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Basketball: NBA erfolgreich in China - trotz Trump-Xi-Streit

John Duerden
29. Oktober 2025

Wegen politischer Verstimmungen wurde die NBA im Jahr 2019 aus ihrem größten Auslandsmarkt ausgeschlossen. Die Beziehung verbessert sich inzwischen - unabhängig vom Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping?

Sprungball beim NBA-Vorbereitungsspiel zwischen den Brooklyn Nets und den Phoenix Suns in Macau
NBA-Basketball in China: Mitte Oktober spielten Phoenix und Brooklyn zur Saisonvorbereitung in MacauBild: Karma Lo/SCMP/picture alliance

Trotz des andauernden Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt waren Anfang Oktober zwei US-amerikanische NBA-Teams - die Brooklyn Nets und die Phoenix Suns - zu Saisonvorbereitungsspielen in Macau, einem Sonderverwaltungsgebiet Chinas.

Im Sommer kehrte die Liga nach sechs Jahren Abstinenz zurück auf chinesischen Boden und einige NBA-Superstars wie LeBron James und Stephen Curry tourten zu Werbezwecken durch China.

Die NBA, mit Abstand die bedeutendste Basketball-Liga der Welt, war zuvor von seinem größten Auslandsmarkt ausgeschlossen gewesen.

Spaltung nach Post zu Hongkong

Im Jahr 2019 hatte Daryl Morey, damals General Manager der Houston Rockets, in den sozialen Medien ein Bild veröffentlicht mit dem Slogan "Fight for Freedom, Stand with Hongkong". Das geschah zu einem Zeitpunkt, als die prodemokratischen Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie ihren Höhepunkt erreichten.

Die NBA bezeichnete die Äußerungen damals anschließend als "bedauerlich", doch die Reaktion in China - mit geschätzten 450 Millionen Basketballfans - war schnell und heftig. Fernsehsender weigerten sich, die Liga weiterhin zu zeigen, Sponsoren kündigten Verträge, und es fanden keine weiteren Vorbereitungsspiele im Land statt.

Im Jahr 2022 schätzte NBA-Commissioner Adam Silver, dass der Boykott die Liga Hunderte Millionen US-Dollar an Einnahmen gekostet habe.

Ein Post von Daryl Morey, mittlerweile President of Basketball Operations der Philadelphia 76ers, löste 2019 den Eklat ausBild: Matt Slocum/AP Photo/picture alliance

Jetzt aber ist die NBA zurück - und obwohl Macau nicht zum chinesischen Festland gehört, wurden die Spiele dort als großer Erfolg gewertet und von begeisterten Zuschauern verfolgt, sodass eine Rückkehr in Städte wie Peking, Shanghai und Guangzhou nicht mehr weit entfernt scheint.

"Die NBA ist bei ihrer Rückkehr nach China sehr vorsichtig und überlegt vorgegangen, und die jüngsten Spiele in Macau sind ein gutes Beispiel dafür", sagt Mark Dreyer, Autor von Sporting Superpower, einem Buch über Chinas sportliche Ambitionen, gegenüber der DW.

"Sie wurden gut aufgenommen, und obwohl die Ereignisse von 2019 sicherlich mehr als nur ein Ausrutscher waren, denke ich, dass die Liga auf einem soliden Weg ist, das Vertrauen wieder aufzubauen."

Geteilte Liebe zum Basketball

Die NBA profitiert davon, dass Basketball in China weiterhin beliebt ist. Während das Land Schwierigkeiten hat, sich im Fußball als große Macht zu etablieren, sieht man in den großen Städten viele Kinder Körbe werfen.

Es hilft auch, dass China echte Superstars im Basketball hervorgebracht hat. Yao Ming aus Shanghai spielte von 2002 bis 2011 für die Houston Rockets und wurde in allen acht Saisons ins All-Star-Team gewählt. Im Juni wurde Yang Hansen von den Portland Trail Blazers gedraftet.

Yao Ming (l.) von den Houston Rockets war einige Jahre lang einer der besten Center der NBABild: Larry W. Smith/EPA/picture alliance

"Basketball hatte in China von Anfang an eine sehr breite Basis, und die Fans sind dem Sport weitgehend treu geblieben", sagt Dreyer. "Ich habe keinen nennenswerten Rückgang bei der Teilnahme oder dem Interesse gesehen, insbesondere seit die NBA-Spiele nach der vorübergehenden Aussetzung wieder übertragen werden."

