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Aufstieg und Fall der TSG Hoffenheim

Olivia Fritz18. September 2012

In ihrem fünften Bundesligajahr präsentiert sich die TSG 1899 Hoffenheim plan- und ideenlos und steckt tief in der Krise. Neu-Manager Andreas Müller soll nun mithelfen, das Ruder herumzureißen.

Torwart Tim Wiese von Hoffenheim hält nach dem 3:4 eine Hand vor das Gesicht (Foto: picture-alliance/dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Aus im DFB-Pokal. Drei Niederlagen in den drei bisherigen Bundesligapartien - die TSG 1899 Hoffenheim hat einen katastrophalen Saisonstart hingelegt. Mit Europapokal-Ambitionen war der Verein in seine fünfte Bundesliga-Saison gestartet und wurde jäh ausgebremst. Führungsspieler wie Kapitän und Torwart Tim Wiese unterliefen folgeschwere Fehler, die Mannschaft kassierte Tore am Fließband. Nun hat es erste Konsequenzen gegeben: Markus Babbel, der gleichzeitig Trainer und Manager war, stellte seinen Managerposten zur Verfügung. Diesen Job übernimmt ab sofort Schalkes Ex-Manager Andreas Müller. Dass Babbel trotz aller Lippenbekenntnisse der Vereinsverantwortlichen bald komplett ohne Job sein könnte, ist nicht ausgeschlossen. Es wäre der fünfte Trainerwechsel in Hoffenheim seit 2011.

Von der Kreisklasse in die Bundesliga

Dabei hatte die Geschichte der Hoffenheimer so vielversprechend begonnen. Die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim wurde 1899 gegründet. Ein Traditionsfußballverein ist die TSG jedoch noch lange nicht. Die Ursprünge gehen auf einen Turnverein zurück, eine Fußballabteilung gab es erst Jahrzehnte später. Zu verdanken hat der Verein seinen enormen Aufschwung vor allem Millionär Dietmar Hopp, der sein Geld in den Klub und die Infrastruktur steckte. In den 1990er Jahren bekam der Verein das erste kleine Fußballstadion und schaffte den Aufstieg von der Kreisklasse bis in die Regionalliga (2001), wo er zunächst stagnierte.

Wieder half Hopp nach und machte mit seinem Geld den Traum vom Profifußball in der Rhein-Neckar-Region wahr: 2004 entstand das hochmoderne neue Trainingszentrum, ein Jahr später wurde die Fußball-Abteilung ausgegliedert. Zur Saison 2006/2007 wurden Ralf Rangnick als neuer Coach und der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Direktor für die Sport- und Nachwuchsförderung verpflichtet. Mit Erfolg: 2007 stieg Hoffenheim in die 2. Fußball-Bundesliga auf.

Da hatten sie sich noch lieb: Rangnick (l.) und Hopp (M.) beim Bundesliga-Aufstieg 2008Bild: picture-alliance/dpa

In der darauffolgenden Zweitligasaison nahm Hoffenheim mehr Geld in die Hand als alle anderen Klubs und investierte in neue Spieler. Fans anderer Vereine bezeichneten die TSG fortan als "Retortenklub" ohne gewachsene Anhängerschaft und Fußballkultur. Auch die Verantwortlichen anderer kleinerer Vereine stimmten in die Kritik ein. Doch die Hoffenheimer Investitionen sollten sich lohnen: Nach nur einem einzigen Jahr stieg Hoffenheim 2008 in Deutschlands Eliteklasse auf. Somit gelang der TSG in nur sieben Jahren der Sprung aus der Regionalliga in die Bundesliga.

Furioser Bundesligastart

Unter Trainer Rangnick spielte der Bundesliga-Neuling erfrischenden Offensivfußball und wurde sensationell Herbstmeister. Am Ende stand ein guter siebter Platz. Die zweite Bundesligasaison 2009/2010 beendete Hoffenheim auf dem elften Rang - so wie auch in den folgenden zwei Jahren. Ein Schlüsselmoment war Anfang 2011 die Trennung von dem Erfolgsgaranten Rangnick nach internen Machtspielen um Ausnahmespieler Luiz Gustavo. Der Trainer, der den Verein in die Bundesliga geführt hatte, ging im Streit. Er ließ durchblicken, dass aus der Talentschmiede Hoffenheim, das lange Zeit auf seine gute Nachwuchsarbeit stolz sein durfte, ein Wirtschaftsbetrieb geworden war - und Mäzen Hopp offensichtlich das Sagen über die Millionen hat.

Ein Hauch von FankulturBild: Getty Images

Keine Konstanz nach Bruch mit Rangnick

Seitdem ist viel geschehen - nach Rangnick gab es vier Trainerwechsel. Es kamen unter anderem Marco Pezzaiuoli und Holger Stanislawski. Beide wurden wieder entlassen. Seit Februar dieses Jahres ist Markus Babbel Chefcoach, im März übernahm Babbel auch das Amt des Managers. Babbels Ausbeute ist allerdings verheerend schwach: Nur vier Liga-Siege stehen auf der Habenseite, doppelt so viele Niederlagen hat Hoffenheim unter seiner Regie kassiert. Die Mannschaft hat er sich selbst zusammengestellt, doch seine Schlüsselspieler agierten bisher eher unglücklich. Eine klare Linie ist bisher nicht zu sehen. Am 3. Spieltag der aktuellen Saison hat Hoffenheim den bisherigen Tiefpunkt seiner Bundesliga-Geschichte erreicht: Null Punkte, elf Gegentore und den letzten Tabellenplatz.