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Nach offenem Brief zu Gaza: Weimer verteidigt Berlinale

18. Februar 2026

Die Berlinale sei keine NGO "mit Kamera und Regie", sagte der Kulturstaatsminister. Zuvor hatten rund 80 Filmschaffende dem Filmfestival eine mangelnde Positionierung im Gaza-Krieg vorgeworfen.

Wolfram Weimer im Halbporträt
"Es wird natürlich keine Zensur betrieben": Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien (Archivbild)Bild: Bernd Elmenthaler/IMAGO

Nach einem offenen Brief mehrerer Filmschaffender zum Nahostkonflikt hat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hinter die Leitung der Berlinale gestellt. Das Festival sei keine Nichtregierungsorganisation "mit Kamera und Regie", sondern ein Ort, an dem sich Filmschaffende entfalteten und alle Themen adressierten, sagte Weimer dem Sender Welt TV.

Das Branchenblatt "Variety" hatte einen offenen Brief Dutzender Filmschaffender veröffentlicht, in dem Künstler und Künstlerinnen wie Tilda Swinton der Berlinale eine mangelnde Positionierung im Israel-Hamas-Krieg vorgeworfen hatten. Die Unterzeichner schreiben, sie seien entsetzt über das "institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern". Israel verwahrt sich gegen den Vorwurf, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das entspricht auch der Position der deutschen Bundesregierung. Länder wie Südafrika oder Spanien sowie eine UN-Kommission sprechen dagegen von einem Genozid.

"Ein Ort, an dem Meinungen aufeinanderprallen"

Die Verfasser des Briefs, darunter auch Regisseur Mike Leigh und Fotografin Nan Goldin, kritisierten namentlich Jurypräsident Wim Wenders und warfen der Berlinale Zensur vor. Weimar sagte hierzu: "Es wird natürlich keine Zensur betrieben." Die Berlinale sei ein Ort, an dem Meinungen aufeinanderprallten, wo offen diskutiert werde. Die Bandbreite der politischen Debatte sei enorm groß.

"Gegengewicht zur Politik": Jurypräsident Wim Wenders am vergangenen DonnerstagBild: Scott A Garfitt/Invision/AP Photo/picture alliance

Weimer erklärte, Wenders werde aus einer bestimmten Ecke - "von Pali-Aktivisten", also anti-israelischen, pro-palästinensischen Aktivisten - bedrängt, "noch mehr zu sagen, noch mehr zu tun", sagte Weimer. "Ich würde ihn da gerne in Schutz nehmen, weil ich finde, er hat genau die richtigen Worte gefunden." Wie immer sei die Berlinale eine sehr politische Veranstaltung. "Es werden die heiklen Themen alle angesprochen." Wenders und Festivalchefin Tricia Tuttle führten die Filmfestspiele "sehr ausgewogen, sehr feinfühlig".

"Sehr ausgewogen, sehr feinfühlig": Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle im JanuarBild: Liesa Johannssen/REUTERS

Tuttle hatte sich bereits am Wochenende in einem Statement hinter Wenders und die Künstler der Berlinale gestellt. "Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht - jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme", schrieb die Festivalchefin.

Teilnahme abgesagt: Schriftstellerin Arundhati Roy (Archivbild)Bild: Prakash Singh/AFP

Wenders: Filmschaffende als Gegengewicht zur Politik

Seit dem Start der Berlinale ging es mehrfach auch um den Nahostkonflikt. Wenders hatte bei einer Pressekonferenz gesagt, Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten; sie seien ein Gegengewicht zur Politik. Das hatte für Kritik auch von anderen Künstlern gesorgt. So hatte die indische Schriftstellerin Arundhati Roy, die den offenen Brief nicht unterzeichnete, am vergangenen Wochenende aus Protest gegen Wenders' Aussage ihren Besuch des Festivals abgesagt.

Die Hamas , die von zahlreichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, hatte gemeinsam mit anderen islamistischen Gruppen am 7. Oktober 2023 ein Massaker auf israelischem Gebiet verübt, bei dem nach Angaben des Militärs etwa 1200 Menschen ermordet wurden. 251 Personen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Beim darauffolgenden israelischen Militäreinsatz wurden nach Zahlen der Hamas-Behörden mehr als 72.000 Menschen in dem Palästinensergebiet getötet. 

jj/se/stu (dpa, kna)

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