Die Belarussin holt in einem engen Match gegen Jelena Rybakina den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Sabalenka ist die erste Spielerin, die eines der vier Major-Turniere unter neutraler Flagge gewinnt.
Ein Küsschen für den Pokal - Aryna Sabalenka freut sich über ihren ersten Grand-Slam-TitelBild: Loren Elliott/REUTERS
Anzeige
"Als Erstes will ich mich für mein Englisch entschuldigen, ich zittere immer noch und bin super nervös", sagte Aryna Sabalenka, als sie nach dem gewonnenen Finale der Australian Open in Melbourne den Silberpokal wie ein Baby in ihrem Arm hielt. Die Tennisspielerin aus Belarus hatte soeben ihren ersten Turniersieg bei einem Grand-Slam-Turnier errungen. Mit 4:6, 6:3 und 6:4 setzte sich sich in einem hochklassigen Finale gegen Wimbledon-Gewinnerin Jelena Rybakina aus Kasachstan durch. Überglücklich nahm die 24-Jährige anschließend den schlanken Daphne Akhurst Memorial Cup aus den Händen von Tennis-Ikone Billie Jean King entgegen.
Anzeige
Aryna Sabalenka: erste Siegerin unter neutraler Flagge
Nachdem Sabalenka nach 2:28 Stunden ihren vierten Matchball verwandelt hatte, war es aus ihr herausgebrochen: Sie sackte auf den Hartplatz der Rod Laver Arena zusammen, sie schluchzte, weinte und lachte gleichzeitig. Dass die Belarussin den bislang größten Erfolg ihrer Karriere unter neutraler Flagge feiern musste - als erste Grand-Slam-Turniersiegerin in der Tennisgeschichte überhaupt - machte ihr im Moment des Triumphs scheinbar nichts aus. Sabalenka fühlte sich vom Publikum auch als neutrale Athletin vom Publikum hervorragend unterstützt. Wegen des russischen Angriffskrieges dürfen Russen und Belarussen in Melbourne nicht unter ihrer Landesflagge antreten. "Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr noch stärker zurückkommen und noch besseres Tennis spielen kann, damit ihr mich sogar noch mehr unterstützt", sagte sie an das begeisterungsfähige Publikum in Melbourne gewandt.
Die früher oft nervenschwache Athletin war in ihrem ersten Grand-Slam-Finale fokussiert geblieben - auch nach dem verlorenen ersten Satz mit einer längst überwunden geglaubten Aufschlagschwäche. Sabalenka kämpfte sich mit druckvollen Grundlinienschlägen zurück und sorgte im dritten Satz mit dem Break zum 4:3 für die Vorentscheidung. Neben dem ersten großen Titel und dem Preisgeld von umgerechnet rund 1,95 Millionen Euro darf sich Sabalenka auch über den Aufstieg auf Platz zwei der Weltrangliste freuen. Höher stand sie in dem Ranking noch nie.
Gegnerin Rybakina, die auf ihrem Weg ins Finale mit Iga Swiatek, Jelena Ostapenko und Viktoria Asarenka gleich drei frühere Grand-Slam-Turniergewinnerinnen aus dem Weg geräumt hatte, zeigte sich als faire Verliererin. Sie habe bei der Final-Atmosphäre "Gänsehaut" gehabt, sagte die 23-jährige gebürtige Russin, sie seit 2018 für Kasachstan startet: "Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr das gleiche Ergebnis erzielen kann - vielleicht sogar ein noch besseres."
asz/eu (dpa)
Die Australian Open - "Happy Slam" in "Down Under"
Die Australian Open sind der erste Tennis-Grand-Slam-Turnier des Jahres und der erste Höhepunkt der Saison. Spieler und Fans lieben das Turnier in "Down Under", das wegen der guten Stimmung auch "Happy Slam" heißt.
Die Stimmung bei den Australian Open ist außergewöhnlich. Aus dem gesamten Land pilgern die Fans zum Turnier nach Melbourne, um dort den "Happy Slam" zu feiern. Der Name soll einst von Roger Federer erfunden worden sein. Aber nicht nur die Zuschauer, auch die Spieler lieben das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, auch weil es für alle nach der Winterpause die Chance zum Neustart bietet.
Bild: David Crosling/dpa/picture alliance
Australische Hitze
Wer in Melbourne antritt, muss allerdings auf große Hitze eingestellt sein. Temperaturen jenseits der 35 Grad Celsius sind bei den Spielen am Mittag und Nachmittag keine Seltenheit. Es kann aber auch zu rapiden Wetterwechseln kommen: erst Hitze, dann heftiger Regen, manchmal Hagel und starker Wind. "Four seasons in one day" nennen die Australier die Wettereigenart von Melbourne.
