Australischer Eukalyptus befeuert Waldbrände weltweit
12. Juli 2026
Jedes Jahr durchqueren mehr als 400.000 Pilger und Pilgerinnen auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela Galizien im Norden Spaniens. Der Jakobsweg führt sie durch nebelverhangene Hügel und dichte Wälder, doch viele der Bäume, die ihre Route säumen, gehören zu keiner der heimischen Arten.
Statt Eichen und Kastanien dominieren mittlerweile Eukalyptusbäume weite Teile von ordwestspanien. Und das gilt nicht nur für Galizien. Der Baum wird von der die Zellstoff- und Holzindustrie wegen seines schnellen Wachstums und seiner Rentabilität geschätzt und so wurden riesige Monokulturen des in Australien heimischen Baumes an so weit entfernten Orten wie Brasilien, Chile, Kalifornien, Indien und Südafrika angepflanzt.
Weltweit bedecken Eukalyptusplantagen mittlerweile mehr als 22 Millionen Hektar in über 90 Ländern; in vielen Ländern sind sie zu einem Eckpfeiler der ländlichen Wirtschaft geworden. Doch unter den friedlich scheinenden Blätterdach verbergen sich Landschaften, die anfällig geworden sind für extreme Waldbrände. Wissenschaftler stufen die Bäume als hochentflammbar ein.
Europas Hitzewelle lässt Alarmglocken läuten
In diesem Sommer wurde Europa bereits von ersten Hitzewellen heimgesucht und die Sorge wächst, dass die ungewöhnlich früh eintretende Hitze das Feuerrisiko erhöhen könnte. Im Süden des Kontinents kam es in den vergangenen Tagen bereits zu Bränden. 2025 war das schlimmste Waldbrandjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Mehr als eine Million Hektar wurden Opfer von Flammen, ein Großteil davon auf der Iberischen Halbinsel.
Forschende weisen darauf hin, dass Eukalyptusbäume zwar für die Entstehung dieser Brände nicht verantwortlich gemacht werden können, diese jedoch erheblich verstärken, sobald sie einmal ausgebrochen sind.
"Eukalyptuswälder zählen eindeutig zu den leichter entflammbaren Wäldern dieser Welt", sagt Tim Curron von der Lincoln University in Neuseeland zur DW. "Pflanzt man einen Eukalyptus in einer neuen Umgebung, verändert man aller Wahrscheinlichkeit nach das sogenannte Feuerregime, also Dinge wie die Intensität und Häufigkeit von Feuern, wie heiß sie werden und wie oft sie auftreten."
Die Blätter der Bäume enthalten hochentzündliche Öle und Rindenstreifen können sich in glühende Funken verwandeln. Diese Funken können große Distanzen zurücklegen und Sekundärbrände entfachen, wie es bei den Black Saturday Bushfires während der größten Brandkatastrophe Australiens im Jahr 2009 geschah.
"Es gibt Belege dafür, dass Funken vom Wind mehr als 30 Kilometer weit getragen wurden und vor der Feuerfront neue Feuer entfachten", berichtet Curran. Dies sei nicht nur einmal geschehen, fügt er hinzu.
In Galizien wachsen die Eukalyptusplantagen schnell über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus, denn die heimischen Eichen und Kastanien benötigen mehr als 80 Jahre, um ihre volle Reife zu erreichen, während dies bei Eukalyptusbäume schon in 15 Jahre der Fall ist. In niedergebrannten Landschaften erholen sie sich also deutlich schneller und besitzen damit einen Wettbewerbsvorteil vor den heimischen Arten.
So entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der dazu führt, dass sich Monokulturen immer weiter ausbreiten und das Risiko von Waldbränden steigern.
Am Eukalyptus scheiden sich die Geister
Die ersten Plantagen in Galizien wurden in den 1970ern angelegt, verbreiteten sich aber erst richtig zwei Jahrzehnte später. Im Jahr 1992 veröffentlichte die Regionalregierung einen Forstwirtschaftsplan, in dem davon ausgegangen wurde, dass Eukalyptusbäume bis 2030 etwa 250.000 Hektar einnehmen würden. Dieser Plan wurde erst dreißig Jahre später aktualisiert und bis dahin breiteten sich die Eukalyptusbäume ungehindert aus.
"Jetzt sind es etwa eine halbe Million Hektar, eine riesige Landfläche", sagt Joám Evans Pim, Umweltschützer und Direktor der galizischen Organisation Fundación Montescola. Obgleich die Regionalregierung seitdem ein Moratorium gegen die Pflanzung neuer Eukalyptusplantagen verhängte, bleibe dessen Durchsetzung uneinheitlich, klagen Aktivisten, und illegale Anpflanzungen fänden weiterhin statt.
