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Aus dem Abseits in die Champions League

Tobias Oelmaier
6. Mai 2017

Weil der Schiedsrichter einen schwarzen Tag erwischt, zieht Dortmund an Hoffenheim vorbei. Darmstadt ist abgestiegen, Wolfsburg holt wichtige Punkte für den Klassenerhalt - und Leipzig ist sicher in der Champions League.

1. Bundesliga 32. Spieltag |  Borussia Dortmund v Hoffenheim - Felix Brych
Bild: picture alliance/AA/I. Fassbender

Felix Brych ist einer der besten Bundesliga-Schiedsrichter, wenn nicht einer der besten in ganz Europa. Aber ausgerechnet an diesem 32. Spieltag, der so entscheidend sein könnte für den Einzug in die Champions League, erwischte der Mann aus München einen ganz schwachen Tag. Mit einer Serie von Fehlern ebnete Brych Borussia Dortmund den Weg zum 2:1 (1:0)-Sieg im Duell der Königsklassen-Anwärter gegen die TSG Hoffenheim.

Für den ersten dicken Klops brauchte der Unparteiische keine vier Minuten. Gonzalo Castro passte den Ball links am Strafraum in den Lauf von Marco Reus, der Torwart Oliver Baumann tunnelte und zum 1:0 abschloss. Doch die Hoffenheimer reklamierten eine Abseitsposition des Torschützen, und sie hatten recht. Gut einen Meter stand Reus zu nah am gegnerischen Tor, aber Brych war wohl davon ausgegangen, dass der Ball zuletzt von einem TSG-Spieler berührt worden war - fälschlicherweise. 1899-Trainer Julian Nagelsmann war verärgert: "Dass das Abseits war, hat jeder gesehen", sagte er, und mit Blick auf die anderen Szenen: "Das nennt man wohl Murphys Gesetz." Selbst Dortmunds Trainer Thomas Tuchel gab das zu: "Sie wissen alle, dass ich ein Verfechter davon bin, alle Tore zu überprüfen. Wir haben heute ganz klar davon profitiert".

Was will uns Marco Reus sagen? "Sooo weit hab ich im Abseits gestanden, und der Schiedsrichter hat´s nicht gesehen..." Bild: Getty Images/AFP/S. Schuermann

Denn zehn Minuten später folgte der nächste Aussetzer des Schiedsrichters: Reus nahm einen Ball, für die meisten ersichtlich, mit dem Oberarm mit und flankte von links, sein Ball prallte aus kurzer Distanz an die Hand von Pavel Kaderbek - und Brych gab Strafstoß. Nur gut, dass Pierre-Emerick Aubameyang den Ball am Tor vorbei setzte. In der 40. Minute übersah Brych dann ein klares Zerren von BVB-Abwehrchef Sokratis gegen Hoffenheims Torjäger Sandro Wagner im Strafraum. Und kurz vor der Pause pfiff er zuungunsten der Hoffenheimer Abseits - allein, es war keines.

Niedriges Niveau im "Endspiel" um die Champions League

Vor 81.000 Zuschauern im wieder mal ausverkauften Dortmunder Stadion war Dortmund spielerisch überlegen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Beide Mannschaften machten erschreckend viele Fehler im Aufbauspiel und im Abwehrverhalten, und Marco Reus auch im Abschluss, sonst hätten die Gastgeber schon früher die Entscheidung erzwingen können.

Auf die mussten die Fans bis zur 82. Minute warten, als der von Paris St. Germain umworbene Aubameyang dann doch noch per Abstauber das 2:0 erzielte. Vorangegangen war ein Pfostenschuss von Raphael Guerreiro. Doch Hoffenheim wollte sich noch nicht geschlagen geben - und Brych doch noch beweisen, dass er auch richtige Entscheidungen treffen kann. In der 86. Minute riss Matthias Ginter Wagner so offensichtlich im Ringergriff im Strafraum zu Boden, dass es auch der unglückliche Schiedsrichter nicht übersehen konnte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Andrej Kramaric lässig in die Mitte des Dortmunder Tores zum 1:2-Anschlusstreffer.

