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Ba Banga, Bach und Balafon

Susan Bavier
24. April 2017

Das Balafon ist ein traditionelles Musikinstrument aus Westafrika. Moderne Musik lässt sich darauf aber nicht spielen. Ba Banga Nyeck in der Elfenbeinküste will das ändern. Er hat ein modernes Balafon erfunden.

Elfenbeinküste- Big Band Balafon
Bild: Susan Bavier

Was da im Konzertsaal der Nationalen Musikhochschule von Abidjan zu hören ist, gleicht einer kleinen Sensation. Hier, in der größten Stadt der Elfenbeinküste, spielt der Musiker Ba Banga Nyeck die Badinerie von Johann Sebastian Bach auf einem Balafon. Er hat das traditionelle afrikanische Xylophon so umgebaut, dass es sich wie ein Klavier stimmen lässt.

"Das traditionelle Balafon ist ein Fünfton-Instrument. Es wird nach der Singstimme der Ethnie gestimmt, die es benutzt. So hat das Instrument nur einen Wert für diese bestimmte Ethnie", erklärt der gebürtige Kameruner. "Das sogenannte chromatische Balafon aber folgt 12 Tönen, wie im westlichen Tonsystem." Und auf dem lässt sich jetzt eben auch europäischer Spätbarock spielen.

Aufgebaut ist das chromatische Balafon immer noch ganz traditionell: aus Klanghölzern, unter die hohle Kürbisse als Resonanzkörper gehängt werden. Allerdings sind die Klanghölzer in zwei Reihen angeordnet. Die untere entspricht den weißen Tasten auf dem Klavier, die obere den schwarzen Tasten.

Ba Banga Nyeck hat das chromatische Balafon erfundenBild: Susan Bavier

"Das chromatische Balafon lässt sich ganz einfach stimmen, Taste für Taste", sagt Ba Banga Nyeck, während er die Schlägel über die Klanghölzer tanzen lässt. "So kann ich in unterschiedlichsten Tonarten und Stimmungen spielen. Es ist sehr flexibel und das ist der größte Unterschied zum traditionellen Instrument."

 

Seit mehr als zehn Jahren experimentiert Ba Banga Nyeck mit dem Balafon und hat einiges bewegt. In der Musikhochschule in Abidjan, der Kulturmetropole der Elfenbeinküste, lernen die Studenten nun auch das chromatische Balafon zu spielen.

Neue Möglichkeiten mit dem neuen Balafon

Welche musikalischen Möglichkeiten dem Instrument jetzt offen stehen, demonstriert Pierre Charvet in einem Kompositions-Workshop. Er spielt den gut zwanzig Studenten sein Stück "Come away" für chromatisches Balafon und elektronische Musik vor. "Was mich inspiriert hat, ist Ba Bangas positive Einstellung zum technischen Fortschritt. Bach hatte ebenfalls diese Einstellung, Beethoven oder Debussy auch. Man darf nicht im Traditionellen stecken bleiben. Wenn sich ein Instrument nicht weiter entwickelt, stirbt es aus", sagt der französische Komponist. "Wer hoch hinaus will, muss sich entwickeln. Und das hat Ba Banga mit dem Balafon gemacht. Für das Instrument ist es ein historischer Schritt", so Charvet.

Nina Kouassi spielt auch moderne Stücke auf dem BalafonBild: Susan Bavier

Nina Kouassi folgt aufmerksam dem Workshop von Pierre Charvet. Seit zwei Jahren lernt sie, das chromatische Balafon zu spielen. Traditionell ist das Balafon für Frauen und Kinder tabu. Das Instrument dürfen nur Männer spielen, die durch einem bestimmten Ritus darauf vorbereitet wurden. Doch seit Ba Banga Nyecks Weiterentwicklung haben alle Zugang zu dem Instrument.

Afrikanisches Kulturerbe als Teil der Weltmusik 

Nina Kouassi ist inzwischen sogar Mitglied in einer Balafon Big Band. Unter der Leitung von Ba Banga Nyeck spielt sie neben traditionellen Liedern nun auch Paul Desmonds „Take five" und eben Stücke von Bach. "Es ist magisch, wenn wir auf der Bühne stehen. Zehn Männer und zehn Frauen spielen zusammen. Ich denke, dass wir gerade Geschichte schreiben und ich bin dankbar, in diesem Moment dabei zu sein", schwärmt sie.

Balafon - MP3-Stereo

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Ba Banga Nyeck will in den nächsten zehn Jahren eine ganze Kulturindustrie rund um das chromatische Balafon entwickeln. Unermüdlich reist der fast 50-Jährige zu Konzerten und setzt sich für eine bessere Ausbildung der Musiker und für die Produktion des Instruments ein. "Ich möchte, dass sich das chromatische Balafon als universelles Instrument etabliert, wie das Piano oder die Gitarre. Afrika will mit seinem kulturellen Erbe Teil der universellen Welt der Musik sein."

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