Stillen schützt nicht nur Babys, sondern auch Mütter – etwa vor Brustkrebs, Eierstockkrebs und Typ-2-Diabetes. Wie das funktioniert – und was Forschende bisher wissen.
Muttermilch versorgt Babies mit allen Nährstoffen und AbwehrkräftenBild: Olena Mykhaylova/Zoonar/picture alliance
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Muttermilch gilt als perfektes Nahrungsmittel für Neugeborene: Sie versorgt Babys mit Nährstoffen, schützt vor Infektionen und passt sich sogar dem individuellen Bedarf an.
Doch auch Mütter profitieren. Denn Stillen wirkt sich nachweislich positiv auf die Gesundheit aus. Besonders deutlich wird das beim Brustkrebsrisiko: Je länger eine Frau stillt, desto größer der Schutz.
"Es gibt einige Studien, die gezeigt haben, dass Frauen, die gestillt haben, auch weniger Brustkrebs bekommen", sagt Professorin Regina Ensenauer, Vorsitzende der Nationalen Stillkommission. Sie leitet das Institut für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, bei dem die Stillkommission angesiedelt ist.
Doch die zugrunde liegenden Prozesse versuchen Forschende noch zu durchschauen. Auch Expertin Regina Ensenauer betont, dass die Zusammenhänge noch nicht ganz klar sind.
Eine Erklärung: Bei den meisten Frauen, die stillen, kommt es während der Stillzeit zu hormonellen Veränderungen, die die Rückkehr der Regelblutung nach der Geburt verzögern. Dadurch sind sie weniger Hormonen wie Östrogen und Progesteron ausgesetzt, die das Wachstum von Brustkrebszellen fördern können.
Außerdem verändert sich während der Schwangerschaft und Stillzeit das Brustgewebe. Forschende vermuten, dass krebserregende Stoffe, sogenannte Karzinogene, während der Stillzeit über die Brustdrüsen ausgeschieden werden können. In einer klinischen Studie wurde zudem ein Komplex in der Muttermilch nachgewiesen, der einige Krebszellen sogar abtöten kann.
Auch weniger Eierstock- und Gebärmutterkrebs
Doch Stillen kann nicht nur das Brustkrebsrisiko senken. Studien deuten darauf hin, dass auch Eierstock- und Gebärmutterkrebs sowie Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes seltener auftreten.
Wahrscheinlich hänge dies ebenfalls mit hormonellen und zellulären Veränderungen während der Schwangerschaft und Stillzeit zusammen. "Aber man muss ganz klar sagen, hier braucht es noch weitere Forschung, um die Zusammenhänge zu verstehen", sagt Regina Ensenauer.
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Prävention auch ohne Stillen möglich
Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erkrankt weltweit etwa eine von 20 Frauenim Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Doch nicht alle Frauen können oder wollen stillen – und auch Frauen ohne Kinder können aktiv zur eigenen Brustkrebsprävention beitragen. Stillen kann einen gewissen Schutz bieten, ist aber längst nicht die einzige Möglichkeit, um das Risiko zu senken.
Krebs vermeiden statt heilen
Krebs muss kein unumgängliches Schicksal sein. Forscher wissen sehr gut, was Tumoren auslöst. Und gegen die größten Gefahren kann jeder selbst etwas unternehmen.
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Das Schicksal in der Hand
Eine Krebsdiagnose trifft immer hart und unerwartet. Dabei ließen sich fast die Hälfte aller Krebsfälle vermeiden. Allein an etwa jedem fünften Tumor ist das Rauchen schuld. Der giftige Tabakrauch verursacht nicht nur Lungenkrebs, sondern auch viele andere Tumorarten. Rauchen ist der häufigste eigenverschuldete Grund für Krebs - aber nicht der einzige.
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Dick sein kann tödlich sein
Auf Platz zwei der Krebsauslöser: Übergewicht. Schuld sind erhöhte Insulinspiegel. Sie erhöhen das Risiko für fast alle Krebsarten, vor allem für Nieren-, Gallenblasen- und Speiseröhrenkrebs. Übergewichtige Frauen bilden zudem vermehrt weibliche Geschlechtshormone im Fettgewebe und erkranken dadurch leichter an Gebärmutter- und Brustkrebs.
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Runter vom Sofa!
Menschen, die sich kaum bewegen, bekommen besonders häufig Krebs. Langzeitstudien zeigen: Sport beugt Tumoren vor. Denn körperliche Aktivität senkt den Insulinspiegel und verhindert nebenbei das Dickwerden. Und es muss kein Hochleistungssport sein: Schon etwas Spazierengehen oder Fahrradfahren machen einen großen Unterschied.