Zu mehr sollte es nicht mehr reichen für die Hoffenheimer, die durch die Niederlage hinter Dortmund auf Rang vier in der Tabelle zurückfallen. Was Tuchel nicht überbewerten wollte. "Es war kein Endspiel", sagte er nach der Partie. "Platz drei ist nicht gesichert." Sollte es aber dabei bleiben, würden zwei beschwerliche Qualifikationsspiele zur Teilnahme an der Champions League auf Hoffenheim zukommen. Weil der Klub international noch nicht in Erscheinung getreten ist, wäre man nicht gesetzt und müsste mit besonders schweren Gegnern rechnen. Brychs Blackouts könnten Hoffenheim also Millionen kosten.

Darmstadt steigt ab

Hamit Altintop (am Boden) steigt mit Darmstadt 98 ab, auch weil Juan Bernat das Tor gegen sein Team schießtBild: Reuters/M. Dalder

Lange hat sich Darmstadt 98 gewehrt, nun müssen die "Lilien" doch zurück in die Zweite Liga. Nach zuletzt drei Siegen in Folge unterlag das abgeschlagene Schlusslicht beim deutschen Meister Bayern München erwartungsgemäß mit 0:1 (0:1). Der Spanier Juan Bernat (18. Minute) traf für den Rekordchampion, bei dem Trainer Carlo Ancelotti munter rotieren ließ. In der 86. Minute scheiterte Darmstadts Hamit Altintop mit einem Foulelfmeter an Keeper Tom Starke. "Wir wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, dass wir absteigen. Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden", sagte Trainer Thorsten Frings nach der Partie. "Die Mannschaft hat trotz des Abstiegs wieder eindrucksvoll gezeigt, dass sie alles raushaut. Wie wir uns präsentiert haben: Hut ab. Wir wollen uns auch in den zwei ausstehenden Spielen teuer verkaufen."

Abstiegskampf spitzt sich zu

Der FC Ingolstadt hatte Bayer 04 Leverkusen schon am Rande einer Niederlage, doch dann schafften die Gäste doch noch den Ausgleich zum 1:1 (0:0). Im Kellerduell traf zunächst Sonny Kittel (73.) für den Tabellenvorletzten, Kai Havertz (78.) rettete Bayer einen Punkt.

Einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt verpasste der FC Augsburg beim 1:1 (0:0) bei Borusssia Mönchengladbach. Alfred Finnbogason schoss das 1:0 (57.) für die Schwaben, André Hahn (90.+4) gelang noch der späte Ausgleich für die "Fohlen".

Der VfL Wolfsburg ist nun punktgleich mit den Augsburgern. Die Niedersachsen kamen zu einem verdienten 2:0 (0:0)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt und sammelten damit drei wichtige Zähler im Kampf gegen den Abstieg. Daniel Didavi (48.) markierte das Führungstor, Mario Gomez (63.) stellte mit seinem 15. Saisontreffer endgültig die Weichen auf Sieg.

Durchmarsch in die Champions League

Aufsteiger RB Leipzig hat seine Premierensaison in der Bundesliga vorzeitig mit der Champions-League-Teilnahme gekrönt. Nach dem 4:1 (1:0)-Auswärtssieg bei Hertha BSC ist der Aufsteiger an den verbleibenden beiden Spieltagen nicht mehr von einem der ersten drei Tabellenplätze zu verdrängen. Zweimal Timo Werner (12./54.) und zweimal Davie Selke (89./90.+2) erzielten die Tore für Leipzig, und auch das zwischenzeitliche Anschlusstor ging auf das Konto eines RB-Profis: Rani Khedira war vom Berliner Vedad Ibisevic angeköpft worden, von seinem Kopf prallte der Ball ins Tor (85.).

Es war der 20. Sieg der Leipziger in dieser Saison - nie schaffte ein Aufsteiger in der Bundesliga-Geschichte mehr. Binnen acht Jahren gelang damit der Durchmarsch aus der Oberliga Nordost in die Champions League. "ich glaube, wir haben uns das mit unserer Leistung übers Jahr verdient", sagte Top-Torjäger Werner nach dem Spiel im Fernsehsender Sky. Für die Hertha ist die Niederlage ein Rückschlag im Bemühen um einen Europa-League-Platz. Noch aber sind die Berliner Fünfter.

Bereits am Freitag hatte der 1. FC Köln eine spektakuläre Partie gegen Werder Bremenmit 4:3 für sich entschieden und war damit in der Tabelle an den Bremern vorbeigezogen. Beide kämpfen um den Einzug in die Europa League.

Hier gibt´s die Partien noch einmal re-live!

 

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