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Berlin allein gegen Hochfrequenz-Handel

29. Mai 2012

Die Börsenaufsicht soll nach dem Willen der Bundesregierung den sogenannten Hochfrequenz-Handel besser kontrollieren. Das will die EU zwar auch - aber das dauert der Koalition offenbar zu lange.

Börsensaal in Frankfurt (Foto: Reuters)
Deutschland Wirtschaft Börse Börsensaal in FrankfurtBild: Reuters

Nach den Plänen der Regierung soll die Börsenaufsicht jederzeit den umstrittenen superschnellen Computerhandel stoppen können. Union und FDP wollen zudem Eingriffsbefugnisse und Haftungsrisiken der Aufsicht klären und so bestehende Lücken in einem nationalen Alleingang schließen. Die Erfahrungen sollen dann in die geplanten EU-Regeln einfließen, erklärten Finanzexperten am Dienstag (29.05.2012) in Berlin.

Beim automatisierten Hochfrequenzhandel werden Computer mit komplizierten Formeln und mathematischen Algorithmen gefüttert. Der superschnelle Handel per Auto-Pilot gilt als ein Auslöser vieler Börsen-Turbulenzen. Innerhalb von Millisekunden werden Aktien gekauft und wieder verkauft, um minimale Kursdifferenzen zu nutzen und Milliarden zu bewegen.

Kettenreaktionen ausschließen

Dieser Handel hat stark zugenommen. Schätzungen zufolge laufen bereits 40 Prozent aller Aktienkäufe und -verkäufe in Deutschland vollkommen autonom ab. Er macht aber auch Kettenreaktionen und Betrugsfälle wahrscheinlicher. Fallen Kurse, zieht dies weitere Verkaufswellen nach sich, was Panik auslösen kann.

Die Koalition will laut "Financial Times Deutschland" Händler verpflichten, die Algorithmen der Aufsicht offenzulegen, zumindest bei Nachfragen. Bisher haben Börsen und Behörden keinen Zugriff auf Software und Programmierer. Aufseher können deshalb nachträglich nur schwer nach Ursachen für extreme Preisausschläge suchen.

Erneut vorgeprescht

Bis Ende Juni sollen Eckpunkte stehen, im Herbst soll es einen Gesetzesvorschlag geben. Ein Komplett-Verbot des Hochfrequenzhandels ist allerdings nicht vorgesehen. Die Regulierung des Hochfrequenz-Handels ist wichtiger Teil der Reform der Finanzmarkt-Regeln der EU. Diese Reform wird derzeit zwischen den EU-Regierungen und dem EU-Parlament verhandelt. Die Umsetzung einer neuen Richtlinie für die Finanzmärkte in den EU-Mitgliedsstaaten könnte jedoch noch Jahre dauern. Darauf will die schwarz-gelbe Regierungskoalition offenbar nicht warten.

Mit dem Vorpreschen könnte Deutschland die EU erneut vor den Kopf stoßen. Bereits 2010 hatte Deutschland im Alleingang Spekulationen mit sogenannten Kreditausfall-Versicherungen auf Staatsanleihen von EU-Staaten verboten. Diese Spekulationen sollen zur Verschärfung der Euro-Schuldenkrise beigetragen haben.

wen/ml (dpa, afp)

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