Bild: Dean Lewins/AAP/picture alliance/dpa
Zu später Stunde
Wenn es Nacht wird in Melbourne, entfalten die Australien Open ihr spezielles Flair. Die Night Sessions in den großen Arenen der Anlage haben - auch weil dann oft die besten Spielerinnen und Spieler auf dem Platz stehen - einen ganz besonderen Reiz. Die längste Nachtschicht endete 2008 zwischen dem Australier Lleyton Hewitt und Marcos Baghdatis aus Zypern erst um 4:34 Uhr Ortszeit.
Bild: Frank Molter/picture allliance/dpa
Melbourne Park
Das erste Vorgängerturnier der Australian Open findet im Jahr 1905 statt - anfangs nur für Männer, ab 1922 auch für Frauen. Es wird zunächst in wechselnden Städten Australiens und Neuseelands ausgetragen. Erst 1972 folgt der endgültige Umzug nach Melbourne. Die heutige Anlage mit drei großen Arenen und insgesamt 24 Tennisplätzen liegt zwischen Cricket-Stadion und Yarra River im Melbourne Park.
Bild: FRan Molter/picture alliance/dpa
Wertvolle Silberware
Was Boris Becker hier in Händen hält, steht für über fünf Millionen Euro. Je 2,53 Millionen Euro beträgt nämlich die Siegprämie in den Einzelwettbewerben der Australian Open. Die Männer kämpfen dabei um den Norman Brookes Challenge Cup (l.), die Frauen um den etwas eleganteren Daphne Akhurst Memorial Pokal (r.). Beide Namensgeber haben die Australian Open in den Anfangsjahren gewonnen.
Bild: David Crosling/dpa/picture alliance
Einziger deutscher Erfolg
Becker ist bislang auch der einzige männliche Melbourne-Sieger aus Deutschland. Zweimal nimmt er den Pokal mit nach Hause. 1991 (Foto) klettert er durch seinen Finalerfolg gegen Ivan Lendl erstmals auf die Spitzenposition der Weltrangliste. 1996 gewinnt er das Turnier noch einmal, dieses Mal gegen Michael Chang. 2003 erreicht Rainer Schüttler das Finale, verliert aber gegen André Agassi.
Bild: Norbert Schmidt/IMAGO
Auf Steffi Grafs Spuren
Bei den Frauen ist ein deutscher Sieg noch nicht so lange her, wie bei den Männern. Angelique Kerber feiert 2016 in Melbourne den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Gegnerin Serena Williams (r.) freut sich nach dem Finale mit ihr. Kerber ist nach Steffi Graf die zweite Deutsche, die sich in die Siegerliste in Melbourne einträgt. Graf gewinnt insgesamt viermal (1988, 1989, 1990, 1994).
Bild: Xu Yanyan/Photoshot/picture alliance
Überragende Legende
Dreimal gewinnt Rod Laver das Turnier in Melbourne (1960, 1962, 1969). Australiens Tennislegende ist 1969 auch der erste Sieger der "Open Era". Im April 1968 werden die großen Turniere auch für Profispieler "geöffnet", und sie dürfen seitdem gemeinsam mit Amateuren dort antreten. Seit dem Jahr 2000 trägt das Hauptstadion in Melbourne seinen Namen: Rod Laver Arena.
Bild: Rick Rycroft/AP Photo/picture alliance
Umstrittene Heldin
Eine weitere der großen Arenen in Melbourne ist nach Margaret Smith-Court benannt, mit elf Titeln Rekordsiegerin im Einzel. Allerdings sind viele damit nicht mehr einverstanden, weil sie sich in den vergangenen Jahren wiederholt homophob äußerte. John McEnroe schimpft sie "verrückte alte Tante des Tennis", Martina Navratilova und andere fordern eine Umbenennung der Margaret Court Arena.
Bild: Keystone/ZUMA PRess/IMAGO
Zehnfacher Sieger Novak Djokovic
Bei den Männern ist Novak Djokovic ist erfolgreichster Einzelspieler. Nach seiner Ausweisung aus Australien vor dem Turnierstart 2022 kehrt er 2023 zurück und gewinnt nach 2008, 2011 bis 2013, 2015 und 2016 sowie 2019 bis 2021 erneut. Die meisten Siege insgesamt hat Jack Crawford. Der Australier gewinnt zwischen 1929 und 1935 je viermal im Einzel und Doppel, dazu dreimal im Mixed.
Bild: William West/AFP/Getty Images
Letzter Australier
Der Australier Mark Edmondson schafft 1976 bei den Australian Open Historisches: Als Nummer 212 der Welt besiegt er im Finale seinen hochfavorisierten Landsmann John Newcombe. Damit ist er noch heute der Grand-Slam-Sieger mit der schlechtesten Weltranglisten-Platzierung zum Zeitpunkt seines Sieges. Zudem ist Edmondson bis heute der letzte australische Titelträger im Herren-Einzel.