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Aufmarsch der "Koalition der Willigen"

Martin Koch29. August 2013

Die Kriegsschiffe rücken an: Nach dem mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen gegen das eigene Volk durch Syriens Armee bereiten die USA, Großbritannien und Frankreich militärische Strafaktionen vor.

Archivaufnahme des US-Zerstörers USS Barry, der nach übereinstimmenden Informationen im östlichen Mittelmeer für einen Einsatz gegen Syrien bereitsteht (Foto: US Navy/Jonathan Sunderman)
Bild: U.S. Navy/Jonathan Sunderman/Released

Seit der vorigen Woche gibt es die "Koalition der Willigen": Die USA, Großbritannien und Frankreich bringen in größerem Umfang Streitkräfte in Stellung, um den wohl bevorstehenden Militärschlag gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad auszuführen.

Beobachter registrierten in den vergangenen Tagen zahlreiche Bewegungen des Militärs der beteiligten Länder in der Region, besonders der Seestreitkräfte. Das sei bei einer militärischen Aktion wie dem von US-Präsident Barack Obama angekündigten zwei- bis dreitägigen Angriff auf Syrien durchaus sinnvoll, sagt Sebastian Bruns vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel (ISPK). "Seestreitkräfte können weit außerhalb der 12-Meilen-Zone in internationalen Gewässern verbleiben und mit Marschflugkörpern auch entfernte Ziele anpeilen."

Maritimes Drohpotenzial

Militärische Präsenz der "Allianz der Willigen" aus den USA, Großbritannien und Frankreich

Genau das haben die Alliierten offenbar vor: Vier Zerstörer der US-Marine sind nach Informationen des ISPK auf dem Weg ins östliche Mittelmeer. An Bord haben sie je 96 Marschflugkörper des Typs "BGM-109 Tomahawk". Diese lenkbaren Raketen haben eine Reichweite von 2500 Kilometern. Auch die Begleitschiffe von zwei US-Flugzeugträgern, die im Persischen Golf und am Horn von Afrika liegen, sind mit Tomahawks bewaffnet, die Ziele in Syrien erreichen könnten.

Großbritannien ist ebenfalls mit Schiffen im Mittelmeer präsent. Allerdings seien der Hubschrauberträger und ein Zerstörer sowie möglicherweise ein Atom-U-Boot auf einer Ausbildungsmission mit mediterranen Anrainerstaaten unterwegs, die lange geplant gewesen sei, betont Sebastian Bruns. "Und die Franzosen haben in der Region wahrscheinlich auch ein Atom-U-Boot, auch wenn das immer noch geheim ist, und einen Flugzeugträger, der aber momentan noch in der Nähe von Frankreich liegt."

Sebastian Bruns: Seestreitkräfte zeigen den diplomatischen DruckBild: Privat

Über die Seestreitkräfte könne, so erklärt Bruns, der diplomatische Druck auf die Gegenseite deutlich sichtbar erhöht werden: "Wenn schwere Einheiten zusammengezogen werden, dann muss man sich, aus der Warte des Assad-Regimes betrachtet, Sorgen machen, dass es tatsächlich zu einem Vergeltungsschlag kommt."

Angriff aus der Ferne

Die von Schiffen abgefeuerten Marschflugkörper sind sogenannte "Abstandswaffen". Das heißt, sie können aus großer Entfernung abgefeuert und gesteuert werden, erzielen eine ähnliche Wirkung wie das Bombardement durch einen Kampfjet - setzen aber keinen Piloten dem Risiko des Abschusses aus.

Marschflugkörper reduzieren das Risiko für die eigenen SoldatenBild: Reuters

Der ehemalige Luftwaffengeneral und Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, nennt noch eine weitere strategische Option der USA: "Die Amerikaner verfügen auch über weitreichende Bomber. Die Typen B-1 und B-2 können durchaus auch von den Vereinigten Staaten aus starten und auch wieder dahin zurückkehren."

Die syrische Luftabwehr gilt allerdings als besonders leistungsfähig. Das Internationale Institut für Strategische Studien in London (IISS) schätzt, dass Syrien noch über 1000 Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion verfügt. Und das wissen sicher auch die Alliierten, sagt Militär-Experte Kujat: "Deshalb werden sich die ersten Schläge auch sicher gegen diese Luftverteidigungskräfte richten, um die Bedrohung für die eigenen Kräfte auszuschalten."

Harald Kujat: Das erste Ziel wird die syrische Luftabwehr seinBild: picture alliance/ZB

Auf der anderen Seite hat die syrische Armee nach Informationen des israelischen Internetportals DEBKAfiles damit begonnen, ihre Truppen und vor allem ihre Militärflugzeuge zu dezentralisieren. Auf diese Weise wären sie von etwaigen Angriffen der Alliierten schwerer zu treffen. ISPK-Experte Bruns erklärt, welche Ziele außerdem angegriffen werden könnten: "Dazu gehören Einrichtungen des Regimes wie Kommandozentralen und Telekommunikations-Einrichtungen, Energieversorgung, Straßen, Schienen und Ähnliches."

Stützpunkte in der Region

Neben den unbemannten Marschflugkörpern und den großen Bombern verfügen die Alliierten über eine Vielzahl an Kampfflugzeugen, die entweder auf Flugzeugträgern oder auf Militärstützpunkten in der Region stationiert sind. Die Briten können mit ihren Tornados Raketen aus mehr als 200 Kilometern Entfernung abschießen, so dass die Piloten für die syrische Flugabwehr nahezu unerreichbar bleiben können. Von ihren zwei Stützpunkten auf Zypern können sie in nur 20 Minuten Ziele in Syrien erreichen.

Die US-Luftwaffe hat auf der griechischen Insel Kreta eine Basis und nutzt dort auch einen Teil des Großflughafens von Chania als Drehkreuz für Transporte in die Region. Um den Stützpunkt für Kampfeinsätze nutzen zu können, benötigen die USA allerdings die Erlaubnis der Regierung in Athen.

Auch in der Türkei ist die US-Airforce mit einem großen Stützpunkt vertreten. Vom Militärflughafen Incirlik, den auch britische Streitkräfte nutzen, sind es nur 120 Kilometer bis zur syrischen Grenze und 400 Kilometer bis zur Hauptstadt Damaskus.

Und Deutschland?

Die angedrohten Militärschläge gegen Syrien sind eine gemeinschaftliche Aktion der USA, Großbritanniens und Frankreichs. Deutschland spielt in diesem Szenario keine Rolle. Zwar ist die Bundeswehr an mehreren Stellen in der Region präsent, doch handelt es sich dabei um Einsätze unter UN- bzw. NATO-Mandat. Die deutschen Soldaten beteiligen sich an der UNIFIL-Mission zur Ausbildung der libyschen Marine. Sie sind mit Patriot-Raketenabwehrsystemen an der NATO-Mission in der Türkei vor Ort, um die türkische Grenze zu Syrien zu schützen, und sie steuern ein Aufklärungsboot für die Bereitschaftstruppe des Bündnisses, der sogenannten NATO Response Force, bei. Nach Ansicht von Experten ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese Bundeswehr-Einheiten in den aktuellen Konflikt hineingezogen werden.

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