Nach Mondumrundung: Artemis-2-Crew tritt Rückflug an
7. April 2026
Mondkrater, eine Sonnenfinsternis und eine Kommunikationsunterbrechung: Die Crew der Artemis-2-Mission der US-Weltraumorganisation NASA hat ihre aufregende Umrundung des Mondes abgeschlossen. Nun steht der Rückflug zur Erde an.
Zuvor hatten die vier Astronauten Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover den Tag an Bord damit verbracht, Details der Struktur der Mondoberfläche zu beobachten. Sie beschrieben außerdem Lichtblitze, ausgelöst durch Meteoriteneinschläge. Später erlebte das Team eine Sonnenfinsternis, als der Mond vor der Sonne vorbeizog.
Staunen im All und Begeisterung auf der Erde
"Das ist nach wie vor völlig irreal", kommentierte Crewmitglied Glover das Erlebte. "Es ist wirklich schwer zu beschreiben", sagte er. "Es ist überwältigend." Astronaut Wiseman bat das Kontrollzentrum um "20 neue Superlative", um die beobachteten Phänomene in Worte fassen zu können.
Auch im NASA-Kontrollzentrum auf der Erde war man begeistert: "Ich kann gar nicht genug betonen, wie viel wissenschaftliche Erkenntnisse wir bereits erlangt haben", funkte die leitende Wissenschaftlerin der Mondmission, Kelsey Young, von der Bodenstation zur Orion-Kapsel mit den vier Astronauten an Bord.
Sie pries die Beobachtungen der Astronauten. "Sie haben uns den Mond heute wirklich nähergebracht, und wir können Ihnen gar nicht genug danken."
40 Minuten Funkstille
Auf ihrem Weg um den Erdtrabanten waren die Raumfahrer 40 Minuten lang auf sich gestellt. Auf der erdabgewandten Seite gab es keinen Kontakt mehr zur Bodenstation. Eine fest eingeplante Unterbrechung, denn dorthin dringt kein Funksignal.
"Ich habe ein kleines Gebet gesprochen, aber dann musste ich weitermachen", kommentierte Astronaut Glover den besonderen Moment. Eine gewisse Erleichterung war auch aus den Worten von seiner Kollegin Koch zu hören, als die Kapsel den Funkschatten wieder verlassen hatte: "Wir werden uns immer für die Erde entscheiden, wir werden uns immer füreinander entscheiden", sagte Koch nach der Wiederherstellung der Verbindung.
Nur Stunden zuvor hatten die vier Astronauten der Mondmission einen Rekord aufgestellt: Sie entfernten sich so weit von der Erde wie noch nie ein Mensch zuvor. Den bisherigen Rekord von 400.171 Kilometern Entfernung zur Erde hatte die Apollo-13-Mission im Jahr 1970 aufgestellt. Die Artemis-2-Crew entfernte sich bei ihrer Mondfahrt 406.778 Kilometer von der Erde.
Ein Krater heißt nun Carroll
Einen emotionalen Moment gab es im Laufe der Reise ins All ebenfalls: Die vier Astronauten benannten einen Mondkrater nach Carroll Taylor Wiseman, der verstorbenen Ehefrau des Crew-Chefs. "Es ist ein heller Punkt auf dem Mond", sagte der kanadische Astronaut Hansen mit brechender Stimme bei der live aus dem Mondorbit übertragenen Krater-Taufe. "Und wir würden ihn gerne Carroll nennen." Zu bestimmten Zeitpunkten des Mondtransits sei der Krater von der Erde aus zu sehen.
Kommandeur Wiseman kamen die Tränen wie auch seinen Mitreisenden. Alle vier Astronauten umarmten sich, während im Kontrollzentrum in Houston eine Schweigeminute abgehalten wurde. Carroll Taylor Wiseman war 2020 an Krebs gestorben. Ihr Mann Reid Wiseman, ein ehemaliger Marine- und Testpilot, zieht die beiden Töchter seitdem alleine groß.
Noch vier Tage bis zur Erde
Nun hat die Orion-Kapsel ihren etwa viertägigen Rückflug zur Erde angetreten. Er erfolgt über eine sogenannte freie Rückkehrbahn. Dabei wird das Raumschiff in einer großen Acht allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht.
Die vier Astronauten waren am Mittwoch (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im Bundesstaat Florida im Süden der USA zu ihrer historischen Reise gestartet. Artemis 2 ist die erste bemannte Mission in Richtung Mond seit mehr als 50 Jahren. Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mondmission, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier.
Eine erneute Mondlandung strebt die NASA erst für das Jahr 2028 an. Zuletzt waren US-Astronauten 1972 mit Apollo 17 auf dem Mond gelandet. Danach wurde das kostspielige Programm eingestellt. Konkurrent China plant für 2030 eine Mondlandung.
AR/se (afp, dpa, rtr)