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Krebs zum Wohle!
Alkohol ist krebserregend. Er fördert vor allem Tumoren der Mundhöhle, des Rachenbereichs und der Speiseröhre. Besonders gefährlich ist die Kombination von Rauchen und Alkohol: Dadurch steigert man sein Krebsrisiko auf das Hundertfache. Allerdings ist ein Glas Wein pro Tag gesund, denn es unterstützt das Herz-Kreislauf-System. Alles, was darüber hinaus geht, sollte man meiden.
Bild: picture-alliance/dpa
Ungesundes vom Tier
Rotes Fleisch kann Darmkrebs auslösen. Der genaue Grund ist bisher noch nicht geklärt, Langzeitstudien zeigen aber einen deutlichen Zusammenhang. Besonders gefährlich ist Rindfleisch, in geringerem Maße auch Schweinefleisch. Das Krebsrisiko steigt durch den Verzehr etwa auf das Anderthalbfache. Fisch dagegen beugt Krebs vor.
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Gefahr vom Holzkohlegrill?
Beim Grillen von Fleisch entstehen krebserregende Substanzen, etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Im Tierversuch lösen diese chemischen Verbindungen Tumoren aus. In Langzeitstudien am Menschen ist das bisher noch nicht eindeutig bewiesen worden. Möglicherweise ist einfach der Verzehr von Fleisch an sich das Übel, nicht die Zubereitungsart.
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Fastfood meiden
Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen beugt Krebs vor. In Langzeitstudien haben Forscher allerdings gesehen, dass eine gesunde Ernährung weniger Einfluss auf die Krebsgefahr hat als ursprünglich angenommen: Sie senkt das Risiko nur leicht, um höchstens zehn Prozent.
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Viel Sonne schadet viel
UV-Strahlung im Sonnenlicht dringt ins Erbgut vor und verändert es. Die Folge: schwarzer oder weißer Hautkrebs. Sonnencreme schützt zwar vor Sonnenbrand - aber sobald die Haut bräunt, hat sie bereits zu viel Strahlung abbekommen.
Bild: dapd
Krebs durch moderne Medizin
Röntgenstrahlung schädigt das Erbgut. Bei einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme ist die Belastung aber gering. Ganz anders bei einer Computertomographie: Ihr sollte man sich nur unterziehen, wenn gute Gründe vorliegen. Eine Kernspintomographie hingegen ist harmlos. Übrigens: Auch bei einer Flugreise ist man krebserregender Strahlung ausgesetzt.
Bild: picture alliance/Klaus Rose
Krebs durch Infektionen
Humane Papillomviren können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Hepatitis-B- und -C-Viren können Leberzellen zum Entarten bringen. Das Bakterium Helicobacter pylori (Foto) nistet sich im Magen ein und kann die Ursache für Magenkrebs sein. Gegen viele der Erreger kann man sich impfen lassen, gegen Helicobacter pylori helfen Antibiotika.
Bild: picture-alliance/dpa
Besser als ihr Ruf
Die Anti-Baby-Pille erhöht zwar die Gefahr leicht, an Brustkrebs zu erkranken, aber sie senkt gleichzeitig das Risiko für Eierstockkrebs stark. Insgesamt schützt die Pille demnach mehr als sie schadet - zumindest was Krebs angeht.
Bild: Fotolia/Kristina Rütten
Ein wahrer Schicksalsschlag
Aber auch, wenn man alles richtig macht - ganz gegen Krebs gefeit ist man nie. An der Hälfte aller Krebsfälle sind allein die falschen Gene schuld - oder einfach das Alter. Vor allem Hirntumoren entwickeln sich oft ohne Zutun von außen.
Bild: Fotolia/majcot
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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) listet eine ganze Reihe an weiteren Empfehlungenzur Vorbeugung auf:
ausreichend Bewegung – etwa 3 bis 5 Stunden schnelles Spazierengehen pro Woche oder eine vergleichbar anstrengende körperliche Betätigung
Normalgewicht anstreben und/oder halten, insbesondere nach den Wechseljahren
keinen oder nur wenig Alkohol trinken
nicht rauchen
wenn möglich, eine Hormonersatztherapie vermeiden
Typ-2-Diabetes durch gesunde Ernährung und Gewichtskontrolle vermeiden oder eine bestehende Erkrankung entsprechend behandeln
sich ausgewogen ernähren – viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe essen und wenig Fett und Fleisch
Laut DKFZ ließe sich damit bei etwa 1 von 3 Frauen in der westlichen Welt Brustkrebs nach den Wechseljahren vermeiden.