Armut in Serbien
19. Dezember 2002Belgrad, 18.12.2002, BETA, serb.
In Serbien leben ungefähr 800 000 Menschen oder zehn Prozent unterhalb der Armutsgrenze und 20 Prozent etwas darüber, so die heute veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung der Regierung dieser Republik. Die Armutsgrenze ist aufgrund des Warenkorbes bestimmt worden, der auf 4 890 Dinar geschätzt wurde. Der durchschnittliche Verbrauch der Armen in Serbien beträgt 3 539 Dinar monatlich. Das heißt, der armen Bevölkerung fehlen 950 Dinar für ihre Grundbedürfnisse.
Die Untersuchung zeigte, dass die zehn Prozent der Reichen siebenmal soviel verbrauchen wie die arme Bevölkerung. Der Grad des Ungleichgewichts (zwischen Arm und Reich) ist jedoch ähnlich wie in anderen Nachbarländern, so wie in Bulgarien und Kroatien. Der durchschnittliche Verbrauch beträgt in Serbien ungefähr 1 600 Dollar pro Kopf, was um die Hälfte weniger ist als in Kroatien.
Zu den Gruppen, die der Armut am meisten ausgesetzt sind, gehören ungelernte Kräfte und Arbeitslose, Personen über 65 Jahre und Kinder von sieben bis 14 Jahren. Dies erklärten Vertreter des Expertenteams der serbischen Regierung auf der Konferenz "Das Profil der Armut in Serbien" im Belgrader Hotel "Jugoslavija". Stärker von der Armut betroffen ist ferner die Bevölkerung in ländlichen Gebieten, Menschen, die in Haushalten mit fünf und mehr Personen leben und diejenigen, die ihre Einkünfte lediglich aus der Schattenwirtschaft beziehen. Der im Mai und Juni diesen Jahres durchgeführten Umfrage zufolge sind Südost- und Westserbien am meisten betroffen, was sich auch im niedrigen Lebensstandard widerspiegelt.
Bei der Eröffnung der Konferenz sagte Serbiens Premier Zoran Djindjic, die Ergebnisse der Analyse steltlen "das Arbeitsmaterial" für die Ausarbeitung einer endgültigen Strategie zur Armutsbekämpfung dar. Diese solle dann in den kommenden Jahren in Serbien angewandt werden. Ihm zufolge definiert die serbische Regierung Armut nicht als "humanitäres Problem, sondern als Problem des Gesellschaftskonzepts". Sie habe ferner festgestellt, "dass Chancengleichheit in der Gesellschaft lediglich eingeführt werden und gelingen kann, wenn auch die Armen versorgt werden". (...)
Die Ministerin für Sozialwesen Gordana Matkovic sagte, die neuen Angaben und Zahlen zur Armut könnten schwer mit vorigen Analysen, die die ehemalige Regierung ausgearbeitet habe, verglichen werden. Denn der Unterschied liege in der Art der Befragung und in den erzielten Ergebnissen. Der Umfrage lägen 6 500 repräsentativ ausgewählte Haushalte in Serbien zugrunde. Die Zahl sei dreimal höher als bei den vorhergehenden Umfragen, so Frau Matkovic. Die Umfrage habe das Ministerium für Sozialwesen initiiert, um brauchbare Angaben für die Umsetzung einer Strategie zur Armutsbekämpfung zu erhalten. Und nicht zuletzt, damit die Sozialpolitik insgesamt besser an die gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden könne. (...)
Den auf dieser Konferenz mitgeteilten Umfrageergebnissen zufolge sind hoch qualifizierte Kräfte und die beschäftigte Bevölkerung sowie die Einwohner der Vojvodina und von Belgrad am wenigsten von der Armut betroffen. Mitte 2003 soll mit der Umsetzung der Strategie zur Armutsbekämpfung begonnen werden, hieß es zuvor. Die Umfrage über die Armut in Serbien wurde von der Weltbank finanziert und vom Meinungsforschungsinstitut "Strategic Marketing" durchgeführt. (md)