung, die heutige junge Generation habe es schwerer als frühere Generationen, Wohlstand aufzubauen.
Wehrdienst spaltet die Generation Z
Mit zu den Protestthemen der Gen Z gehören die seit Jahresbeginn geltenden Regelungen zum freiwilligen Wehrdienst. Alle jungen Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 werden wieder gemustert und verpflichtet, einen Fragebogen zur Motivation und Eignung auszufüllen. Jeder kann aktuell entscheiden, ob er freiwillig Wehrdienst leistet oder nicht.
Insgesamt bewerten knapp zwei Drittel der Bundesbürger die neu eingeführten Regelungen als richtig. Differenziert man die Antworten nach dem Alter der Befragten, dann ergeben sich allerdings Unterschiede. Je jünger die Befragten sind, um so ablehnender stehen sie der Wiedereinführung der Wehrpflicht gegenüber. In der Gruppe der über 64-Jährigen finden 72 Prozent die Regelung richtig. Bei den unter 35-Jährigen sind es nur 48 Prozent.
Bundesregierung bleibt unpopulär, AfD stärkste Kraft
Kaum Veränderung gibt es im aktuellen ARD-Deutschlandtrend in der bundespolitischen Stimmung. Nur elf Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. Die Leistungen von Bundeskanzler Friedrich Merz werden von zwölf Prozent der Befragten positiv bewertet. Würde der Bundestag jetzt neu gewählt, hätten CDU/CSU und SPD zusammen keine Mehrheit mehr.
Die Union käme auf 20 Prozent, das sind mehr als acht Prozent weniger als bei der Bundestagswahl 2025. Die SPD kommt aktuell auf 13 Prozent, das sind gut drei Prozent weniger.
Stärkste Partei wäre die in Teilen rechtsextreme AfD, die bei 27 Prozent liegt, während Grüne und Linke auf 16 beziehungsweise elf Prozent kämen. Alle anderen Parteien würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, also nicht in den Bundestag einziehen. Darunter die FDP und das BSW mit jeweils drei Prozent.