Deutsche ziehen seltener in die USA und nach Kanada
9. Juni 2026
Die USA und Kanada haben für deutsche Auswanderinnen und Auswanderer in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich an Anziehungskraft verloren. Das geht aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor.
Im Jahr 2025 zogen knapp 8900 Deutsche in die Vereinigten Staaten. Nach Angaben der Statistiker ist dies - mit Ausnahme der von den Folgen der Corona-Pandemie und Reisebeschränkungen geprägten Jahre 2020 und 2021 - der niedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre. Zum Vergleich: 2005 hatten noch knapp 13.600 Deutsche ihren Wohnsitz in die USA verlegt. Damit lagen die Fortzüge in die Vereinigten Staaten zuletzt um rund 35 Prozent unter dem Niveau von vor zwei Jahrzehnten.
USA bleiben trotz Rückgangs wichtiges Ziel
Der Rückgang fällt in eine Phase, die auch den Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump umfasst. Die Zahlen selbst erlauben zwar keine Aussagen über die Gründe für die Entwicklung, sie zeigen jedoch deutlich, dass die USA für Deutsche heute weniger attraktiv sind als noch vor 20 Jahren.
"Trotz des Rückgangs zählten die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr jedoch noch immer zu den beliebtesten Auswanderungszielen der Deutschen", betonten die Statistiker. Nur in die Schweiz, nach Österreich und nach Spanien zog es 2025 mehr Deutsche. In die Schweiz wanderten 22.700 Menschen aus Deutschland aus, nach Österreich 13.500 und nach Spanien 9700.
Kanada verliert, Mexiko gewinnt
Ein ähnlicher Trend zeigt sich in Kanada. 2025 verlegten gut 1800 Deutsche ihren Wohnsitz in das nordamerikanische Land. Niedrigere Werte wurden in den vergangenen 20 Jahren lediglich während der Pandemie-Jahre 2020 und 2021 registriert. Im Jahr 2005 waren es noch gut 3000 Menschen gewesen. Damit sank die Zahl der Auswanderinnen und Auswanderer nach Kanada innerhalb von zwei Jahrzehnten um 39 Prozent.
Anders entwickelt sich dagegen Mexiko. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde das Land für Deutsche in den vergangenen Jahren zunehmend attraktiver. Rund 800 Deutsche zogen 2025 nach Mexiko. Zwanzig Jahre zuvor waren es noch knapp 600 gewesen. Das entspricht einem Anstieg von 43 Prozent.
Mehr Fortzüge als Rückkehrer
2025 verließen insgesamt mehr Deutsche Deutschland in Richtung USA, Kanada oder Mexiko, als aus diesen Ländern nach Deutschland zurückkehrten. Für die Vereinigten Staaten ergibt sich ein positiver Wanderungssaldo von knapp 1400 Personen. Nach Kanada wanderten netto rund 400 Deutsche aus. Auch in Mexiko übertraf die Zahl der Fortzüge die Zahl der Rückkehrer, wenn auch nur geringfügig.
Die bestehenden deutschen Gemeinschaften in Nordamerika sind weiterhin beachtlich. Nach Angaben des United States Census Bureau lebten 2024 rund 519.200 Deutsche in den Vereinigten Staaten. In Kanada wurden bei der Volkszählung 2021 etwa 126.500 Deutsche erfasst. In Mexiko lebten nach Daten aus dem Jahr 2020 rund 7600 Deutsche.
pgr/se (dpa, afp, rtr)