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Schwieriger Enthüllungsjournalismus

5. Juli 2011

Dass sich Journalisten für die Menschenrechte einsetzen und darüber berichten, sollte selbstverständlich sein. Dies meint auch der britische Enthüllungsjournalist Misha Glenny beim Global Media Forum in Bonn.

Porträt vom britischen Enthüllungsjournalisten Misha Glenny (Foto: GMF)
Furchtlos - Enthüllungsjournalst Misha GlennyBild: GMF

Misha Glenny ist sich sicher: "Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich eine Situation kenne, in der ein unabhängiger Journalist, der nicht im Auftrag einer Regierung arbeitet, einen Konflikt herbeigeführt oder sogar Menschenrechte verletzt hat. Mir fällt kein einziges Beispiel ein. Also meine kurze Antwort ist: Nein", sagt der britische Journalist und Autor. Er hat für die BBC in den 1990er ausführlich über die Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens in den 1990er Jahren berichtet. Ihn könnte man in die Kategorie "investigativer Journalist" einordnen. Misha Glenny hat im Laufe seiner Karriere über die Beziehungen zwischen Kriminalität, Politik und Nationalismus in Südosteuropa geschrieben. Zu seinen bekanntesten Werken gehört "McMafia: Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens".

Vorausschauen

Ein Journalist soll vor seiner Reise so viel wie möglich über die Region lernen, er soll über die lokalen Gegebenheiten, die lokale Kultur und Politik ausführlich recherchieren", rät Misha Glenny jedem Reporter, der sich in eine Krisenregion begibt. Seine Erfahrungen haben ihn gelehrt, dass ein Journalist immer an die möglichen Konsequenzen denken und sich fragen müsse: "Könnte das, was wir Journalisten machen, die Menschen, über die wir berichten, in irgendeiner Weise gefährden?" Nur ein gut vorbereiteter Journalist könne unvoreingenommen berichten und gleichzeitig seine Quellen schützen. Nur so können Menschenrechte gewahrt werden.

Zeitlicher Abstand

Ein Enthüllungsjournalist muss abwarten könnenBild: BilderBox

Für einen Enthüllungsjournalisten kann die Zeit ein Hindernis darstellen. "Es gab viel Gangstertum in und um Belgrad, Zagreb, Sarajevo oder Skopje herum. Man kann zwar über den Mord eines Gangsters berichten, aber man will in dem Moment nicht zu tiefgründig recherchieren, wer den Mord verübt hat", erzählt Misha Glenny. Man müsse dem Ganzen Zeit geben. Erst dann könne man verstehen, was damals geschehen ist. Erst dann fühlten sich die Menschen sicher und könnten frei ihre Erlebnisse erzählen. Für Misha Glenny muss investigativer Journalismus nicht über das Heute, sondern über die jüngste Vergangenheit berichten. So kam er auch zu seinen eigenen Rückschlüssen über die Balkan-Kriege der 1990er. In seinem Buch "McMafia", das rund ein Jahrzehnt nach Kriegsende erschienen ist, behauptet er, dass die Kriege nicht wie häufig behauptet ethnisch motiviert waren. Er glaubt eher, dass die Gier nach Geld und Macht einer kleinen aber mächtigen Gruppe die Gründe für den Zerfall Jugoslawiens seien.

Vom Aussterben bedrohtes Genre?

Investiver Journalismus hat einen festen Platz neben sozialen NetzwerkenBild: picture alliance/dpa

Wir leben in der Generation Facebook, Twitter und Blogs. Es ist eine schnelllebige Generation, in der man die Nachricht von morgen schon heute am Frühstückstisch lesen kann, könnte man fast denken. Jeder kann im Netz veröffentlichen, wozu also noch Journalisten in Krisenregionen schicken und investigativ recherchieren lassen? "Es gibt so viel Blödsinn im Internet", sagt Glenny ohne jedoch den bedeutenden Beitrag der Blogger und der Facebook-Revolutionäre in den arabischen Ländern herunter spielen zu wollen. "Wenn die BBC, New York Times oder auch die Deutsche Welle über etwas berichten, dann kann man sicher sein, dass die Meldungen fachlich überprüft wurden. Das macht die Geschichte glaubwürdig. Bei Blogeinträgen kann man sich dessen jedoch nicht sicher sein", so Glenny. Der Beruf des Enthüllungsjournalisten ist also längst nicht überflüssig geworden, auch in der Zeit von sozialen Medien.

Autorin: Rayna Breuer / Ognjen Cvijanovic

Redaktion: Mirjana Dikic

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