Australien: Rekordklage des Staates gegen Chemiekonzern 3M
28. Mai 2026
Wegen hoher Rückstände sogenannter Ewigkeits-Chemikalien auf Militärstützpunkten geht Australien juristisch gegen den Konzern 3M vor. Der Staat verklagt das US-Chemieunternehmen auf mehr als zwei Milliarden australische Dollar Schadenersatz, umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro. Nach australischen Angaben ist es die höchste Forderung, die jemals von staatlicher Seite eingereicht wurde.
Generalstaatsanwältin Michelle Rowland sprach von einem "bedeutenden Rechtsstreit" mit weitreichenden Folgen für die Umwelt, aber auch für die öffentlichen Finanzen. "Die Regierung ist bereit, sich mit einem der größten multinationalen Konzerne der Welt anzulegen."
"Enorme Belastung für die Steuerzahler"
Das mutmaßliche Fehlverhalten von 3M habe zu "enormen Belastungen für das Verteidigungsministerium und die australischen Steuerzahler" geführt, sagte Rowland weiter. Für Untersuchungen und Dekontaminierungsmaßnahmen auf Grundstücken des Militärs seien bereits mehr als eine Milliarde australische Dollar ausgegeben worden.
Konkret geht es um einen PFAS-haltigen Löschschaum, der an 28 Standorten eingesetzt worden war. Australien wirft 3M vor, behauptet zu haben, die Stoffe seien biologisch abbaubar und ungefährlich. Der US-Gigant und dessen australische Tochtergesellschaft hätten Hinweise auf "erhebliche schädliche Umwelteffekte" zurückgehalten.
3M: Verkauf schon vor Jahrzehnten eingestellt
Das Unternehmen kündigte an, sich gegen die Vorwürfe vor Gericht zu verteidigen. In einer Erklärung heißt es, man habe PFAS nie in Australien produziert und den Verkauf der betroffenen Produkte dort bereits vor rund 20 Jahren eingestellt. Allerdings habe das Militär des Landes die Löschschäume auch danach noch lange verwendet.
Laut dem US-Sender CNN sieht sich 3M weltweit mit Tausenden Klagen wegen PFAS-Belastungen konfrontiert. In den Vereinigten Staaten hatte sich der Konzern im Jahr 2023 mit Wasserversorgern auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach große Mengen der Stoffe über Abwasser und Kläranlagen in Flüsse gelangten, aus denen auch Trinkwasser gewonnen wird.
Wasser-, fett- und hitzebeständig
Die Abkürzung PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Diese sind wasser-, fett- und hitzebeständig und werden seit Jahrzehnten unter anderem in Löschschaum, Pfannenbeschichtungen und Outdoor-Produkten verwendet. Es handelt sich um eine Gruppe von mehr als 10.000 künstlich hergestellten Industriechemikalien, die ursprünglich nicht in der Natur vorkommen.
Die Stoffe bauen sich im menschlichen Körper und in der Umwelt kaum ab, weshalb sie auch als Ewigkeits-Chemikalien bezeichnet werden. Diskutiert werden gravierende gesundheitliche Folgen: Medizinische Studien bringen PFAS unter anderem mit Leberschäden, niedrigem Geburtsgewicht und bestimmten Krebsarten in Verbindung.
jj/AR (dpa, ap)