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Menschen fliehen vor dem Klimawandel

Patrick Große
3. November 2017

Millionen Menschen leiden schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels. Und es sollen noch mehr werden. Sicherheitsexperten warnen vor starken Migrationsbewegungen nach Europa. Ist Deutschland darauf vorbereitet?

Indien Ahmedabad - Dürre (Getty Images/AFP/S. Panthaky), Kind schiebt Fahrrad über ein vertrocknetes Feld
Vor allem Dürren und Unwetter zwingen Menschen in armen Ländern zur FluchtBild: Getty Images/AFP/S. Panthaky

Stephen A. Cheney, ein ehemaliger General der US-Marine rechnet in den nächsten Jahrzehnten mit Millionen Klimaflüchtlingen: "Wenn Europa denkt, dass es heute ein Problem mit der Migration hat, dann warten Sie zwanzig Jahre." Dann werde der Klimawandel bis zu 20 Millionen Menschen aus Afrika vertreiben. Cheney ist einer von zahlreichen Umwelt- und Sicherheitsexperten, die sich in einemaktuellen Bericht der britischen Environmental Justice Foundation (EJF) zu den möglichen Folgen der Erderwärmung äußern.

Zu arm, um sich zu schützen

In ärmeren Ländern sei das Risiko fünfmal höher, dass Menschen ihre Heimat wetterbedingt verlassen müssen. Das zeigten Zahlen eines am Donnerstag erschienenenBerichts des Oxfam-Instituts. Zwischen 2008 und 2016 haben pro Jahr durchschnittlich 14 Millionen Menschen in ärmeren Ländern ihre Wohnorte fluchtartig verlassen, um Schutz vor Umweltkatastrophen zu suchen.

"Die Menschen in diesen Ländern sind wegen ihrer Armut oft nicht in der Lage auf Katastrophen zu reagieren", erklärt Jan Kowalzig, Klimaexperte bei Oxfam. Häuser dort seien zum Beispiel nicht sturmsicher genug oder Frühwarnsysteme seien unzuverlässiger als in Industriestaaten. Am stärksten trifft es die Gruppen, die kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. "In vielen Ländern sind das vor allem Frauen, alte und kranke Menschen oder Gruppen, die politisch unterdrückt werden", sagt Kowalzig.

Kinder sind besonders gefährdet

Besonders gefährlich sind die Folgen des Klimawandels für die Entwicklung von Kindern. Das Hilfswerk World Vision Deutschland kritisiert wenige Tage vor der UN-Weltklimakonferenz, dass sich Politiker zu wenig für das Kindeswohl in armen Ländern einsetzen. "Diese Haltung ist ein Desaster für die schwächsten Mitglieder unserer Weltgemeinschaft",  sagt Silvia Holten von World Vision.

Laut Schätzungen des Hilfswerks werden in den nächsten zehn Jahren bis zu 175 Millionen Kinder jährlich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert sein. Durch Überflutungen und Dürren werden sie zu wenig Nahrung zum Leben haben. Verschmutztes Wasser birgt für sie die Gefahr von lebensgefährlichen Krankheiten. 

"Es ist unsere dringendste Aufgabe, den Menschen in den ärmsten Ländern zu helfen", erklärt Silvia Holten. Die Menschen dort sollen besser auf Klimakatastrophen vorbereitet sein. "Aber nicht nur die Regierungen der betroffenen Länder sind gefordert. Ganz besonders die reichen Staaten stehen hier in der Pflicht."

Eine Versicherung gegen Klimaschäden

Wie sehr setzt sich Deutschland für Menschen ein, die in ärmeren Ländern unter den Folgen des Klimawandels leiden? Wie können Staaten in Europa einer großen Flüchtlingsbewegung entgegenwirken? Insgesamt 23,3 Milliarden Euro Entwicklungshilfe zahlte Deutschland im vergangenen Jahr. Doch nur ein kleiner Teil fließt in den Schutz vor Umweltkatastrophen. Trotzdem ist das Thema in der Politik angekommen. Das Entwicklungsministerium arbeitet an konkreten Lösungen, bestätigt eine Sprecherin.

Auch Bewohner von Inseln wie Kiribati müssen ihre Heimat verlassen, wenn der Meeresspiegel steigtBild: picture-alliance/AP Photo

Einer dieser Ansätze könnten Klimarisikoversicherungen sein. Vor zwei Jahren starteten die G7-Staaten die Initiative "InsuResilience", um bis zum Jahr 2020 400 Millionen Menschen in Entwicklungsländern zu versichern.  Vorher hatten laut Entwicklungsministerium nur rund 100 Millionen Menschen eine solche Absicherung gegen Klimafolgen. Mittlerweile beteiligen sich auch die EU und die Niederlande. Zusammen haben sie 550 Millionen US-Dollar in die Initiative gesteckt. Deutschland übernimmt davon 190 Millionen US-Dollar.

Start einer globalen Zusammenarbeit?

Der große Vorteil an solchen Versicherungen ist ihre Schnelligkeit. In einer Katastrophe sammeln Regierungen und Vereinte Nationen normalerweise mühsam Geld ein. Das kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Eine Klimaversicherung könnte bereits nach wenigen Tagen ausgezahlt werden. Sowohl Staaten als auch Einzelpersonen, wie Kleinbauern, könnten davon profitieren. Die Absicherungen sollen akute Armut lindern und verhindern, dass Menschen überhaupt erst fliehen müssen.

Der nächste Schritt müsste eine globale Initiative sein, um Menschen in Entwicklungsländern für Klimaschäden abzusichern. Aus Kreisen des Entwicklungsministeriums ist zu hören, dass Deutschland eine solche globale Partnerschaft für Klimarisikoversicherungen auf der COP23 in Bonn anregen wird. 

 

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