Auf der einen Seite wird mit Eukalyptus Geld verdient. Allein im Jahr 2024 erwirtschafteten die galizischen Plantagen, die überwiegend die Zellstoff- und Holzindustrie beliefern, 167 Millionen Euro. Doch es gibt auch Misswirtschaft. Die jüngeren Generationen, die das Leben auf dem Land hinter sich lassen und sich für ein Leben in den Städten entscheiden, lassen Plantagen zurück, die keiner Kontrolle unterliegen.
Der Eukalyptus breite sich schnell aus, "sowohl wegen der Plantagen, von denen viele illegal sind, aber auch weil Flächen aufgegeben werden, wegen der Waldbrände, wegen der invasiven Natur dieser Art. Eine Mischung aus all dem hat zur heutigen Situation geführt", sagt Evans Pim.
Maßnahmen der Regierung
Kritiker werfen den Regionalbehörden vor, der Ausbreitung der Plantagen zu lange untätig zugesehen zu haben. Luisa Piñeiro ist Direktorin der Forstwirtschaftsverwaltung der Regierung von Galizien. Gegenüber der DW gibt sie zu, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden.
"Damals [in den 1990ern] gab es wahrscheinlich keine angemessene Forstwirtschaft. Es gab nicht so viel Kontrolle über die Plantagen oder die angepflanzten Baumarten“, sagte sie. Dennoch stuft die Regierung Eukalyptus nicht als invasive Art ein und Piñeiro lehnt ein pauschales Verbot ab. Sie plädiert stattdessen für ein besseres Management und größere Artenvielfalt.
"Statt Dinge zu verbieten, sollten wir zunächst einen Forstwirtschaftsplan erstellen", meint sie. "Wir sind überzeugt, dass Wälder die Artenvielfalt haben sollten, die ihnen eigentlich zu eigen ist."
Eine grüne Feuersperre
Evans Pim lässt den Blick über das Land seiner Gemeinde in Froxán, etwa 40 Kilometer westlich von Santiago de Compostela, schweifen und erinnert sich an die Waldbrände, die den umliegenden Hügeln neue Gestalt gaben.
"Dieses Gebiet war 2006 von einem sehr großen Feuer betroffen. Sämtliche Wälder, die das Dorf umgaben brannten nieder und danach siedelte sich Eukalyptus an", sagt er zur DW.
Als zehn Jahre später ein neuer Brand ausbrach, beschloss die Gemeinde, zu handeln. Es wurden De-Eukalyptusierungsbrigaden gegründet, Gruppen von Freiwilligen, sich für die Aufklärung über Baumarten wie Eukalyptus einsetzen und dafür, die Bäume von gemeindeeigenem Land zu entfernen. Was mit 50 Mitgliedern begann, umfasst nun Gruppen in ganz Galizien mit 1500 Mitgliedern.
"Wir entfernen die Eukalyptusbäume und geben einheimischen Bäumen die Möglichkeit, ihren Platz einzunehmen", erläutert Evans Pim. "Wir wollen eine grüne Feuersperre errichten. Letztendlich wollen wir erreichen, dass das Land sich selbst reguliert. Bei dem wir nicht eingreifen müssen und das Bränden und dem Klimawandel und längeren Dürreperioden selbst widerstehen kann."
Die verheerenden Waldbrände in Portugal im Jahr 2017, bei denen Menschen bei der Flucht vor dem Feuer starben, dienen als Warnung. "Portugal hat diese Erfahrung vor einigen Jahren gemacht. Menschen starben, sie verbrannten in ihren Autos", sagt Evans Pim. "Wir hoffen sehr, dass es nicht so weit kommen muss, damit sich wirklich etwas ändert, was die Anwendung bestehender Gesetze angeht, und dass alle Gesetze ernst genommen werden."
Diese Botschaft wird zunehmend von Wissenschaftlern, Forstverbänden und Aktivisten geteilt, die sagen, dass unbewirtschaftete Flächen zu einer der größten Brandgefahren werden - nicht nur in Europa, sondern weltweit.
Forschende betonen, dass die wirtschaftlichen Vorteile von Eukalyptus stärker gegen die wachsenden Waldbrandrisiken abgewogen werden müssen.
"Der Eukalyptus hat seinen Platz, die Zellstoffindustrie hat ihren Platz, das ist klar", sagt Joaquim Sande Silva von der Hochschule für Landwirtschaft in Coimbra. "Doch es sollte strenge Regeln geben dafür, wie die Plantagen angelegt werden und welche Ökosysteme sie ersetzen."
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.