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Musik

Sieben Fun Facts rund um Beethoven

Nadine Wojcik
19. Dezember 2019

Warum singen jährlich tausende Japaner die "Ode an die Freude"? Und mit welchen Worten verabschiedete sich Beethoven auf dem Sterbebett? Wissenswertes über den Meisterkomponisten - auch für passionierte Kenner.

Bonn - Beethoven Ampel
Bild: Imago/Steinach

1. Kult in Japan

Gänsehautmoment seit 1983: Zum Jahresende singen 10.000 Japaner in einem Massenchor das Chorfinale von Beethovens 9. Sinfonie. Es spielen Profi-Musiker unter der Leitung des international renommierten Dirigenten Yutaka Sado. Für seinen Einsatz probt der Laien-Chor monatelang in zahlreichen Einzelgruppen, verteilt über das ganze Land - und paukt den deutschen Liedtext. Die Begeisterung für die Neunte geht auf einen Auftritt von deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zurück: 1918 sangen sie im japanischen Kriegsgefangenenlager Bando die "Ode an die Freude". Seither sind die Japaner Beethoven-begeistert - sie nennen das Werk schlicht Daiku, die "Große".

2. Naturfreund

Schon zu Beethovens Zeiten, dem frühen Industriezeitalter, muss es sehr laut und schmutzig in den Städten gewesen sein: Abgase von Dampfmaschinen, schmutziges Trinkwasser, Straßenlärm durch Kutschen auf Kopfsteinpflaster. Beethoven floh oftmals ins Wiener Umland. "Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier nicht. Süße Stille des Waldes!" Die sechste seiner neun Sinfonien widmete er der Natur: "Pastoral-Sinfonie, oder: Erinnerung an das Landleben. Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei" so der vollständige Titel des Werkes. Der Naturliebhaber zeichnete beim Komponieren tatsächlich konkrete Landschaften und Erlebnisse nach. So benannte er einzelne Sätze etwa "Szene am Bach", "Lustiges Zusammensein der Landleute", "Gewitter" oder "Hirtengesang". Keine abstrakte Beschreibung, sondern explizit hörbar: Das Orchester imitiert Vogelrufe und Bachplätschern, spielt zum Bauerntanz auf oder wütet wie ein Gewittersturm.

3. Ausnahmezustand beim Begräbnis

Viele Künstler erreichen erst nach ihrem Tod den Ruhm, auf den sie zu Lebzeiten hofften. Nicht so Beethoven: Der Komponist war der Popstar seiner Zeit. An seinem Begräbnis nahmen 20.000 Menschen teil - das entsprach etwa der Hälfte der Wiener Innenstadtbevölkerung. Die Kinder bekamen schulfrei, das Militär kümmerte sich um einen geordneten Ablauf. Den Sarg begleiteten die bedeutendsten Musiker und Künstler Wiens, unter ihnen auch Franz Schubert. Für die Beisetzung hatte der Dichter Franz Grillparzer eine bewegende Grabrede verfasst, die der Schauspieler Heinrich Anschütz vortrug.

4. Musikalische Grußbotschaft an Außerirdische

Auf den ersten Eindruck kommt es bekanntlich an. Wenn Außerirdische das erste Mal mit Menschen in Kontakt kommen - was sollten sie dann über uns erfahren? Beethovens Musik! Seit 1977 sind die Raumsonden "Voyager 1" und "Voyager 2" im Weltraum unterwegs, jenseits unseres Sonnensystems. An Bord: "Golden Record", eine vergoldete Kupferplatte mit Grafiken, Geräuschen und Musik. Beethoven ist nicht der einzige musikalische Botschafter - mit dabei sind auch Bach, Mozart, Strawinski und eine Reihe von ethnischen Liedern und Gesängen. Unter den insgesamt 27 Titeln fliegen folgende zwei Beethoven-Werke im Weltraum umher: die 5. Sinfonie (1. Satz) und das Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130 (5. Satz). 

Unterwegs zu neuen Planeten: Die "Golden Record" fliegt mit Beethoven-Musik jenseits unseres SonnensystemsBild: picture-alliance/AP Photo/NASA

5. Europahymne

Das hätte sich Beethoven sicherlich nicht träumen lassen: 1972 erklärte der Europarat die "Ode an die Freude", den letzten Satz der 9. Sinfonie, zur offiziellen Hymne der heute 512 Millionen EU-Bürger. Für diese Zwecke musste das Chor-Finale allerdings ordentlich eingekürzt werden. Mit einer Länge von rund 25 Minuten und einem fulminanten Aufbau taugte das Werk im Original nicht für Staatsakte und Empfänge. Beauftragt wurde damals kein geringerer als der Stardirigent Herbert von Karajan, der die Takte 140 bis 187 aus Beethovens Finale für Bläser arrangierte.

Die Hymne kommt ohne Text aus - anders als das Original, das bei der Uraufführung für Aufsehen sorgte, da erstmalig ein Chor bei einer Sinfonie zum Einsatz kam. Dies ist sicherlich der Mehrsprachigkeit der Europäischen Union geschuldet und dem diplomatischen Versuch, keine Sprache zu bevorzugen. Doch der Geist des ursprünglichen Textes, der von Friedrich Schiller stammt, soll der Europahymne dennoch inne wohnen. "Mit seiner 'Ode an die Freude' brachte Schiller seine idealistische Vision zum Ausdruck, dass alle Menschen zu Brüdern werden - eine Vision, die Beethoven teilte", heißt es auf der Internetseite der Europäischen Union. "Ohne Worte, nur in der universellen Sprache der Musik, bringt sie die europäischen Werte Freiheit, Frieden und Solidarität zum Ausdruck."

6. Historischer Beethoven-Sound

Dank Notenblättern und Partituren überlebte die Musik Beethovens die vergangenen 200 Jahre. Doch wie hat sie ursprünglich geklungen? Schließlich waren die Instrumente damals anders gearbeitet und auch die Aufführungsorte hatten einen anderen Klang- und Resonanzkörper als heutige Philharmonie-Bauten. Das Orchester Wiener Akademie macht seit 2014 klangliche Zeitreisen: Gespielt wird auf historischen Instrumenten und an Originalorten der Ur- und Erstaufführung. Bis ins Detail: Bei "RESOUND Beethoven" wird das Orchester, der Chor und auch das Publikum in den historischen Sälen wie beispielsweise der Wiener Hofburg genauso positioniert wie zu Beethovens Zeiten.

7. Letzte Worte

Mit "Schade, schade, zu spät!" soll sich Ludwig van Beethoven 1827 auf seinem Sterbebett verabschiedet haben. Damit war nicht seine endende Tätigkeit als Komponist, sondern eine Weinlieferung gemeint. Beethoven soll ein schwerer Trinker gewesen sein, manche Quellen sagen, das Musikgenie habe täglich drei Flaschen Wein getrunken.

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