Die Fans scheinen sich jedenfalls darüber zu freuen, dass der Wettbewerb zurück ist. "Wenn man Basketball liebt, liebt man auch die NBA, und die meisten Leute, die ich kenne, haben trotzdem einen Weg gefunden, die Spiele zu sehen", sagt der in Shanghai lebende Fan Zhang Wei, der hofft, dass sich der Boykott nicht wiederholt.

"Es ist bedauerlich, was passiert ist, aber die Spieler und Offiziellen sollten sich auf den Sport konzentrieren und sich nicht in Dinge einmischen, die darüber hinausgehen."

Auf rohen Eiern

Das bleibt jedoch immer ein Risiko. Dass die Beliebtheit der NBA offenbar relativ unbeeinträchtigt vom Boykott geblieben ist, dürfte für die Verantwortlichen der Liga eine erfreuliche Nachricht sein - doch niemand kann sicher sein, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.

Beide Seiten werden bestrebt sein, eine solche Situation zu vermeiden. Dreyer glaubt, dass ein neuerlicher Konflikt eher unwahrscheinlich ist, da inzwischen allen Beteiligten die finanziellen Konsequenzen bewusst sind, wenn man Peking verärgert. Andere sind weniger überzeugt.

"Ich würde sagen, es besteht ein erhebliches Risiko, dass in Zukunft ein ernsthafter PR-Fehltritt passiert", sagte Bob Pickard, ehemaliger globaler Kommunikationschef der in Peking ansässigen Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank, gegenüber der DW.

Wenige Monate vor dem Eklat von 2019 war in Peking der NBA Flagship Store eröffnet wordenBild: CFOTO/IMAGO

Darüber hinaus ist Pickard der Meinung, dass ein System eingerichtet werden muss, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren. "Dazu gehören Dinge wie Krisenvorbereitung und Notfallübungen, Schulungen zur kulturellen Sensibilität gegenüber China, Medientraining und ein diszipliniertes Kommunikationsmanagementsystem."

NBA-Offizielle haben erklärt, dass China keine Bedingungen dafür gestellt habe, was Spieler und Funktionäre sagen dürfen. Pickard glaubt jedoch, dass Peking Äußerungen, die als kritisch wahrgenommen werden, kaum ignorieren wird.

"China muss noch lernen, dass übertriebene Empfindlichkeit und ein schriller Kommunikationsstil PR-Katastrophen eher verursachen als verhindern", sagte Pickard und fügte hinzu, dass dies auch "ein Klima der Angst fördert, in dem die Menschen so große Angst haben, bei China-Themen einen Fehler zu machen, dass sie sich wie auf rohen Eiern bewegen."

Politische Beziehungen

Das war allerdings nicht der Ansatz von US-Präsident Donald Trump im Umgang mit Peking, der das asiatische Land mit hohen Strafzöllen belegt hat. Am Donnerstag kam es zu einem Treffen in Südkorea mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping , bei dem die beiden Staatschefs sich auf neue Handelsabkommen einigten.

Dennoch stellt die aktuelle politische Lage für jede US-amerikanische Branche, die in China tätig ist, eine Herausforderung dar, allerdings: "Ich würde sagen, die NBA ist im Vergleich zu den meisten Branchen relativ abgeschirmt", sagt Mark Dreyer. "Sie ist kein Handelsgut, sondern bietet Unterhaltung und Inspiration direkt für chinesisches Publikum."

Dieser Status könnte hilfreich sein, falls sich die Beziehungen zwischen Peking und Washington weiter abkühlen sollten. "Das würde die Lage für die Liga sicherlich erschweren", sagte Dreyer. "Aber mit ihrer weltweiten Anziehungskraft und ihrem positiven kulturellen Einfluss kann die NBA tatsächlich dazu beitragen, Wohlwollen zwischen den USA und China aufzubauen - selbst wenn die politischen Beziehungen angespannt sind. In diesem Sinne bleibt Basketball eines der wenigen Felder, auf denen Menschen beider Seiten weiterhin positiv miteinander in Kontakt treten können."

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "NBA makes tentative return to China as Trump and Xi meet" adaptiert und nach dem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping aktualisiert.

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