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TerrorismusAustralien

Nach Anschlag: Australien verschärft die Waffengesetze

Veröffentlicht 15. Dezember 2025Zuletzt aktualisiert 15. Dezember 2025

Nach dem verheerenden Angriff auf ein jüdisches Fest am Bondi Beach in Sydney kündigt Australiens Premier Albanese erste Konsequenzen an. Die beiden Täter sind identifiziert.

Sehr viele Blumensträuße liegen auf dem Boden, dahinter trauernde Menschen
Am Bondi Beach: im Gedenken an die OpferBild: Mark Baker/AP Photo/picture alliance

Australiens Regierung wird nach dem Terroranschlag am populären Bondi Beach in der Metropole Sydney die Waffengesetze verschärfen. Ein entsprechender Beschluss wurde auf einer Sitzung der Regierungschefs der australischen Bundesstaaten und Territorien bei Premierminister Anthony Albanese gefasst. Dessen Büro teilte weiter mit, man habe vereinbart zu klären, wie Hintergrundüberprüfungen von Waffenbesitzern verbessert werden könnten. Bei Nichtstaatsangehörigen soll der Erwerb von Waffenscheinen verboten werden. Zudem soll die Anzahl der legalen Waffen, die jemand besitzt, begrenzt werden.

Albanese erklärte zur Begründung, die Lebensumstände von Menschen könnten sich ändern. Menschen könnten im Laufe der Zeit radikalisiert werden. Lizenzen zum Besitz von Waffen sollten nicht auf Dauer erteilt werden.

Angreifer erschossen 15 Menschen, darunter ein Kind

Der Anschlag vom Sonntag war der schlimmste Fall von Schusswaffengewalt in Australien seit rund 30 Jahren. Zwei Angreifer hatten am Strand das Feuer eröffnet, wo mehr als 1000 Menschen den ersten Tag des achttägigen jüdischen Lichterfestes Chanukka begingen. Sie erschossen 15 Menschen, darunter ein zehn Jahre altes Mädchen. 42 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, sechs von ihnen sind in einem kritischen Zustand.

Premierminister Anthony Albanese am Tatort Bild: Flavio Brancaleone/REUTERS

Die Ermittler identifizierten die beiden Angreifer als Vater und Sohn. Der 50-jährige Vater war von Einsatzkräften am Tatort erschossen worden. Der 24-jährige Sohn wurde gefasst und liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Mal Lanyon, der Chef der Polizei des Bundesstaates New South Wales, in dem Sydney liegt, erklärte, der Vater sei Mitglied in einem Jagdverein gewesen. Er habe über eine Waffenbesitzkarte verfügt. Der Mann besaß demnach sechs Schusswaffen, die offenbar alle bei dem Anschlag verwendet wurden.

Passant entwaffnet einen der Angreifer 

Durch das mutige Eingreifen eines Passanten konnte vermutlich Schlimmeres verhindert werden. Im Internet kursierende Videos zeigen, wie sich Ahmed Al Ahmed auf einen der Schützen stürzt, ihn von hinten umklammert und diesen schließlich entwaffnet. In australischen Medien wird der 43-jährige Obstladenbesitzer und zweifache Vater als Held gefeiert.

Ahmed Al Ahmed wurde während seines Eingreifens vom zweiten Schützen mehrfach angeschossen - hier besucht ihn Chris Minns, der Regierungschef von New South WalesBild: @ChrisMinnsMP/X/REUTERS

Motiv noch weitgehend unklar - IS-Verbindungen? 

Die Behörden sprechen von einem antisemitischen Terroranschlag. Sie suchen weiter nach dem Motiv der beiden Angreifer. Premier Albanese bestätigte, dass der australische Inlandsgeheimdienst den Sohn vor sechs Jahren wegen Verbindungen zu einer in Sydney ansässigen Zelle der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) überprüft hatte. Örtliche Medienberichte, wonach in einem Auto der Täter auch zwei IS-Flaggen gefunden wurden, bestätigte die Polizei mit Verweis auf laufende Untersuchungen nicht. 

Vorwürfe: Jüdische Bürger nicht ausreichend geschützt

Parallel zu den Ermittlungen mehren sich die Vorwürfe gegen die australische Regierung, nicht ausreichend gegen Antisemitismus vorgegangen zu sein und nicht genug für den Schutz der lokalen jüdischen Gemeinde, die etwa 120.000 Menschen umfasst, getan zu haben. "Wir haben einen klaren Mangel an Führungsstärke beim Schutz jüdischer Australier gesehen", kritisierte Oppositionsführerin Sussan Ley. Sie sagte weiter: "Wir haben eine Regierung, die Antisemitismus als ein Problem betrachtet, das gemanagt werden muss, und nicht als ein Übel, das ausgerottet werden muss."

Nach dem Anschlag am Sonntag am Bondi Beach Bild: Hollie Adams/REUTERS

Jillian Segal, die seit 2024 die erste Sonderbeauftragte für Antisemitismus in Australien ist, sagte dem Sender ABC, der Anschlag sei nicht ohne "Vorwarnung" erfolgt. Nach ihren Angaben haben die antisemitischen Vorfälle innerhalb eines Jahres - nach dem Überfall der Terrorgruppe Hamas im Oktober 2023 auf Israel - in Australien um 300 Prozent zugenommen.

Auch die jüdische Organisation Australian Jewish Association erhob auf der Online-Plattform X schwere Vorwürfe: "Wie oft haben wir die Regierung gewarnt? Kein einziges Mal hatten wir das Gefühl, dass sie zugehört hat."

Albanese: Ein Angriff auf alle Australier

Premierminister Albanese wiederum erklärte: "In unserem Land ist kein Platz für diesen Hass, diese Gewalt und diesen Terrorismus". Ein Angriff auf jüdische Australier sei "ein Angriff auf alle Australier". Vor Journalisten lehnte Albanese es ab, direkt auf Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu reagieren. Dieser hatte Australiens Regierung ebenfalls vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen Antisemitismus vorgegangen zu sein.

Australien und andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien und Kanada, hatten in diesem Jahr unter dem Eindruck des Kriegs im Gazastreifen einen Staat Palästina formell anerkannt. Netanjahu warf Albanese unter anderem vor, damit "Öl ins antisemitische Feuer" gegossen zu haben. 

Der australische Premier legte am Bondi Beach Blumen nieder und gedachte der Opfer. Die Flaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt.

se/pgr (abc.net.au, afp, dpa, ap, rtr)

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