Im Sängerolymp
12. November 2009
Seine Stimme war nicht allein ausschlaggebend für seine Karriere, sondern auch seine Hartnäckigkeit. Quasthoff wurde mit einer Conterganschädigung geboren, der Einstieg in die Laufbahn eines Berufssängers war besonders schwer für ihn.
Talent und Durchsetzungswille
Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne, die Jahre im Knabenchor mitgerechnet, die Anerkennung als Sänger hat er sich hart erkämpft. Ohne Arme geboren, hätte er an der Musikhochschule neben Gesang kein Instrument studieren können. Das aber schrieb die Studienordnung vor, eine akademische Ausbildung blieb ihm verwehrt. Heute ist er selbst Professor, zunächst von 1996 bis 2004 an der Musikhochschule Detmold, seitdem an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.
Der Duchbruch
Mit 29 Jahren gewann er den ARD-Wettbewerb. Von Runde zu Runde beeindruckte er die Jury und vor allem das Publikum mehr. Als Wettbewerbsgewinner wurde er zum gefragten Solisten. "Ich hätte in dem Jahr danach 200 Konzerte singen können, so viele Angebote hatte ich", erinnert er sich.
Thomas Quasthoff eroberte die musikalische Welt. 1998 gab er sein Debüt in der Carnegie Hall in New York, mit Mahlers "Des Knaben Wunderhorn". Seitdem trat er in fast allen großen Konzerthäusern der Welt auf.
Erfüllung in der Musik
Musikalische Erfüllungen hat er in seiner Karriere viele erlebt, er nennt die Matthäuspassion, ein Werk, das mit dem Sänger wachse, wie eine Kathedrale, die und jedem Betreten noch größer und prächtiger erscheine. Das Miteinander aller Beteiligten spiele dabei eine Rolle. "Ich habe das mit Claudio Abbado mal erlebt. Da haben wir Faustszenen von Schumann gemacht, und ich hatte eine ziemlich schwere Arie zu singen. Ich war mit dieser Arie fertig und stand so etwas hinter dem Orchester und fast das gesamte Orchester drehte sich um, als diese Arie fertig war und nickte mir anerkennend zu. Das sind Momente des völligen musikalischen Glücks."
Dieses Glück überträgt sich auf Thomas Quasthoffs Publikum. Er weiß seinem Gesang tausend emotionale Farben zu geben.Wer zuhört, erlebt und fühlt mit, wovon er singt. Für den Liedgesang setzt sich Thomas Quasthoff besonders ein. Im vergangenen Jahr hat er den Nachwuchswettbewerb "Das Lied" gegründet, der hoch dotierte Stipendien und Auftrittsmöglichkeiten für junge Sänger vergibt.
Im Sängerolymp
Eine Menge Auszeichnungen hat Thomas Quasthoff bekommen. Zuletzt den Herbert-von-Karajan-Gedächtnispreis, und zum 1. Dezember 2009 den Titel Kammersänger, in Wien. Auf die Frage, ob dies der Eintritt in den Sängerolymp sei, muss Thomas Quasthoff lachen. Olymp, das sind für ihn Orte wie die Carnegie Hall, die Berliner Philharmonie, das Konservatorium in Moskau oder das Teatro de Colón in Buenos Aires, die Mailänder Scala. Auch der Musikverein in Wien, wo die Ernennung stattfindet. "Orte mit einem gewachsenen kunst- und musiksinnigen Publikum, das ist Olymp."
Wie es sein wird aufzuhören, darüber denkt er jetzt, kurz nach seinem 50. Geburtstag, oft nach. Kein leises Ausfaden werde es sein, er werde auch keine 25 Abschiedstourneen geben, lacht er. "Eines Tages ist es soweit. Dann werde ich meine Frau in den Arm nehmen und meine Agentin anrufen und sagen: Sag alles ab, was im Kalender steht." Noch ist es aber nicht soweit. Dafür hat Thomas Quasthoff noch zu viel zu sagen.
Autorin: Julia Kaiser
Redaktion: Gudrun Stegen